Stern-Wywiol Galerie

Auf den ersten Blick scheinen die drei Künstler Dieter Balzer, Jürgen Paas und Willi Siber vieles gemein zu haben. Sie arbeiten alle abstrakt und verwenden industriell gefertigte Materialien, wie PVC-Bänder, MDF, Folien, Lacke und Metalle, die sie zweckentfremdet einsetzen. Ihrer Nützlichkeit beraubt, betonen die Künstler die ästhetische Komponente oder andere spezifische Eigenschaften der Materialien. In diesem Aufwertungsprozess agieren alle drei Künstler verschwenderisch mit dem Einsatz von Farbe.

In der Auseinandersetzung mit den Wechselwirkungen von Farbe, Oberfläche und Licht kommen sie jedoch zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen – die eine intellektuelle Auseinandersetzung oder einen emotionalen Zugang offenbaren – und bereichern so den Diskurs der grenzenlosen Skulptur heute.

Die Stern-Wywiol Galerie stellt in der Ausstellung Farbrausch Dieter Balzer erstmals vor und zeigt neue Werke ihrer Galeriekünstler Jürgen Paas und Willi Siber.

Dieter Balzer steht in der Tradition der konkreten Kunst. Er zerschneidet MDF-Platten und baut daraus in vielerlei geometrischer Variation architektonisch anmutende Objekte für Wand und Raum. Sie heißen Horizontale, Orthogonale, Konjunktionen oder Scusibrancusi, etc. Diese beklebt er mit Farbfolien, die in ihrer Passgenauigkeit die Verstrebungen der MDF-Gebilde zwar nachbilden, in ihrer Farbigkeit diese aber konterkarieren. Das Eigenleben der Farbe hebt so die Materialität des Objekts auf und überführt den Gegenstand ins Geistige, Konkrete.

Jürgen Paas stellt seine neue TARGET-Serie vor. Farbige PVC-Bänder schmiegen sich kreisförmig aneinander, so dass sie zu plastischen Wand- und Bodenobjekten werden. Eigentlich dem Minimalismus verhaftet, bleibt er in der Form klar und geometrisch, gibt dem Objekt in der Farbigkeit aber malerische Qualitäten, die ins Psychodelische gleiten. Der Gegenstand wird gleichzeitig mit psychologischen wie technischen Assoziationen verknüpft und so inhaltlich aufgeladen.

Willi Siber arbeitet lustvoll mit Lacken und Metallen und untergräbt dabei die Materialeigenschaften. Schwere Stahlrohre wirken knickbar wie Strohhalme, dicke Stahlplatten werden leicht biegsam wie Federn. Die Farbe wird von ihm als Verführer eingesetzt, ihre Sinnlichkeit wird betont. Die Form ist offen und zielt auf Bewegung. Sein Werk ist ein zeitgenössischer Kommentar zur Sinnenfreude des Barock.

Dieter Balzer - Jürgen Paas - Willi Siber
Farbrausch
02.09.17  -  25.11.17

Stadtluft macht frei. Das mittelalterliche, immerwährende Glücksversprechen verbindet sich mit ökonomischer Mechanik und lässt die Städte bis heute unaufhörlich wachsen. Weltweit leben über die Hälfte aller Menschen in der Stadt, in Europa sind es schon zwei Drittel.

Die Ausstellung in der Stern-Wywiol Galerie zeigt drei künstlerische Sichtweisen auf die Lebensform unserer Zeit. Maike Gräf, Thomas Putze und Detlef Waschkau entwickeln aus dem alten Bildhauermaterial Holz und der klassischen Figuration jeweils eine sehr eigene, dezidiert zeitgenössische Formensprache, in der sie die Grundthemen moderner Gesellschaften verhandeln. Sie finden ihre Motive im Spannungsfeld zwischen Massenkultur und Individualität, Freiheit und Begrenzung, Perfektion und Versehrtheit. Sie formen daraus drei Bildwelten, jede für sich schlüssig und jede im Kontakt mit den anderen – ein emotional und intellektuell aufregender Kommentar in der Stern-Wywiol Galerie zum 21. Jahrhundert als dem Zeitalter der Städte.

Maike Gräf schöpft aus großstädtischen Kunstformen wie Comic-Strip, Manga und Graffiti und verhandelt die klassischen Themen Leben, Liebe und Tod.

Thomas Putze kombiniert klassisch aus dem Holz geschnittene Holzfiguren mit Weggeworfenem und Unbrauchbarem und reflektiert gesellschaftliche Fragen wie Individualität, Konsum und Lebenssinn.

Detlef Waschkau erzählt in seinen farbigen Holzreliefs von der permanenten Transformation der Großstädte und erzeugt mit der Verbindung von strengem Rasterplan und Schnappschuss-Perspektive inhaltliche und formale Spannung.

 

 

Maike Gräf - Thomas Putze - Detlef Wachkau
Sex.Stadt.Leben.
05.05.17  -  19.08.17

Maria und Natalia Petschatnikov sind geniale Illusionistinnen. In der Tradition des Realismus des 19. Jahrhunderts malen und zeichnen sie Dinge und Situationen aus unserer alltäglichen Lebenswelt und bilden aus den verschiedensten Materialien dreidimensionale Objekte. All dies inszenieren sie in ihren Ausstellungen zu einer Gesamtinstallation, die die Unterscheidung von Malerei und Objekt durch zahlreiche Trompe l‘œil -Effekte verwischt.

Ihr Blick ist dabei vielfältig: Sie schauen auf ihr urbanes Umfeld, greifen soziale Themen auf, lassen ihren Blick auf Reisen schweifen – tatsächlichen wie fiktionalen. Sie schauen auf die (Kunst)-Geschichte, verbinden Gegenwart und Vergangenheit, innere und äußere Welt, Fiktion und Wirklichkeit.

Das Künstlerduo stellt häufig ganz alltägliche Gegenstände dar, die wie Artefakte in neue Zusammenhänge gebettet werden. Dies geschieht teils werkimmanent, teils erst durch die installative Anordnung, in der die Gegenstände mit anderen verknüpft werden. Diese Beziehungsstiftungen eröffnen dem Betrachter neue Erkenntnisse und bilden in sich ein Gesamtkunstwerk.

Für die Stern-Wywiol Galerie haben die beiden Künstlerinnen ein Ausstellungskonzept entwickelt, das das Umfeld der Galerie in einem Business-Distrikt aufgreift. In den Galerieräumen werden die Zwillingsschwestern ein Art Morph zwischen Kunst- und Bürowelt schaffen und einen surrealen Kontor-Raum kreieren. Aus gewöhnlichen Büro-Motiven wird ein ungewöhnlicher Ort, der den Betrachter zu außergewöhnlichen Assoziationen inspiriert. Ihre standortspezifische Intervention knüpft dabei an die dadaistische Tradition von Marcel Duchamp an und führt den Diskurs des White Cubes auf eine einzigartige Art fort.

Maria und Natalia Petschatnikov
GRUPPENDYNAMIK
20.01.17  -  22.04.17

 

Die Galerie stellt in der Ausstellung einen Querschnitt ihres aktuellen Portfolios vor. Elf Künstler illustrieren mit ausgesuchten Arbeiten die Spannbreite zeitgenössischer Skulptur. Auf unterschiedlichste Weise dringen sie mit ihren Arbeiten in den Raum vor und bereichern den Diskurs der „grenzenlosen Skulptur“ auf ebenso überraschende wie individuelle Weise.

 

Maike Gräf – ihre figurative Holzskulpturen sind im Spektrum aktueller Kunst gänzlich einzigartig. In ihnen verbindet sich ein sehr gegenwärtiges, von Reflexen auf die Zeichenwelt des Comics, der Street-Art und Computerspielen unterlegtes Menschenbild mit einem uralten künstlerischen Handwerk.      HOLZ

Volker März – ist ein politisch und philosophisch denkender und arbeitender Künstler, der seine Reflexionen in einem erzählerischen Rahmen vor uns ausbreitet. Sein Werk umfasst Ton-Skulptur, Malerei, Fotografie, Musik, Performance und Bühnenbild, das er mit eigenen Texten begleitet.         TON

Jürgen Paas – beschäftigt sich in seinem minimalistischen Werk mit Farbe, Fläche, Strukturen und Volumen. Dabei führt er die formale Auseinandersetzung durch eine Archiv- und Depot Thematik auf eine inhaltliche Ebene, indem er das Sammeln, Bewahren, Präsentieren und Ordnen von Kunst an sich zum Thema macht.          FORM +FARBE

François du Plessis‘ Bildhauermaterial sind Bücher, deren farbige Schnitte er zu Objekten von intensiver Sogwirkung verarbeitet. Er lotet vermeintliche Alltagsgegenstände inhaltlich und formal neu aus, indem er die abstrakte Formensprache der Moderne aufgreift und umdeutet.        BUCH

Thomas Putze – ein wichtiger Vertreter der aktuellen Junk-Art. Er sammelt die Dinge, die wir als unbrauchbar aussortieren und verarbeitet sie zu Skulpturen, oft in Verbindung mit holzbildhauerischen Werken. Was auf den ersten Blick burlesk erscheint, ist auf den zweiten Blick auf eine ebenso intelligente wie humorvolle Gesellschaftsanalyse.    JUNK

Yves Rasch – Material ist Holz, das er in einem bildhauerischen Prozess in abstrakte, organische Formen verwandelt, die mit der Schönheit des Materials arbeiten. Zwischen Form und Material sowie zwischen Anschauung und eigenem Körperempfinden schaffen die Skulpturen eine glückliche Resonanz, die den Betrachter emotional berührt.          HOLZ

Henning Schwarz – Der Steinbildhauer und Meisterschüler von Stephan Balkenhol spielt mit Brüchen und Gegensätzen, inhaltlich wie formal. Seine Arbeiten wechseln zwischen abstrakt und gegenständlich, spielen mit den Medien Zeichnung und Skulptur und changieren zwischen Ein- Zwei- und Dreidimensionalität.            STEIN

Willi Siber – lotet lustvoll die Grenze zwischen Materialerfahrung und -möglichkeit aus, geometrische Formen spielen ins Anthropomorphe, Mikrostrukturen werden zu sinnlichen Strukturen und Nägel zu luftigen Farbwolken verbunden, während tonnenschwere Stahlarbeiten ätherisch schweben und demontiert so eingeübte Seh-Erfahrungen.  MATERIAL

Sibylle Waldhausen – ist eine scharfsinnige Beobachterin, die in ihren figurativen Werken die Veränderungen und Herausforderungen der globalisierten und digitalisierten Welt und den damit einhergehenden Werte- und Rollenwandel thematisiert. Der medialen Welt begegnet sie dabei mit einem uralten Material – Bronze – und traditioneller plastischer Handarbeit.                  BRONZE

Anja Wiebelt geht von der inneren Erfahrungswelt aus, für die sie konkrete Bilder und Metaphern sucht. In ihren Arbeiten spürt sie der Flüchtigkeit unseres Gedächtnisses nach, indem sie Fragmente erinnerter Realitäten zu abstrakten Objekten zusammenfügt und damit neue Realitäten schafft.         KONZEPT

Kathinka Willinek – lässt per Computer das Bild vom dreidimensionalen Menschen erst als flächiges Pixelbild berechnen und dann wieder in die dritte Dimension übersetzen. Diesen computergenerierten Körper bildet sie in Handarbeit nach, indem sie Batzen von Acrylfarbe an Nylonfäden fixiert. Das menschliche Bild wird so in die digitale Abstraktion überführt und gleichzeitig um eine neue, plastische Wirklichkeit bereichert.       RAUM

Abb.: Volker März, Scheinesser, 2016, gebrannter Ton bemalt (vergoldet), div. Größen

Maike Gräf – Volker März – Jürgen Paas – François R. du Plessis – Thomas Putze – Yves Rasch – Henning Schwarz – Willi Siber – Sibylle Waldhausen – Anja Wiebelt – Kathinka Willinek
SKULPTUR HEUTE
04.11.16  -  07.01.17

Vernissage, 7.7., 18 Uhr

Zart und poetisch sind die Adjektive, die auf das Werk der drei Künstler passen, obgleich ihr Ansatz und die Ergebnisse ihrer Arbeit sehr unterschiedlich sind. Die Ausstellung "Drei Positionen" zeigt neue Arbeiten der Galeriekünstler François du Plessis und Anja Wiebelt und stellt Kathinka Willinek vor.

François du Plessis arbeitet mit dem Material Buch. Dabei lotet er vermeintliche Alltagsgegenstände inhaltlich und formal neu aus, indem er die abstrakte Formensprache der Moderne aufgreift und umdeutet. In seinen neuesten Arbeiten führt er den Diskurs mit der Moderne fort und formt die Bücher zu gegenständlichen Tableaus voller Witz und Poesie, erstmals auch gegenständlich.

Anja Wiebelt stellt ihre Abschlussarbeiten der Meisterklasse Stephan Balkenhol vor. Sie geht von der inneren Erfahrungswelt aus, für die sie konkrete Bilder und Metaphern sucht. In ihren Arbeiten spürt sie der Flüchtigkeit unseres Gedächtnisses nach, indem sie Fragmente erinnerter Realitäten zu abstrakten Objekten zusammenfügt und damit neue Realitäten schafft. Kathinka Willinek geht vom klassischen Menschenbild aus. Per Computer lässt sie das Bild vom dreidimensionalen Menschen erst als flächiges Pixelbild berechnen und dann wieder in die dritte Dimension übersetzen. Diesen computergenerierten Körper bildet sie in Handarbeit nach, indem sie Batzen von Acrylfarbe an Nylonfäden knüpft. Das menschliche Bild wird so in die digitale Abstraktion überführt und gleichzeitig um eine neue, plastische Wirklichkeit bereichert.

Abb.: François du Plessis, Jeezeeweezee, 2016, geschnittene Bücher, Textilien, Schrauben, 144 x 108 x 6 cm

François du Plessis Anja Wiebelt Kathinka Willinek
Drei Positionen
08.07.16  -  22.10.16

Unbedingt anfassen! Das ist der erste und nie nachlassende Impuls, den Willi Sibers abstrakte Arbeiten ausstrahlen. Schimmernde Chromlack-Oberflächen und zartfarbige, filigrane Epoxidharz-Formen sprechen den Tastsinn ganz unmittelbar an, sie geben den Werken Transzendenz und Emotionalität. Seine Stahlskulpturen, Holzobjekte und Tafelbilder, die in vielen öffentlichen Sammlungen wie der des deutschen Bundestages vertreten sind, passen in keine Deutungs-Schublade. Stets lotet Willi Siber die Grenze zwischen Materialerfahrung und -möglichkeit aus, lässt geometrische Formen ins Anthropomorphe spielen, vergrößert Mikrostrukturen zu geometrischen Mustern, verbindet Nägel zu luftigen Farbwolken und lässt tonnenschwere Stahlarbeiten ätherisch schweben. Lustvoll demontiert Willi Siber künstlerische Ordnungsprinzipien und eingeübte Seh-Erfahrungen und erfindet sich immer wieder neu.

 

Touch me! This is the first, never-relenting impulse stimulated by Willi Siber’s abstract works. Gleaming, painted-chrome surfaces and delicate, pastel-colored forms made of epoxy resin directly address our sense of touch and invest the works with transcendence and emotionality. His steel sculptures, wood objects and panel paintings do not fit into any interpretive pigeonhole. Willi Siber is always exploring the boundary between the experience and possibilities of the material, pushing geometrical forms into the anthropomorphic, enlarging microstructures into geometrical patterns, joining nails into airy clouds of color and causing multi-ton steel works to hover ethereally. Willi Siber delights in dismantling principles of artistic order and accustomed visual experiences, and he continually reinvents himself.

Willi Siber
Exakte Phantasie
11.03.16  -  25.06.16

Mit der Ausstellung HULAHOOP stellt die Stern-Wywiol Galerie das Werk des Essener Künstlers Jürgen Paas in einer breit angelegten, retrospektiven Schau vor. Von Anfang an arbeitet der Künstler in einer Doppelrolle als Maler und Bildhauer, reiht gemalte Flächen in blockhaften Depot-Konstruktionen hintereinander und verdichtet so malerische Flächen zu rhythmisch strukturierten Raum-Objekten. In seinen neuesten, stark farbigen und scheinbar de-komprimierten Arbeiten fügt Jürgen Paas seinen minimalistisch geprägten Objekten ein stark subjektives, ja rauschhaftes Element hinzu und gibt seinem Werk so eine neue Wendung.

The exhibition HULAHOOP is presented by the Stern-Wywiol Gallery and shows the work of the Essen-based artist Jürgen Paas in an extensive, retrospective exhibition. From the beginning, the artist has worked in a dual role as a painter and sculptor. He lines up painted surfaces in block-like, storehouse constructions one in front of the other, thus turning them into rhythmically structured objects in space. In his latest, highly colorful and seemingly decompressed works, Jürgen Paas adds a highly subjective and even ecstatic element to his characteristically minimalist objects, giving his work a new twist in this way.

 

Jürgen Paas
HULAHOOP
09.10.15  -  20.02.16

Anlässlich ihres 3. Geburtstages zeigt die Stern-Wywiol Galerie neue Arbeiten von drei Galeriekünstlern. Die Gegenüberstellung der drei Holzbildhauer macht ihren jeweils ganz eigenen künstlerischen Ansatz deutlich und lässt die Vielfalt möglicher Holz-Wege erahnen. MAIKE GRÄF Die Holzskulpturen von Maike Gräf verbinden ein gegenwärtiges Menschenbild mit einem traditionellen künstlerischen Handwerk. Ihre figurativen Skulpturen greifen durch ihre prismatischen Flächen und Kanten und ihre plakative Farbigkeit aktuelle Kulturmuster auf, während sie inhaltlich von den klassischen Themen Liebe, Leben und Tod handeln. Maike Gräf nimmt mit dieser Symbiose eine unverwechselbare Position in der zeitgenössischen Skulptur ein. In ihrer aktuellen Werkphase zeigt sie die ursprüngliche Materialität auf, in dem sie Holz in Form, Fläche und Farbe neu verhandelt. THOMAS PUTZE Thomas Putze ist ein Junk-Art Künstler. Weggeworfene und gefundene Holzstücke werden in einem bildhauerischen Prozess bearbeitet und die in ihnen verborgenen Figuren befreit. Formal interessiert ihn die Kombination unterschiedlichster Materialien. Inhaltlich beschäftigt er sich mit dem Unperfekten, dem Makel und der Verletzlichkeit der Kreatur, die er aber positiv und handelnd darstellt. In seiner neuen Werkserie zum Thema Ordnung, Reihung und Gruppe kratzt er an der Grenze zum Abstrakten. YVES RASCH Yves Rasch arbeitet wie Maike Gräf stets aus einem Stück Holz, allerdings bindet er die Materialität des Holzes ganz zentral in sein Werk ein. Anders als die beiden anderen Künstler arbeitet er abstrakt. Seine organische Formensprache ist verdichtete Bewegung, sie verbildlicht grundlegende Prinzipien des Lebens wie Wachstum, Ruhe und Gleichgewicht. Seine Werke üben eine große haptische und sinnliche Anziehungskraft aus. Er stellt eine neue Serie zum Thema Atmung vor. Eine Metapher für das Leben.

Abb.: Maike Gräf, Kuss, 2015, Linde, 147 x 55 x 60 cm

Maike Gräf, Thomas Putze, Yves Rasch
Auf dem Holzweg
19.06.15  -  26.09.15

Der erste Blick auf die Arbeiten von François du Plessis fasziniert und irritiert zugleich. Vielfarbige Strukturen, Oberflächen wie Stein, Maserungen wie Jahresringe von Bäumen. Verschiedenste Assoziationen tun sich auf, aber das Material bleibt rätselhaft. Erst auf den zweiten Blick ist erkennbar, dass alle Werke aus Büchern gemacht sind. Buchseiten, Buchdeckel, Buchrücken, Lesezeichen das ist es. François du Plessis Material ist das Buch. Ein Material, dem er unzählige Darstellungsmöglichkeiten abringt: Mal aufrecht nebeneinander gestellt betont er die skulpturale Qualität des Buchs, mal mit Farbe geweißt verweist er auf dessen Objektcharakter. In der Verwendung von bunten Büchern tritt er in einen Diskurs mit Analytischer Malerei und Informel.

Formal spannend und abwechslungsreich, inhaltlich vielschichtig. François du Plessis verwendet meist einen Buchtitel aus der Arbeit als Werktitel. Zufällig oder bedeutungsschwer? Die Titel öffnen Interpretationsspielräume, wie auch allein die Tatsache, dass hier ein Kulturgut höchsten Ranges scheinbar nur als Objekt gesehen wird. Tradition versus Moderne? Analog versus digital? Oder doch nicht?

Für die Stern-Wywiol Galerie zeichnet der Künstler in der Ausstellung "Der rote Faden" seine Auseinandersetzung mit dem Buch als Bildhauermaterial nach. Das Buch ist der rote Faden im Werk. Oder ist der rote Faden gemeint, der als Lesezeichen aus vielen seiner Skulpturen hervorspringt?

François du Plessis lotet vermeintliche Alltagsgegenstände inhaltlich und formal neu aus, indem er die abstrakte Formensprache der Moderne aufgreift und umdeutet. Er nimmt so eine wichtige Position im zeitgenössischen Diskurs der "grenzenlosen Skulptur" heute ein.

 

François du Plessis
Der rote Faden
30.01.15  -  06.06.15

Volker März, geboren 1957 in Mannheim, studierte von 1977-1983 an der Hochschule für Bildende Künste Berlin und lebt heute als freischaffender Künstler in Berlin.

Sein Werk umfasst Skulptur, Malerei, Fotografie, Musik, Performance und Bühnenbild, die er mit eigenen Texten begleitet und in seinen Ausstellungen zu begehbaren Installationen, zum Gesamtkunstwerk verbindet. Volker März arbeitet dabei stets themenbezogen, oft auch in Auseinandersetzung mit historischen Persönlichkeiten. Friedrich Nietzsche etwa, Hannah Ahrend, Franz Kafka oder Walter Benjamin sind Persönlichkeiten, deren Lebens-, Werk- und Rezeptionsgeschichte ihm Anlass zur Reflexion bietet. Zeitgeschichtliche Fragen verbinden sich mit den allgemeinen der menschlichen Existenz wie Vergessen, Angst, Lust, Anpassung, Freiheit und Toleranz. Er bedient sich dazu einer Vielzahl kleiner, farbig bemalter Tonfiguren, die er unter anderem "Ersatzmenschen" nennt. Sie sind oft bizarr überzeichnet, satirisch zugespitzt oder phantastisch verfremdet und agieren Schauspielern gleich miteinander. In den dazugehörigen Fotografien verwischt Volker März die Relationen zwischen Skulptur und Umwelt perspektivisch wie physisch indem sie durch die Wahl der Perspektive menschengroß oder gar monumental erscheinen lässt.

Volker März ist ein politisch denkender und arbeitender Künstler, der seine Reflexionen in einem erzählerischen Rahmen vor uns ausbreitet. Ganz im Sinne seiner gesellschaftlichen Themen, die alle Lebensbereiche berühren, beschränkt sich Volker März nicht auf eine Kunstgattung, sondern arbeitet spartenübergreifend in Bildender Kunst, Musik und Literatur.

Für die Stern-Wywiol Galerie hat der Künstler unter dem Titel "Ooops … I‘m so sorry for the truth!" eine breit angelegte Gesellschaftskritik mit Themen wie Erziehung, Emanzipation, Rassismus, Verdrängung, Toleranz und Freiheit eingerichtet. Hauptfigur, roter Faden und metaphorische Hilfe ist die Figur eines Esels mit roten Ohren sein, der als kluges, gelassenes Tier den Menschen mit all seinen Problemen, Träumen und Handicaps (er-)trägt. Volker März‘ "Esel" ist der Humor, der auch die schwierigsten Themen für uns erschließt und uns einen Modus an die Hand gibt, uns und die Welt anzunehmen.

Volker März
Ooops … I’m so sorry for the truth!
04.09.14  -  17.01.15

Die Ausstellung Ansichten und Einsichten ist der Beginn einer neuen Reihe mit dem Titel "Meisterschüler". Hier stellt die Stern-Wywiol Galerie in unregelmäßigen Abständen Meisterschüler bedeutender zeitgenössischer Bildhauer vor. Den Auftakt machen Henning Schwarz und Anja Wiebelt Meisterschüler von Stephan Balkenhol.

Stephan Balkenhol studierte bis 1982 an der HfBK in Hamburg und ist ein international erfolgreicher Künstler. In der Hansestadt ist er mit folgenden Werken vertreten: Mann auf Giraffe vor Hagenbeck, Mann und Frau vor der Zentralbibliothek und den Vier Männern auf Bojen auf Außenalster und Elbe.

Anders als ihr Lehrer arbeiten die beiden Künstler nicht als Holzbildhauer.

Henning Schwarz‘ Material ist Stein. Er nimmt sich Gabbro, Diabas oder Marmor und bearbeitet diesen zu spiegelglatten Oberflächen. Die Schönheit des Materials ist überwältigend und wird doch immer wieder gebrochen durch unregelmäßige Kanten und schroffe Abbrüche. Der Künstler spielt mit Brüchen und Gegensätzen, inhaltlich wie formal. Seine Arbeiten wechseln zwischen abstrakt und gegenständlich, spielen mit den Medien Zeichnung und Skulptur, springen zwischen Ein- Zwei- und Dreidimensionalität hin und her.

Anja Wiebelt blickt ins Innere und gewährt dem Betrachter Einsicht ins Verborgene. Der Konzeptkünstlerin kommen dabei alle möglichen Materialien zu pass. Holz, Metall, Papier, Draht, Latex, Stoff … Auch ihre Arbeitsmethoden sind vielfältig. Sie fotografiert, zeichnet, collagiert, arbeitet holzbildhauerisch oder als Schmiedin, näht und leimt ... Sie geht aus von der inneren Welt, für die sie konkrete Bilder und Metaphern sucht, die dem fragilen, verletzlichen und schutzbedürftigen Ich Anschauung verleihen und der Flüchtigkeit der Erinnerung nachspüren.

 

Abb.: Anja Wiebelt - Geschützte Räume - Roter Raum, 2013, Karton, Stoffe, 20 x 20 x 18 cm

Henning Schwarz Anja Wiebelt
Meisterschüler Balkenhol und Klasse Balkenhol - Ansichten und Einsichten
28.03.14  -  23.08.14

Hals über Kopf stürzen sich Thomas Putzes Figurenerfindungen ins Leben obwohl sie sich nur aufrecht halten können, weil Sie sich ein Seil zwischen die Beine klemmen, wie Ecce Homo, oder geknickt rumlaufen müssen wie die Geknickte oder viel zu dünne Beine für ihren massigen Körper haben wie der Mops. Ganz selbstbewusst stellen Sie sich ihrem Schicksal entgegen, behaupten sich und lassen offen, ob die vermeintlichen Ersatzteile ein Handikap oder ein Hilfsmittel darstellen. Ähnlich zweideutig sind auch die Affen in Käfigen zu sehen. Die Gorillas und Gibbons spielen mit den Gittern, basteln sich neue Wege oder schieben sie einfach weg. Sind die Gitter Zeitvertreib, Stütze oder Gefängnis? Beobachten wir die Tiere oder sie uns?

In seiner ersten Einzelausstellung in der Stern-Wywiol Galerie konfrontiert uns der Stuttgarter Künstler Thomas Putze, geb. 1968, mit seinen Mischwesen aus Holz und Zivilisationsabfällen. Was einen auf den ersten Blick oft zum Lächeln verleitet, verweist auf den zweiten Blick auf eine Auseinandersetzung mit philosophischen und kunsttheoretischen Fragen und stellt eine intelligente und humorvolle Gesellschaftsanalyse dar.

Thomas Putzes entlarvender Blick ist dabei auf das Tier und den Menschen gerichtet, dessen Verletzlichkeit er genauso sichtbar macht, wie den Willen und den Kampfgeist, mit denen er den Ansprüchen und Erwartungen gerecht zu werden versucht.

Thomas Putze
Hals über Kopf
27.09.13  -  15.03.14

Weder Schwarz noch Weiß? Das stimmt doch nicht! Die Figuren sind doch schwarz und weiß! Gut, einige sind zum Teil auch bunt, im Großen und Ganzen aber sind Schwarz und Weiß die bestimmenden Farben, dazu kommt die natürliche Farbe des Materials Holz.  

Da ist Nõ, ihre meditative Körperhaltung mutet asiatisch an, macht sie Schattenboxen oder eine Karateübung? Da ist der kleine Play Boy, dessen Gesichtszüge aus Quadraten und Kreisen bestehen, er geht herausfordernd und angriffslustig mit Zeigefinger und Penis auf den Betrachter zu.

Die schwarz-weiße Farbe verleiht den Figuren Zeichenhaftigkeit, die schwarz gezeichneten Kanten und weißen Flächen wirken wie zweidimensionale Skizzen. Schwarz und Weiß, Skulptur und Zeichnung, das scheinen nicht die einzigen Gegensätze zu sein.

Die Figuren lassen an Comic-Strips, Pop-Art und japanische Mangas denken, aber auch an Kultfiguren. Sie erscheinen im Moment der Bewegung und fordern heraus, reizen, machen an, sie können sich auch zurückziehen, nicht mehr extrovertiert sein, sondern in sich versunken, die Bewegung ist gleichzeitig Meditation und kraftvolle Leidenschaft.

Wer sich vermeintlich an Spielzeug erinnert fühlt, erlebt eine Täuschung. Die sexuell aufgeladenen Figuren verführen den Betrachter auch in der Materialität - was leicht erscheint, ist tatsächlich ein massives Stück Holz.

In ihrer ersten Einzelausstellung in der Stern-Wywiol Galerie entführt uns die Berliner Künstlerin Maike Gräf, geb. 1976, in eine Welt der Gegensätze, Widersprüche und Täuschungen. Die klassische Bildhauergestalt der Figura Serpentinata steht im Gewand von heute vor uns, frech und verspielt, still und rätselhaft. Erst nach längerem Hinschauen erschließt sich ihre ganze Vielfalt.

Maike Gräf spielt auf vielen Ebenen mit unserem kollektiven Kulturgedächtnis und schafft aus Vertrautem aufregend Neues.

Maike Gräf
Weder Schwarz noch Weiß
12.04.13  -  14.09.13

 

Schach! Herausfordernd und selbstbewusst stellt sie sich ihm entgegen. Er ist perplex. Sie scheint ihn überrascht zu haben und spielt genüsslich ihre Karte aus. Das ausgestellte Becken, die rausgestreckte Brust alles deutet auf ihre lässig demonstrierte Überlegenheit und auch wenn man ihre Gesichtszüge nicht erkennen kann, so spürt man förmlich, mit welcher Kampfeslust sie ihn mustert. Er ist ihr zugewandt, überlegt, was er tun kann, das Fragezeichen steht ihm ins Gesicht geschrieben. Er scheint zwischen Fassungslosigkeit und Schicksalsergebenheit hin und her zu schwanken. Sie macht einen Schritt auf ihn zu, er kann nicht ausweichen. Kann er sich retten?

Sibylle Waldhausen ist eine scharfsinnige Beobachterin. In ihrer ersten Einzelausstellung in der Stern-Wywiol Galerie zeigt uns die Berliner Künstlerin (geb. 1963) die Veränderungen und Herausforderungen der globalisierten und digitalisierten Welt auf, indem Sie uns den damit einhergehenden Werte und Rollenwandel bewusst werden lässt. Sybille Waldhausen hat die Fähigkeit, Dinge auf den Punkt zu bringen und eindringliche Bilder für abstrakte Begriffe zu finden. Der medialen Welt begegnet Sie dabei mit einem uralten Material Bronze und traditioneller plastischer Handarbeit.

Sibylle Waldhausen
Menschen und Räume
17.11.12  -  30.03.13

Wir werden dazu verleitet, die Skulpturen von Yves Rasch abzutasten, sie zu berühren die organischen Einschwingungen und Ausschwingungen mit den Händen nachzuvollziehen oder wenigstens ersatzweise mit den Augen, solange die Skulpturen in der Galerie stehen! Die sanften Rundungen, die Wölbungen und Kuhlen animieren uns, sie mit den Augen nachzufahren, das glatt polierte Holz zu streicheln wie einen bloßen Arm oder einen Kopf. Diese Animierung unseres Körperempfindens bildet den ersten und direkten Zugang zu den Skulpturen, vor aller Interpretation und Ausdeutung. Was dann ins Auge springt, ist die duale Form, die fast allen Skulpturen von Yves Rasch eigen ist und ihre Dynamik. Eine innere Bewegung, in der die Masse aufzusteigen scheint empor zu wachsen, wie der Baum, aus dem das Holz stammt, aus dem die Skulptur gefertigt ist. Und dann auch wieder nicht: Denn ein Baumstamm wächst, wenn er nicht gehindert wird, zielstrebig zum Licht empor, also gerade, während die Skulpturen in Windungen, Bögen ja Spiralen sich aufwärts schwingen oder drehen, dergestalt sich von der Schwerkraft befreiend. Prof. Dr. Hubertus Gaßner

Yves Rasch
Denken in Holz
06.06.12  -  31.10.12