Dorothea Schlueter, Galerie

11. Juli bis 26. Juli, 2015 Achtung andere Öffnungszeiten! Di. Fr. 13 bis 17 Uhr Sa. + So. 11 bis 17 Uhr

Eine Ausstellung kuratiert von Andrea Nolte im Rahmen des Hamburger Architektursommers 2015.

Ausstellung und Begleitvideo thematisieren die Präsenz der Skizze als Werkzeug im heutigen Büroalltag. Inwieweit ist der »mit dem Stift skizzierende Architekt « noch Realität in einer Arbeitswelt, in der sich Computer Aided Design weltweit etabliert hat. Bewirkt die Arbeit am Rechner Veränderungen in der Architektur? Denkt der Architekt noch mit dem Stift? Wie wird die Skizze eingesetzt, verarbeitet und wie sieht sie heute aus, wird sie aufbewahrt?

Diese Fragen stellte   Andrea Nolte, selbst Architektin, in Hamburg tätigen Architekten: Architekten, die älter sind, die vorrangig handwerklich mit Stift und Reißschiene gearbeitet haben, Architekten, die beide Arbeitsweisen beherrschen und jungen Architekten, die hauptsächlich am Rechner arbeiten.

11. Juli bis 26. Juli, 2015 Achtung andere Öffnungszeiten! Di. Fr. 13 bis 17 Uhr Sa. + So. 11 bis 17 Uhr

Eine Ausstellung kuratiert von Andrea Nolte im Rahmen des Hamburger Architektursommers 2015.
11.07.15  -  26.07.15

JUZPragmatisches Jugendzentrum1. Mai bis 30. Oktober

www.juz-hamburg.de

JUZ
Pragmatisches Jugendzentrum 1. Mai bis 30. Oktober
01.05.16  -  30.10.16

Rückläufiger Merkur Eröffnung Freitag 1. April, 2016 Laufzeit 2. April 23. April 2016 Eine Ausstellung mit Fotografien von Heiko Neumeister und Alexander Rischer.

Merkur wird etwa dreimal im Jahr für ca. drei Wochen rückläufig. Mit »Rückläufigkeit « bezeichnet man die scheinbare Laufrichtung der Planeten entgegen ihrer normalen Bewegungsrichtung. Die Ausstellung läuft drei Wochen, findet aber nicht während einer solchen Phase statt. Denn in einer solchen rückläufigen Phase sollte man keine Ausstellung eröffnen, erst recht nicht mit Fotografien, denn rückläufige Phasen sind durch ein gehäuftes Auftauchen von Schwierigkeiten mit der Technik wie z.B. mit Computern, Faxgeräten, Telefonen und Anrufbeantwortern gekennzeichnet

Heiko Neumeister und Alexander Rischer
Rückläufiger Merkur
01.04.16  -  23.04.16

Jennifer Bennett »Being Home « Eröffnung: Freitag, 5. Februar 2016, ab 18.00 Uhr Ausstellung: 6. Februar bis 5. März 2016

dorotheaschlueter.com/de/exhibitions/jennifer-bennett

Jennifer Bennett
Being Home
01.01.70  -  01.01.70

»The Carp of the Tench « David Fletcher with contributions by Clare Mitten, Louis Benassi and Paul Westcombe Eröffnung 23. Oktober, 18 Uhr Laufzeit 24. Oktober bis 28. November 2015

 

»The Carp of the Tench « ist eine verwirrende Formulierung, etwas wie »the Fish of the Fish « oder, um den verschiedenen Gattungen gerecht zu werden, »The Cat of the Dog «.

Im Englischen bezeichnet »Carp « (Karpfen) eine Fischgattung, hat aber eine zweite Bedeutung, nämlich: »to complain « (klagen).  Übersetzt man »Tench « ins Deutsche, wird es der Fisch »Schlei «, aber genauso der Fluss »Schlei «. In beiden Sprachen kann der Satz also heißen »The Fish of the Fish « oder »Complaint of the Fish « oder »Fish of the River Schlei «.

»The Carp of the Tench « ist ein Textequivalent für die Ausstellung. Denn auch hier wird Form und Inhalt in Variationen durchgespielt und wechselt die Gewichtung.

Wir zeigen eine Reihe von Malereien. Verbindendes Element der Bildmotive ist die Variation von Kreisen und Kugelformen, wobei jedes Bild selbstverständlich ein unabhängiges Thema hat. Viele Motive umspielen Themen verfälschter oder bastardisierter Metaphysik, also beispielsweise optische Täuschungen, die abwegige Schlüsse provozieren.

David Fletcher widmet sich ernsthaft, aber auch scherzhaft genau solchen Konstruktionen. Ein Ausgangspunkt könnte die Erfahrung sein, die man macht, wenn man ein Gemälde von Braque für lange Zeit betrachtet nach einer Weile glaubt man nämlich, einen Zugang zu diesen physikalisch unmöglichen Räumen zu bekommen, bevor einem das eigene Tun dann genauso unmöglich und absurd erscheint und das Bild einem zu spotten scheint.

David Fletcher with contributions by Clare Mitten, Louis Benassi and Paul Westcombe
»The Carp of the Tench «
23.10.15  -  28.11.15

Color Fields

Gabi Steinhauser Eröffnung: Donnerstag 10. September, 18 Uhr Laufzeit: 11. September bis 10. Oktober, 2015

Color Fields ist die zweite Einzelausstellung der Berliner Künstlerin Gabi Steinhauser bei Dorothea Schlueter in Hamburg.

Wir zeigen neue großformatige Fotografien, die sehr viel weniger abstrakt als die früheren Arbeiten, gleichwohl im selben Geist entstanden sind. Es ist, obwohl es sich bei Fotografie ja um typische Flachware handelt, ein skulpturaler Ansatz. Als würde der Lichtstrahl des Projektors einen Körper formen und nicht nur eine plane Fläche Fotopapier belichten. (Jenseits technischer Belichtungsfragen im Fotolabor formt Licht tatsächlich Körper. Die Anmutung gewölbter, geknickter oder sonstwie geformter Gegenstände entsteht immer nur durch die jeweilige Beleuchtung Evidenz, also das dem Augenschein nach unbezweifelbar Erkennbare, gibt es nicht im Dunklen.)

Gabi Steinhauser befasst sich intensiv mit Bildkomposition, ihre Intention ist es, Fotografien von der Welt zu machen, die zum Bild werden, also nicht zum Abbild der Welt, sondern zu einer abstrakten Komposition von Farbe und Form. Ist es also möglich, z.B. Personen zu fotografieren, ohne sie damit zu porträtieren, eher Figuren aufzunehmen als Persönlichkeiten? Gabi Steinhauser ist der Umraum einer Bildkomposition immer genauso wichtig wie die Figur, sei diese nun ein Haus, eine Palme oder eine Person. Sie benutzt die Welt als Motivgeber, um grundsätzliche Bildfragen zu stellen: Wie lässt sich die optische, abbildliche Oberfläche durchstoßen und so die Realität in ihren Zusammenhängen verstehen? Die Betrachter sollen sich weder plaudernd in Narrativen einrichten noch beschaulich in Bildräumen niederlassen, was soll das überhaupt sein, so ein Bildraum? Die Schlacht um Abstraktion und Abbildlichkeit, um Bildevidenz muss immer neu ausgefochten werden. In der Spannung zwischen Wirklichkeitsbezug und Eigenwirklichkeit der Fotos formiert sich stets aufs Neue die Bedeutung von Bildern.

Zur Ausstellung erscheint eine Publikation.

Gabi Steinhauser
Color Fields
10.09.15  -  10.10.15

11. Juli bis 26. Juli, 2015 Achtung andere Öffnungszeiten! Di. Fr. 13 bis 17 Uhr Sa. + So. 11 bis 17 Uhr

Ausstellung und Begleitvideo thematisieren die Präsenz der Skizze als Werkzeug im heutigen Büroalltag. Inwieweit ist der »mit dem Stift skizzierende Architekt « noch Realität in einer Arbeitswelt, in der sich Computer Aided Design weltweit etabliert hat. Bewirkt die Arbeit am Rechner Veränderungen in der Architektur? Denkt der Architekt noch mit dem Stift? Wie wird die Skizze eingesetzt, verarbeitet und wie sieht sie heute aus, wird sie aufbewahrt?

Diese Fragen stellte   Andrea Nolte, selbst Architektin, in Hamburg tätigen Architekten: Architekten, die älter sind, die vorrangig handwerklich mit Stift und Reißschiene gearbeitet haben, Architekten, die beide Arbeitsweisen beherrschen und jungen Architekten, die hauptsächlich am Rechner arbeiten.

 

Eine Ausstellung kuratiert von Andrea Nolte im Rahmen des Hamburger Architektursommers 2015
11.07.15  -  26.07.15

Hans Castorp. (Rosenquist, Horizon Home Sweet Home, 1970, revisited.)

»Wir müssen liegen, immer liegen. Settembrini sagt immer, wir lebten horizontal, wir seien Horizontale […]. Der Mund stand ihm offen, denn er konnte nicht recht durch die Nase atmen, ohne dass er übrigens Schnupfen gehabt hätte. Sein Herz hämmerte in falschem Takte zur Musik, was er dumpf als quälend empfand. Und in diesem Gefühl von Unordnung und Widerstreit begann er einzuschlafen. « (Thomas Mann, Der Zauberberg (1924))

»Organisation, erst im 18. Jh. besonders durch die Französische Revolution in Umlauf gekommen, die von Menschen geschaffene zweckmäßige und in ihrer Form beharrliche Anordnung der Teile eines Ganzen, so dass sie zusammen wie ein Organismus wirken sollen. « (Wörterbuch der philosophischen Begriffe (1998))

»Das Publikum liebte den Effekt bereits, sein rebellisches Zucken, sein elektrisierendes, befreiendes Wesen. Die alten Tanzformen wurden dadurch zerstört, unmöglich gemacht. Der rasante Wechsel von der Finsternis ins Überhelle schien ins Zentrum der Doppelnatur eines jeden zu treffen, der Blitz weckte schlafende Kräfte, befreite Energien, Lüste und Neigungen, verscheuchte die Hemmungen. (…) Ein mentaler Ruck hatte jeden durchfahren und die Zeit in ein Davor und Danach geteilt. « (Bernd Cailloux, Das Geschäftsjahr 1968/69 (2005))

Interview James Rosenquist 18. 3. 1991 (http://www.achievement.org/autodoc/page/ros0int-1) »One piece I did back in 1970 was a room of vertical colored panels, and then I put a dry ice fog on the floor and Claude Picasso came and started taking photographs of it. I had just met him. And the colors seemed to disappear right into the floor, and the floor seemed non-existent. It was a fog. And with reflective panels. So the reflection that went into the fog was very unusual too. Because the energy from the reflection disappeared as it went into the fog. So that’s the way I accomplished that feeling. I did one version that was called Home Sweet Home, and the other one was called Slush Thrust. «

Der eurozentrische Blick auf das Individuum ist von der Ökonomie geprägt, in der die Gemeinschaft nicht viel mehr als eine zu differenzierende Kundengruppe ist. Die künstlerischen Arbeiten von Armin Chodzinski sind gesellschaftlichen Prozessen am Ende der Industriegesellschaft gewidmet. Er vermengt formal und inhaltlich Fragen der Kollektivität, der Romantik und einer gesellschaftlichen Struktur, die sich von hierarchischen Prinzipien zum Netzwerk und zum Schwarm entwickelt. Elemente der Organisationsforschung, der Netzwerkanalyse oder individuelle Begegnungs- und Bewegungsraster zeichnet er mittels Bleistift auf raumhohe Pappelsperrholzpaneele.

Armin Chodzinski ist Zeitdiagnostiker, Performer, Künstler sowie Vortragskünstler, Ex-Manager und Autor. Die Bandbreite der Beschäftigungsfelder mag verunklaren, dass sich sein Zugang zu den Dingen vornehmlich aus der bildenden Kunst speist. Bei aller Diskursivität und Lautstärke steht das Material, die Form, die Klugheit des künstlerischen Tätigseins und das Dummwerden vor der ästhetischen Erscheinung im Mittelpunkt seiner Arbeit.

Thomas MANN (1924) : Der ZauberbergSiegfried KRACAUER (19291971): Die Angestellten. suhrkamp taschenbuch 13.Bernd CAILLOUX (2005): Das Geschäftsjahr 1968/69. edition suhrkamp 2408.Wilhelm BERGER / Peter HEINTEL (1998): Die Organisation der Philosophen. edition suhrkamp 2096.Michel DE CERTEAU (1988): Kunst des Handelns. Merve 140.Herbert LACHMAYER / Eleonora LOUIS (Hrsg. (1998)): Work&Culture. Büro. Inszenierung von Arbeit. Ritter Verlag, Klagenfurt.Andrzej HUCZYNSKI / David BUCHANAN ( 2001): Organizational Behaviour An introductory text. Prentice Hall.Joachim RADKAU (1998): Zeitalter der Nervosität. Propyläen Taschenbuch.

Armin Chodzinski
HANS CASTORP. (ROSENQUIST, HORIZON HOME SWEET HOME, 1970, REVISITED.)
29.05.15  -  04.07.15

Christiane Blattmann und Jannis MarwitzBABY BIRDS

Eröffnung Freitag 3. April, 19.00 Uhr Laufzeit 4. April bis 16. Mai

 

I am looking upon the Santa Maria del Fiore. The building that my grandfather Lorenzo Ghiberti designed. Yet, his plans were stolen, through the unscrupulously evil Filippo Brunelleschi. And now, I, his grandson… eh… Alfredo Marticelli Ghiberti, will get my revenge upon the Brunelleschi Clan by stealing their treasure. And I have discerned its location, and it’s a collection of holy relicts atop the Santa Maria del Fiore. So now I’m gonna go do that. Spite the rumours and the claims of the History Channel, it was not Brunelleschi who spent hours cracking eggs, trying to find the secret behind their eggy toughness and durability and ability to stand under their own weight. It was Ghiberti. He was the true genius of the Renaissance. And he’s the victim of an evil conspiracy with the Pazzi and Cesar Borgia and all the other bad guys, all teamed up. Even… even Benito Mussolini was involved, because he was… back then… since he is a vampire. I’m going to climb the tower and get over to the lantern of the Santa Maria del Fiore. And then I will loot it of its treasures and the Brunelleschis will look at the empty treasure boxes and they will go boohoo, boohoo.

 

 

Christiane Blattmann und Jannis Marwitz
BABY BIRDS
03.04.15  -  16.05.15

Achtung! Dieser Sehtest kann nur eine Tendenz aufzeigen. Sinnliche Gewissheit können Sie weder am Rechner noch mit der postalischen Einladung erreichen suchen Sie dafür auf jeden Fall die Galerie auf! Hängen Sie diese Einladung in Augenhöhe an eine gut beleuchtete Wand. Stellen Sie sich in 2 Meter Entfernung vor die Einladung. Wenn Sie sich für Schablonen, Mikrokulturen, Grabungen am eigenen Bild, kurze und längere gesprühte Linien, die auf einem anderen Bild wiederum von zwei puddingartigen Flächen bedrängt werden, interessieren, wenn es Ihnen gefällt Malereien zu betrachten, deren Charakter zwischen schrundigen Mondoberflächen und Wärmekameraaufnahmen changieren, es Ihnen etwas sagt, die eigene Erkenntnis zu verschleiern, die Lesbarkeit zu stören, die man eigentlich erreichen wollte, kurz die Paradoxien erst auszudenken, die man daraufhin ertragen muss, dann sollten Sie auf jeden Fall die Ausstellung besuchen. Lassen Sie sich gegebenenfalls von jemandem helfen!

Alexander Hoepfner
Sehtest + Einladung
08.02.02  -  21.03.15

Hans Stützer UNSER GELD Eröffnung: Freitag 5. Dezember 18 Uhr Laufzeit: 6. Dezember 2014 bis 24. Januar 2015 Mit Jörg Pohl, PHK a. D. Heinz Itschert, Waldemar & Sammlung K. H. Dellwo. Björn Luecker Schlagzeug, Giorgi Kiknadze Bass, Gabriel Coburger Saxophon/Flöte/Klarinette. Zur Eröffnung am Freitag um 20 Uhr, wird Jörg Pohl ein Dramolett zur Aufführung bringen.

Hans Stützer
UNSER GELD
05.12.14  -  24.01.15

Michael Deistler, Jue Löffelholz, Kenneth Wiatrek. Eröffnung Freitag 7. November, 2014, 18 Uhr 8. 29. November, 2014Unverhohlen ätzt der Titel von der »Faszination der Sinnlosigkeit «. Wir bringen also, dem Slogan aus dem Rundfunk folgend, die Superhits der 80er und 90er und das Beste von heute. Wobei Michael Deistler und Kenneth Wiatrek Zeichnungen auf Papier und Wänden zeigen und Jue Löffelholz Objekte aus Frankfurt mitbringt.Die Frage ist, ob »die Faszination der Bedeutungslosigkeit « nicht der interessantere Titel wäre. Dass Sinnlosigkeit fasziniert, ist ja jedem klar, der sich schon mal über irgendetwas Gedanken gemacht hat. Sinnlosigkeit ist so etwas wie ein pathetischer Refrain, den man wiederholen kann, ohne dass damit riskiert würde, diesen Vorgang wiederum tatsächlich als sinnlos anzusehen.Dass es ein Faszinosum des Bedeutungslosen geben könnte, das einen Sinn haben könnte, aber eben nicht den, sondern als etwas, dass eine paradoxe Beziehung markiert zu irgendetwas, ist zumindest die kompliziertere Denkbewegung.Wonach man sich wieder fragen müsste, warum Kompliziertheiten meistens interessanter sind als alles andere.Wir freuen uns über weitere Titelvorschläge, Bedingung ist aber der Besuch der Ausstellung.

Michael Deistler, Jue Löffelholz, Kenneth Wiatrek
»Die Faszination der Sinnlosigkeit «
07.11.14  -  29.11.14

Galerie BRD mit der Ausstellung »Das Gespenst in der Maschine « zu Gast bei Dorothea Schlueter8. Oktober bis 2. November Mi. bis Fr. 12 18 Uhr, Sa. 12 15 Uhr (eine Vernissage findet nicht statt).

 

Die Ausstellung ist Teil des internationale Kunstprojekts »Krankheit als Metapher. Das Irre im Garten der Arten «, kuratiert von Britta Peters. www.kamhh.deDas Selbst ist keine historische TatsacheThe thesis was that there was something really good down in there and if you took these layers off what you were going to wind up with was a kernel, a something that was innately self-expressive, that was the true self that was going to be a wonderful thing. In actuality, we found people who had gone to the last layer and took off the last layer and found what was left was nothing.Der Kern, auf den sich der ehemalige Autoverkäufer und Psychoguru Werner Erhard hier bezieht das innere Selbst, das es zu finden gilt beschreibt als sprachliche Konstruktion im 20. Jahrhundert eine bemerkenswerte Entwicklungslinie. Folgt man der Argumentation von Adam Curtis’ Film The Century Of The Self, so lässt sich diese Linie, die das Verhältnis des Menschen zu seinem Selbst darstellt, in zwei Phasen aufteilen.Freuds dreigeteilte Definition der Psyche, bestehend aus dem Es, Ich und Über-Ich, bei der dem Unbewussten (Es) ein besonderer Stellenwert eingeräumt wurde, bildet hier den Anfang. Freuds Konzeption des Unbewussten beinhaltete sowohl tierisch-instinktive Triebe als auch verdrängte Bruchstücke vergangener Erlebnisse. Seine Vorstellung dieser Innenwelt war also bevölkert von unkontrollierten und vor allem unzivilisierten Elementen, die eine starke Auswirkung auf das Handeln des Einzelnen hatten. Um diesen potenziell gefährlichen Einfluss auf die Gesellschaft zu minimieren, mussten die Inhalte des Unbewussten in einer geordneten Form entdeckt, geborgen und unschädlich gemacht werden. Diese komplizierte Operation konnte nach Freuds Meinung nur unter Aufsicht eines Psychotherapeuten durchgeführt werden, welcher dabei die Rolle eines Zeremonienmeisters oder Priesters einnahm, der zum Wohle des Einzelnen wie auch zum Wohle der Gesellschaft Manipulationen am Unbewussten des Patienten vornahm. Ab den Dreißigerjahren des 20. Jahrhunderts wurde zunehmend auch die Werbeindustrie auf diese Struktur aufmerksam, denn die Einflussmöglichkeit des Therapeuten barg vor allem auch ein nie geahntes Potenzial: den Durchbruch zu neuen Märkten. Das Wissen um das Vorhandensein jenes Unbewussten, eines verborgenen Meeres an Bedürfnissen und Wünschen in den Köpfen der Konsumenten, ermöglichte es der Werbebranche mithilfe der Psychoanalyse, ebendiese Bedürfnisse zutage zu fördern und anschließend durch Waren zu befriedigen. So eröffneten sich wahrlich revolutionär neue Wege zur Absatzsteigerung.Adam Curtis Erzählung zufolge blieb den Konsumenten durch die Ansprache an das Unbewusste gar keine andere Wahl, als zur Ware zu greifen. Dieses Verhalten der Konsumierenden zeigte die fehlende Kontrolle des Einzelnen über sein Innerstes und begründete zugleich den Bedarf an professionellem Personal, welches diese Inhalte kontrollieren und nutzbar machen konnte: in diesem Fall verkörpert durch Angehörige der Werbeindustrie. Weiter lesen ... dorotheaschlueter.com/de/exhibitions/brd-galerieDorothea Schlueter, GalerieNora Sdun, Sebastian ReussGroße Bäckerstraße 4, 20095 HamburgMi. bis Fr. 12 18 Uhr, Sa. 12 15 Uhr www.dorotheaschlueter.com

Galerie BRD
Das Gespenst in der Maschine
08.10.14  -  02.11.14

LOVE ME TENDERAnja Dietmann, mit vielen anderen. Nämlich: Gina Fischli, Sakura Hada, William Joys, Tina Kämpe, Janina Krepart, Jannis Marwitz, Katharina Trudzinski.Eröffnung: Samstag den 6. September um 18 UhrLaufzeit: 10. September bis 28. September 2014Zur Eröffnung werden Bananen-Burger gereicht. Das Lieblingsbrot von Elvis, dessen Haushälterin diese Spezialität 24 Stunden am Tag vorrätig hielt, um zum Beispiel eine nächtliche Fressattacke professionell parieren zu können.Die Regenmacherbaquettes von Anja Dietmann stehen in einem Schirmständer. Die Frage nach dem richtigen Sockel, der korrekten Fassung des Kunstwerks ist hiermit pointiert beantwortet. In einer Ausstellung in der Großen Bäckerstraße müssen Porzellanbackwerke die als Regenmacher figurieren selbstverständlich in einem Schirmständer stehen, denn diese Objekte gehen einem handelsüblichen Regenschirm notwendig voraus, andernfalls bräuchte man weder diesen noch den Schirmständer.Ein Herzlicher Dank gilt Ingrid Jäger und der Druckerei Optiplan.Dorothea Schlueter, GalerieNora Sdun, Sebastian ReussGroße Bäckerstraße 4, 20095 HamburgMi. bis Fr. 12 18 Uhr, Sa. 12 15 Uhr www.dorotheaschlueter.com

Anja Dietmann, mit vielen anderen.
LOVE ME TENDER
06.09.14  -  28.09.14

Rocco Pagel, »du «, Eröffnung: Donnerstag, 22. Mai 18 Uhr. Laufzeit: 23. Mai bis 5. Juli 2014

Neue Malereien des Berliner Künstlers Rocco Pagel

»Noch in der Wahrheit selber, der letzten, die nur eine sein kann, muss ein Und stecken; sie muss, anders als die Wahrheit der Philosophen, die nur sich selber kennen darf, Wahrheit für jemanden sein. Soll sie dann gleichwohl die eine sein, so kann sie es nur für den Einen sein. Und damit wird es zur Notwendigkeit, dass unsere Wahrheit vielfältig wird und dass »die « Wahrheit sich in unsere Wahrheit wandelt. Wahrheit hört so auf, zu sein was wahr »ist «, und wird das, was als wahr bewährt werden will. «

Franz Rosenzweig, Das neue Denken

 

 

 

Rocco Pagel
»du «
22.05.14  -  05.07.14

Verena IsselEröffnung Do. 20. Februar 18.00 Uhr21. Februar bis 29. März

 

- Was hat er gesagt?

- Er hat bis jetzt noch gar nichts gesagt.

- Er war lange unterwegs, wahrscheinlich ist er erschöpft.

- Wer weiß, vielleicht hört er auch nur zu … Walker, hallo, Walker.

- Vielleicht redet er und wir hören ihn nicht.

- Du siehst doch, dass seine Lippen sich nicht bewegen.

- Vielleicht sendet er auf irgendeiner Frequenz?

- Ach hör’ doch auf mit deinen blöden Frequenzen.

- Hier ist Delta Fox X-Ray, kannst du mich verstehen? Delta Fox X-Ray, bitte melden, kann mich jemand hören? Kannst du mich hören, Walker?

(später, es werden Bilder gezeigt)

- Erinnert ihr euch an das?!

- Über-übermorgen-Land! (vermutlich New York)

- Erinnert ihr euch an das?!

- Der Fluss des Lichts! (eine Autobahn)

- Erinnert ihr euch an das?!

- Himmelsflieger!

- Wisst ihr, wer das ist?

- Captain Walker!

- Und wer ist das?

- Mrs Walker!

(Mad Max II)

Verena Issel
20.02.14  -  29.03.14

Eröffnung: Donnerstag, 5. Dezember, 18 Uhr 6. Dezember 2013 bis 18. Januar 2014Back to Nature Boys

Brunnen, Turm, Mühle, Uhr, Glocke. Der Bohrer der vierten Elbtunnelröhre frisst sich in die Tiefe. An den Wänden des Brunnenschachts stilisierte Figuren, Kristalle und mineralische Adern.

Am Eingang zum Schacht sitzt ein Bauchredner mit seiner Puppe, diese ist kein Roboter, wohl aber das Automatenweibchen aus den Lüften, ihr Körper ist konstruiert aus dem Gerüst eines Hochspannungsmastes, es könnte auch ein Förderturm sein, und sie ist turmhoch. Der Bauchredner führt Selbstgespräche, er denkt über Junggesellenmaschinen nach, während die Roboterdame davon unbeeindruckt die Welt mit ihrem Prismenauge vermisst.

Diese Ausstellung zeigt einander widerstreitende Ansätze zu Zeichnen, die gleichwohl über eine Vielzahl von motivischen Brücken miteinander verschraubt sind. Schwebend, glashart, kristallin und umgeben von technischer Kühle die eine Position, versponnen träumend die andere

Guðný Guðmundsdóttir und Claus Becker
Back to Nature Boys
05.12.13  -  18.01.14

Eröffnung Freitag 25. Oktober, 18 Uhr26. Oktober 30. NovemberAxel Loytved, OLD CONTEMPORARIES

Lapidar ist die Arbeitsweise von Axel Loytved. So wie man einen Stein (Lapis) in einen Teich wirft: Eine knappe Bewegung aus der Schulter, ein kurzes Platschen, ringförmige Wellen, der Stein ist versunken. Man kann jetzt einen neuen Stein aufnehmen oder es bleiben lassen.

Axel Loytved nimmt stets neue andere Steine auf. Er schleudert Altpapier im Waschsalon, verwandelt Verpackungsmaterial in Bronzen, druckt mit einer gefüllten Pappschale Pommes einen Grafikzyklus, während er auf die Altpapierwäsche wartet, zerschneidet Teppich und formt Schneematschbrocken ab.

Bei all diesen Beschäftigungen spielt das spontane Auffinden der Bestandteile eine wesentliche Rolle. Axel Loytved folgt nicht einer vorher ausgedachten Konzeption, die über Recherche und Erkenntnisverlangen zu einem Ergebnis geführt wird, sondern er vertraut dem Eigengewicht der Dinge, der jeder Sache potentiell innewohnenden Nutzlast an Bedeutung, die er über geschickte Kombinatorik zu einem Sinn zusammenschließt, den man nicht im Voraus prognostizieren kann. So eine lapidare Verfahrensweise muss man aushalten können. Man muss ertragen, dass sich vielversprechende Konstellationen in Dunst auflösen oder optisch attraktive Gebilde jedem sprachlichen Zugriff widerstehen, dass überhaupt schwer zu steuern ist, was passiert, und vor allem, dass sich Prozesse nicht wiederholen lassen auch dann nicht, wenn man die gleichen Bedingungen zugrunde legt.

"Die Welt ist alles, was der Fall ist” schrieb Wittgenstein und man kann ergänzen: Blöd rumsuchen kann jeder Finden, das ist es!

Axel Loytved
OLD CONTEMPORARIES
25.10.13  -  30.11.13

Súld Malerei und Fotografie 6. September bis 12. Oktober 2013 Eröffnung: 5. September, 18 Uhr

WIR SIND UMGEZOGEN! DIE NEUEN GALERIERÄUME BEFINDEN SICH IN DER INNENSTADT. GROSSE BÄCKERSTRASSE 4, 20095 HAMBURG.

Auf der Empore einer Kirche hat Christian Brodersen einen Bilderzyklus von der Erschaffung der Welt nebst Paradiesleben, Sündenfall und Co. angebracht, den Alexander Rischer fotografierte. Dabei steht das Bild der Genesis skandalöserweise auf dem Kopf, der Tag befindet sich also im unteren Bildteil. War der Maler Mitglied der "Schwarzen Schule"? Oder hat er sich die Trennung des grauen Urbrodems in Licht und Dunkelheit wie eine Morgenröte vorgestellt, die strahlend aufsteigt und die Nacht verdrängt?

Die Malerei von Anna Gudjónsdóttir kann man zeitlich kurz vor dem Augenblick dieser Entmischung der Elemente ansiedeln. Wirbelnd brausen Strudel grauer Massen durcheinander, in wild geschmeidigem Aufruhr, wie als seien sie einer Teilung von Licht und Dunkelheit jederzeit gewärtig. Oder sind es doch eher Nebelschwaden? Zeigt diese Malerei jene Schemen, die ein übers Moor hastendes Kind sieht? "Wenn es wimmelt vom Heiderauche / Sich wie Phantome die Dünste drehn / Und die Ranke häkelt am Strauche … Wenn das Röhricht knistert im Hauche …" In diesem Gedicht lässt Annette von Droste-Hülshoff (1842) einen Knaben übers Moor rennen. Schaurige Geister: der gespenstische Gräberknecht, die unselige Spinnerin, der diebische Fiedler Knauf, der den Hochzeitsteller gestohlen hat, und nicht zu vergessen die verdammte Margret sind ihm auf den Fersen. Er hat aber einen Schutzengel und erreicht festen Boden, es geht besser aus als beim Erlkönig, der sich das Kind bekanntlich gewaltsam holt in sein Nebelreich, von dem der reitende Vater freilich nichts wissen will, bis er grausend die mögliche Existenz von etwas derartigem realisieren muss. Und was verbirgt sich in den spiegelnd lackierten roten Leinwänden? Sind es blutige Teiche? Gewebeproben? Oder ist es Lava? Wohnt hier ein weiterer Geist, ein weiteres Mitglied der schwarzen Schule? Ist dies etwa das Innere des Wals, in dem Jona den Sturm überlebte. Auf der Fotografie von Alexander Rischer, die Jona zeigt, hat der Wal eher das Format eines Mumienschlafsacks, in dem Jona aus dem Walmaul schauend auffällig unaufgeregt sein Abendgebet zu sprechen scheint. In dieser Ausstellung mit Fotografien und Malereien liegen unzählige Fährten, über welche die Arbeiten der zwei Künstler miteinander verbunden sind. Als magisches Tertium der Ausstellung fungiert eine Zwei-Ton-Orgel: pro Künstler je eine Pfeife.

Anna Gudjónsdóttir und Alexander Rischer
Súld
05.09.13  -  12.10.13

Stefan Panhans

The Long Goodbye (Pre-Afterwork-Ok-Clubset)

Eröffnung: 7. Juni 2013 um 17 Uhr Ausstellung: 8. Juni 13. Juli 2013

Außerdem: Videoinstallation im öffentlichen Raum STEFAN PANHANS The Long Goodbye (Pre-Afterwork-Ok-Clubset) Casino 1. Juli 30. Oktober 2013 Steintorplatz (Hauptbahnhof U-Bahn Ausgang Steindamm)

Die Ausstellung von Stefan Panhans ist zugleich das Set für seine neue Videoarbeit. Der Galerieraum wird Kulisse und Produktionsort eines Entwicklungsprozesses, von dem die Besucher zur Eröffnung einen bestimmten Zustand zu sehen bekommen. Eine Installation, deren Potenzial sich in die Zukunft öffnet als Versprechen, das hier etwas passieren wird, was man zum jetzigen Zeitpunkt nicht wissen kann. Spekulationen sind erwünscht, nur so viel sei verraten: Das Video, welches hier gedreht werden wird, wird Teil einer Arbeit im öffentlichen Raum

 

Stefan Panhans
The Long Goodbye (Pre-Afterwork-Ok-Clubset)
07.06.13  -  08.07.13

David Fletcher und Simon Logan Eröffnung Freitag 19. April Laufzeit 20. April 25. Mai

William James entwickelte 1902 in seinem Buch The Varieties of Religious Experience ein Modell des "gespaltenen Selbst", welches nur durch eine Art Wiedergeburt zu einer Ganzheit finden kann. Legt man dieses Modell zugrunde, hätte die Kunst von David Fletcher bereits die Schwelle zu dieser Ganzheit erreicht, während die Arbeiten von Simon Logan noch auf ihre Wiedergeburt warten. Sprich, Fletchers Malereien sind harmonisch, vollklingend und von ruhigem Dunkel, während die Zeichnungen und Skulpturen Logans auf diesen Zustand wohl abzielen, aber stets Gefahr laufen, mit einem Missklang in einen gähnenden Abgrund zu stürzen.

 

 

David Fletcher und Simon Logan
19.04.13  -  25.05.13

Le Monde diplomatique   Paul Sochacki special guest Elke Marhöfer   Eröffnung: Freitag, 22. März 2013, 17 Uhr Laufzeit: Samstag, 23. März 13. April 2013

Paul Sochacki hatte sich schon vor zwei Jahren ausbedungen, mit mindestens 40 Künstlerinnen zusammen auszustellen. Nun, Ausstellungsplanungen nehmen zuverlässig andere Entwicklungen. Ein anderer Plan war, die Anzeigenkampagne »Formal Abstraction Of the Body « in die Tat umzusetzen. Dabei erhält der Kunde von Paul Sochacki eine Urkunde, welche zertifiziert, dass der Galerist mit dem Kunden Sex hatte. Hierfür wiederum waren die Betreiber der Galerie Dorothea Schlueter nicht zu erwärmen. Sie merken schon, die Branche ist voller äußerst komplizierter Konstellationen. Sochacki lernte Elke Marhöfer beim feministischen Fußballtreff kennen. Sie war eine Torjägerin die Ihresgleichen lange suchen müsste und beeindruckte Sochacki mit ihrem diskreten filmischen Blick für den gewissen Anteil der Anteilslosen.

Wir freuen uns sehr, dass Elke Marhöfer Filme zeigt und Paul Sochacki seine Menagerie mitbringt, d. h. Giraffen und Elefanten auf Leinwand.  

Paul Sochacki und Elke Marhöfer
Le Monde diplomatique
22.03.13  -  13.04.13

»Großzügige Sachzuwendung « Eröffnung 15. Februar, 17 Uhr 16. Februar 16. März 2013

In der Ausstellung »Großzügige Sachzuwendung « zeigen der Hamburger Fotograf Heiko Neumeister und der britische Filmemacher John Smith eine Auswahl von bewegten und stehenden Bildern.

Beider Vorliebe für den Alltag ermöglicht eine freundlich groteske, ja beinah humoristische Perspektive auf die lapidare Schwere des Krams, der uns fortwährend umgibt. Der tiefe Ernst, mit dem Hotelflure und Sperrmüllhaufen einem Close Reading unterzogen werden, führt hier also nicht zu einer immer präziseren Beschreibung, welche es einem schließlich ermöglichen würde, Tatsachen begrifflich festzunageln, sondern weitet sich zu einer traumwandlerischen Ideen- flucht, deren Logik sprunghaft aufleuchtet, kurz vorm Abdrehen in Metaphysik oder Weltpolitik aber immer wieder im Ausgangsmaterial gestoppt wird, wie in einem Kiesbett.

Wir danken der Firma Vorwerk für den Teppichboden und dem Labor Andreas Doria, außerdem Martin Wellermann für seine farbverbindlichen Fotoabzüge und Rainer Korsen für die Monitore. Ganz besonders bedanken wir uns bei Volko Kamensky für die umsichtige inhaltliche Konzeption und die Einrichtung der Ausstellung.

Videos: courtesy of the artist and Tanya Leighton Gallery, Berlin

Heiko Neumeister und John Smith
Großzügige Sachzuwendung
16.02.13  -  16.03.13

Michael Deistler, MalereiEröffnung, Freitag, 25. Januar, 17 Uhr Laufzeit, Samstag, 26. Januar 9. Februar 2013

"Da waren sie wieder, diese undeutlichen, dunklen Muster, die miteinander verschwammen, und es war nur eine Frage der Zeit, bis Draper die Nerven verlieren würde. Seine Arbeit auf der Station dauerte nun schon ein halbes Jahrhundert und er konnte sich nicht entsinnen, jemals solche Strukturen gesehen zu haben, sie erinnerten entfernt an Satellitenbilder vom Dschungel. Er korrigierte die Parameter erneut. Solche Entscheidungen hatten ihn in der Vergangenheit schon mehrfach an den Rand einer Katastrophe geführt, aber es gab keinen anderen Weg." (William Grey, The Sapphire Fount Trilogy)

In seiner zweiten Einzelausstellung in der Galerie Dorothea Schlueter zeigt Michael Deistler über zwanzig Malereien: hochformatig, mittelgroß und abstrakt.

Michael Deistler
Malerei
25.01.13  -  09.02.13

Eröffnung: Freitag 7. Dezember 17 Uhr.Nicole Messenlehner, I LOVE JEAN

Nicole Messenlehner verlegt die Gefängnisszenen des berüchtigten Films "Un Chant d’Amour" von Jean Genet in die Galerie. Die Galerie ist in zwei ungleiche Räume geteilt, den hinteren Bereich kann man nur durch Löcher in der Wand einsehen.  Die Schauspieler fehlen. Was bleibt ist das formal-ästhetische einer Galerie, gegeben durch den dort waltenden Organisationszwang. Hier, also im Büro, präsentiert Nicole Messenlehner als Ensemble die erste Ausgabe des Magazins Kultur & Gespenster zu Hubert Fichte, ergänzt um das Interview Fichte / Genet von 1975 in deutscher Fassung.

Im Film auf den sich Messenlehner bezieht, sieht man einen erwachsenen Mann, der in törichtem Verlangen, Kontakt zu einem Jungen in der Nachbarzelle sucht. Das höchste der Gefühle in diesem Liebesdrama ist eine von beiden geteilte Zigarette, mittels eines, durch die dicke Gefängnismauer gefummelten, Strohhalms.

Nicole Messenlehner
I LOVE JEAN
07.12.12  -  19.01.13

Eröffnung: Freitag 26. Oktober 17 Uhr.

Landmarken, Seismologie, Motorsport und finanzpolitische Skandale

Neueste Nachrichten aus Island; dem Land, in dem ein Mann, der von der Bank aufgefordert ist, seinen Haus- und seinen Autoschlüssel abzugeben, da beides ab sofort der Bank gehört, sich einen Schaufelbagger ausleiht, ein gewaltiges Loch gräbt, das Auto und das Haus hineinschiebt, alles wieder mit Erde bedeckt und am nächsten Tag vereinbarungsgemäß die Schlüssel bei der Bank abgibt.

Jeder benutzt Landmarken, um sich zu orientieren, und es ist egal, ob es sich dabei um Schutthügel, Bauwerke, einzeln stehende Bäume und Felsen oder um einen Tafelberg handelt.

In der Ausstellung "Landmarken" der beiden isländischen Künstler Sirra Sigrún Sigurðardóttir und Erling TV Klingenberg kreuzen sich verschiedene Formen von Landschaftswahrnehmung. Zum einen Motorrad-Eskapismus, wie in der Werbung der Volks- und Raiffeisenbanken, wo mit Trappermentalität irgendwelche, angeblich durch die Bank freigemachten Wege behauptet werden, man kann sie aber auch einfach so benutzen. Zum anderen Diagramme des rasenden Aufstiegs und Höllensturzes der isländischen Banken, die eine verblüffende Ähnlichkeit mit berühmten Bergen und Felsformationen Islands haben.

Was es bedeutet, wenn Landmarken bei der Orientierung nicht mehr helfen können, bei einem Erdbeben nämlich, zeigen die Videos "Tremors" von Sirra Sigrún Sigurðardóttir. Zu sehen sind Personen, die auf einem Erdbeben-Simulator stehen. Alle haben bereits stärkere Beben erlebt, aber die Erschütterung ist, obwohl das Phänomen bekannt ist, ein physischer Skandal. Sirra Sigrún Sigurðardóttir parallelisiert diese Eindrücke mit dem finanziellen Kollaps der Nordmeerinsel, ihr Augenmerk gilt vor allem den sozialen Beben, welche dieser verursachte.

Auf einem dahinbrausenden Motorrad sitzend, wird man schwächere Beben nicht bemerken, weder seismische noch gesellschaftliche, zu groß ist die Schwingung und das Gebrüll der Maschine, mit der man Staubwolken in die Landschaft zeichnet, man muss annehmen, dass Erling TV Klingenberg diesen Umstand nicht billigend in Kauf nimmt, sondern ihn eben deshalb inszeniert, denn was soll einem die ganze umständlich ziselierte Konzeptkunst, wenn über Nacht der Staat zusammenbricht und malen kann man mit einem Motorrad auch. Nämlich wie ein Hund, der begeistert mit den Pfoten Erde hinter sich kratzt, hier eben mit dem Hinterrad in der Farbe. Die Ergebnisse, die "Motor-Splash Paintings" von Erling TV Klingenberg, sehen wiederum aus wie Schemen eines ungeheuerlichen Peaks.

Wir danken der Firma "Heuser Motorräder” für ihre großzügige Unterstützung.

 

Sirra Sigrún Sigurðardóttir, Erling TV Klingenberg
Landmarken
26.10.12  -  01.12.12

Gabi SteinhauserEröffnung 7. September 2012, 17 Uhr Ausstellungsdauer, 8. September bis 13. Oktober 2012

Eine strenge Ausstellung, die Fotos sind riesig und hochformatig, und weil sie frei hängen, also nicht gerahmt sind, erinnern sie an Flaggen oder Banner. Gabi Steinhauser fotografiert Strukturen, gesplittertes Glas, zerrissene, geknickte Bleche oder architektonische Elemente, Treppenhäuser, Stufen, Korridore, aber nicht um diese Dinge abzubilden oder weil das Sujet irgendwie rührend wäre und man deshalb in kaputte oder kuriose Sachen reinfotografiert, es geht Gabi Steinhauser überhaupt nicht um Narration, sondern immer nur um Oberflächenstrukturen und mögliche Bildkonstruktionen. Die Kleinmöbel, die dazu im Raum der Galerie stehen, spiegeln diese Konstellationen skulptural, nicht funktional es geht nicht um Tische und Bänke. Glastische mit Chrombeinen, vor hängenden Glasflächen mit Blechteilen, das ist eher der Anfang eines Limericks, kein Interieur. Steinhausers Zeichnungen auf Millimeterpapier sind weit entfernt von Problemen, die man beim Fotografieren oder Arrangieren mit Abbildungsverhältnissen bekommen kann, sie spielen den Komplex der Bildkonstruktion auf eine andere Weise durch, wobei präzise, lineare Musterungen Flimmereffekte und optische Irritationen erzeugen. Auch die Fotos sind verwirrend aufgrund der Perspektiven, die sie zeigen, mit den Gegenständen im Raum geht dann vollends ein vertrautes Größenverhältnis und die Sicherheit flöten, was man da überhaupt anschaut. Die Fotos von Gabi Steinhauser, sie sind immer sorgfältig in Format, Anzahl und Kombination in den jeweiligen Ausstellungsraum eingemessen, haben etwas von Science-Fiction, sicher wegen der unglaublich brillanten Farben, zusammen mit diesen ganzen Splitterungen und Frakturen, und auch wegen der Größe, so als sähe man den Vorspann eines Science-Fiction-Films, nur nicht in Cinemascope, sondern eben hochformatig, das führt aber schon wieder in so eine Narration hinein, um die es eben gar nicht geht …

Gabi Steinhauser
07.09.12  -  13.10.12

Sechs Künstler aus Brüssel, die Eröffnung ist am 11. Mai um 17 Uhr

Es war im vergangenen Frühjahr. Seit Wochen hatte es nicht geregnet und man konnte ein Mitteleuropa imaginieren, das von Waldbränden verwüstet sein würde. Für immer werden wir nicht verschont bleiben   Klar. Die Zukunft hatte sich schon seit längerem ins Unvorstellbare verabschiedet.

Wir befanden uns in einer Stadt die niemand für sich beanspruchte außer ein paar Büroangestellte und in der sich noch Reste eines vergangenem Jahrhunderts vorfanden deren Existenz eher auf Trägheit, denn auf absichtsvolles Bewahren zurückzuführen waren. Auf den Straßen wurden Jugendstil Lithographien verteilt deren Gold und Türkisfarben nicht zu ende schimmern wollten und an der Ecke saßen "Mennel" die ihrem Laster dem Todestrinken frönten. Was sollten sie tun, schlecht präpariert für eine Welt die nur noch die Frage stellt: »Haben oder nicht Haben? «, in der Ayn Rand das Gift ihres Denkens schon über den halben Globus verstreut hat? Wir haben dann in den zahlreichen Antiquariaten noch weitere Bücher über Fin de Siècle Illustratoren gefunden und ein paar Hemden aus dem guten alten Leinenstoff den sie so heute nicht mehr produzieren. Nach dem Essen saß man rum und dachte: was nun? Noch eine Gruppenausstellung. Klar! Außerdem… Haltung bewahren und sich noch ein paar gute Jahre erhoffen. (Abel Auer)

Graham Anderson, Abel Auer, Aleksandra Chaushova, Dorota Jurczak, Lucy McKenzie, Caitlin Keogh
CIRIO
11.05.12  -  23.06.12

Eröffnung: Freitag, 16. März 2012, 17 Uhr.

Zippily, moving quickly and lightly, Maria Zahle and Peggy Franck allow their different works to interlock in this exhibition, like the teeth of a quick zip-fastener.

On show are a combination of things, raw materials such as plexiglas, stands with hand-made objects on them, objects made from plaster and ironic beacons of deepest subjectivity light bulbs that bear single painted brush marks.

One might think that such combining of objects is now standard for almost every contemporary art exhibition. However, what is special in this case is the openness of the result. Here truly equal rights are granted to the different components of the exhibition, objects and materials are displayed lightened of their symbolic loads. The informal distribution of elements, the variation in their poses some leaning, some lying down allow them the simple presence of bodies at rest within the exhibition space.

Both artists have a piqued yet un-anxious relationship with the idea of decoration and elegance. This tendency is an absolute gift in the current climate of contemporary art. Elegance of arrangement, and decoration itself are famously central to both the concept of kitsch, and to the advertising industry, with whom (concept and industry) the art establishment attempts to maintain a low-rumbling persistent feud. However, against this dreary backdrop, the spontaneity of composition with which Franck and Zahle work, and its apparent accidentality and air of provisionality nullifies any distracting pretence of dry rhetorical games. Out are reactionary complaints on a theme of the decorative, or sly pot-shots at the "managed clichés of atmosphere” of the hotel lobby, gone too is the po-faced snobbish horror at the pictorial deception of the mail-order furniture catalogue, and so on.

Given this series of denials, and apparent casual shedding of anything other than immediate relational content, arresting open questions still remain. Exactly how is it that a collection of constructed elements comes to represent so specifically intended a study of the imprecise?   And exactly why does a cool minimalist sculpture composed of small flat strips of plexiglas persist so strongly in the mind as the image of a human figure?

Maria Zahle, born 1979, Copenhagen, Denmark, lives and works in London and is a co-founder of the London based project space The Hex.

Peggy Franck, born 1978 in Zevenaar, The Netherlands, was a recent recipient of a residency grant at the Künstlerhaus Bethanian, Berlin, where she now lives and works.

 

Peggy Franck, Maria Zahle
ZIPPY ZIPPY
16.03.12  -  28.04.12

Eröffnung: Freitag, 27. Januar 2012, 17 Uhr

Ist eine Annäherung an Dinge als bloße Dinge möglich? Schwerlich, denn sie sind immer durch Erinnerungen und Konventionen verworrenster Art verstellt. Und bei jedem Zugriff auf Dinge transformieren sich geschmeidig die Bezüge des Dings, nicht das Ding selbst.

Kann man die sich ständig transformierenden Bezüge loswerden? Will man das? Denn was soll einem ein Ding, zu dem man keinerlei Informationen hat? Man wird ihm schleunigst einen Namen geben, es wiegen und vermessen, damit man wenigstens etwas über das Ding behaupten kann. Man muss das machen. Die Objekt-Beschreibung verschafft einem Teilhabe an der Gesellschaft, Kommunikationsanlässe. Das So-sein-Lassen der Dinge, ist etwas für Mönche fortgeschrittene Meditation.

Die Ausstellung von Jennifer Bennet und Alexander Hoepfner zeigt Ist-Zustände der andauernden Transformation von Beschreibungen, die Dingen angeheftet sind.

Jennifer Bennett und Alexander Hoepfner
27.01.12  -  03.03.12

Eröffnung: Freitag 2. Dezember, 2011, 17 Uhr. Rocco Pagel hat Ende der 90er Jahre in Dresden studiert, anderenfalls wären das keine Kreidegründe, die in mehreren Schichten aufgebaut und zahllose Male geschliffen sind, die Malerei keine Lasurtechnik genauer ein Wechsel von Eitempera und Öl ein verhältnismäßig schnell trocknendes Verfahren, welches erneut verschliffen wird und aufgrund der vielen Lasuren, je nach Beleuchtung, in Tausend Nuancen erscheint, wie ein Tag der vom Morgengrauen bis zum Abendrot doch immer die selbe Szenerie erhellt. Im Fall der Aquarelle von Rocco Pagel konkret einen um 1840 angelegten Garten in Südfrankreich. Hier arbeitete Rocco Pagel plain air. Dabei beschäftigte ihn das künstliche der Gartenanlagen, die exotischen Pflanzen welche ein Versprechen von Wildheit und Ferne geben, um so glaubhafter, je trickreicher der Garten in die Kulturlandschaft eigegliedert ist, auf das einem die ferne Gebirgskette über den Weinbergen erscheint, wie die Kulisse des Kilimandscharo.

Im Atelier aber auch ohne Kunstlicht entstehen die Malereien. Auch hier ist Pagels Betrachtung ganz unmittelbar. Kein Vorder- Mittel- und Hintergrund gliedert die Bilder, die dennoch nicht in völliger Abstraktion verschwinden, sondern verzweigend und ausufernd diverse mögliche Szenerien evozieren: Horizont, Mauer, Wolke, Hecke, Meer.

Rocco Pagel
BELLE POULE
02.12.11  -  14.01.12

Eröffnung: Freitag 28. Oktober, 2011, 17 Uhr

 

»ABSOLUT DER RICHTIGE SPORT FÜR MICH! «

in der Galerie Dorothea Schlueter, in Zusammenarbeit mit dem »Ort des Gegen e.V. «

Skulptur, Zeichnung, Video (1988 1993), Texte (1990 2000).

 

Zur Ausstellung erscheint eine 7-teilige Edition der »Blumensprengungen « und zur Finissage eine Audio-CD mit zwei Lesungen von Annette Wehrmann.

Annette Wehrmann (* 1961 † 2010) war eine deutschsprachige Künstlerin und Autorin.

Sie studierte von 1985 bis 1993 Freie Kunst an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg und an der Städelschule Frankfurt.

 

Die Ausstellung läuft bis zum 26. November 2011.

Öffnungszeiten:Mittwoch bis Samstag 14 18 Uhr

Annette Wehrmann
ABSOLUT DER RICHTIGE SPORT FÜR MICH!
28.10.11  -  27.11.11

Eröffnung: Freitag 9. September, 2011, 17 Uhr.

Helene Appel zeigt in ihrer ersten Ausstellung bei der Galerie Dorothea Schlueter neue großformatige Malereien. Hochgestreckte Formate. Je Bild eine seichte Wasserpfütze, glänzende Lachen, Steine und Kiesel sind am flach schlammigen Grund zu erkennen, leicht kräuselt sich die reflektierende Oberfläche. Schimmerndes Kunstharz versiegelt diese Malerei. Das Verfahren ist nicht reversibel.

Alternierend zu den Pfützen ein Querformat. Ein feines Netz, mit dem man quer einen kleinen Fluss abspannen könnte. Der Rhythmus der Maschen gleicht dem eines Fischsschwarms.

 

Die Ausstellung ist eigens für die Galerie Dorothea Schlueter konzipiert, die Formate füllen die Abmessungen des Raum aus, sind mit gleicher Bestimmtheit aber eben genau so groß wie solche Pfützen sein müssen.

 

Helene Appel befasst sich mit einer äußerst genauen Untersuchung und der komplexen Beschreibung von Objekten. Diese treten, isoliert von der sonst roh belassenen Leinwandoberfläche, bestechend klar aus dem Bildgrund hervor.

 

Zeitgleich zur Ausstellung erscheint im Textem Verlag Hamburg ein Katalog mit Werken der Künstlerin aus den letzten fünf Jahren, herausgegeben vom Mönchehaus Museum Goslar.

 

Helene Appel studierte an der HfbK in Hamburg und beendete ihr Studium mit einem MA am Royal College of Art, London, im Jahr 2006. Seitdem bestreitet sie Ausstellungen in London, Berlin und New York. Sie ist Preisträgerin des Kaiserring Goslar Stipendiums 2011 und lebt zurzeit in Berlin.

Helene Appel
09.09.11  -  22.10.11

Eröffnung Freitag 3. Juni, 17 Uhr

 

Die Isländische Kling & Bang-Galerie begann im Jahr 2009 Material auf DVD zusammenzutragen. Es handelt sich dabei um Filme, Videos, Animationen und Performance-Dokumentationen. Kling & Bang zeigt in Hamburg in der Galerie Dorothea Schlueter eine Auswahl aus dieser DVD-Sammlung. Wobei 10 Monitore das Gerüst der Schau bilden, die auch in 10 verschiedene Ausstellungen zergliedert werden könnte. Dabei beteiligte Künstler sind unter Anderen: Hannes Lárusson, Ásdís Sif Gunnarsdóttir, Sigurdur Gudjónsson, Kolbeinn Hugi Höskuldsson, Lilja Birgisdóttir, Inga Birgisdóttir, Monika Frycova, Hekla Dögg Jónsdóttir und Erling Klingenberg.

 

Kling & Bang wurde 2003 von einer Gruppe unterschiedlichster Künstler gegründet. Gemeinsames Anliegen war, Kontext und Inhalte sogenannten »kreativen Denkens « herauszufordern. Im Laufe des mittlerweile 7-jährigen Bestehens von Kling & Bang wurden mit diesem Modus Operandi unzählige Projekte und Ausstellungen realisiert. Indem man sich stets ausgiebig mit dem »wie « und erst nachgeordnet mit dem »was eigentlich « befasst, variieren die Ergebnisse, wie man sich denken kann, heftig. Dieses Vorgehen brachte Kling & Bang allerdings auch internationale Aufmerksamkeit. Ausstellungsbeteiligungen im Centre Pompidou in Paris, auf der Berliner Liste, beim Frieze Project Frieze Art Fair in London sowie Kollaborationen mit Künstlern wie Christoph Schlingensief, Paul McCarthy, Jason Rhoades, John Bock, David Askevold, Gelitin, die isländischen Kollegen nicht zu vergessen.

 

Zwei Jahre leitete die Gruppe Kling & Bang einen 5000 qm großen Projektraum in Reykjavik, in dem 137 Künstler, Designer, Filmemacher und Musiker eine riesige Menge verschiedenes Zeug zur Ausstellung und Aufführung brachten, in immer neuen Kombinationen der Zusammenarbeit mit dem Kern der Gruppe Kling & Bang.

 

Kling & Bang realisiert noch immer Jahr für Jahr rund 12 Ausstellungen mit ungebrochenem Möglichkeitssinn. Eine davon ist vom 3. Juni bis zum 9. Juli 2011 in der Galerie Dorothea Schlueter in Hamburg zu sehen.

 

 

Kling & Bang
The Confected Video Archive of Kling & Bang
03.06.11  -  09.07.11

Die Malereien der Hamburger Künstlerin Nele Budelmann sind großformatig und es sind viele. Nun, da ohnehin drangvolle Enge herrscht, sind Nele Budelmann zwei junge Künstler, gleich Schildknappen, an die Seite gestellt. Axel Loytved zeigt Hosentaschen-Objekte, in Bronze abgegossene Knoten oder Taschentuchfetzen, eben Dinge, die man in seinen Hosentaschen vergisst, die als Bronzeobjekte allerdings zu ganz großer Form psychotischer Überbetonung auflaufen und damit Kommentarfunktion haben für die Text/Bild-Konstellationen von Nele Budelmann, deren Mitteilungen unheimlich schweifen zwischen Denunziation und beredtem Schweigen. Der zweite "Schildknappe”, der Künstler Max Frisinger, wird für die Choreografie der Schau zuständig sein. Was passiert also, wenn Malerei, eine fernöstlich-okzidentale Gemengelage, begleitet von bronzenen Miniaturen, von der Hand eines Formalisten geordnet wird?

Nele Budelmann, Axel Loytved, Max Frisinger
Business-Plan. Reptil mit sechs Schuppen. Hundert Blätter schwarze Nudeln Afghanistan. Kimono, Kosode, Wandbehang. Ikone. Sechs chinesische Motive in Schwarz. Paravent 1, Nudelrestaurant.
25.03.11  -  21.05.11

Herausgelöst treiben Dinge wie Sahne über einen dunklen Grund. Schaumig, gewichtslos, ohne Richtung. Fahrzeuge, Kammern, halbgeöffnete Wagen. Eine gekenterte Garage. Nein, es ist eine Kirche, ein Gefängnis vielleicht. Ein Suppenhuhn, seine Haut wölbt sich straff über den Rippen, die Ränder biegen sich elastisch aufwärts, wie eine Hutkrempe. An der Steilküste steht eine

Zypresse mit einem Ei an den Wurzeln Wind geht.

 

I have tried really hard to make good art. Everything that I do falls down.

I have a lack of faith in art.

I am still affected by art in spite of this.

 

It is not the clever things in art that affect me, but the broken feverish insistent imagery that

asserts and re-asserts itself, against the cool and hopeless grand ambition on art’s surface. People say that once this ambition meant something I’m not entirely convinced that it did.

I am sorry for the loss that time brings. I am sorry for the horror that time brings.

Tragedy has its own scale and edges. Tragedy is an art form, and for all its grand sweep, for all its pomposity and ambition, it remains a selective understanding of events.

Simon Logan
Five acts of mourning, and other desperate measures.
04.02.11  -  19.03.11

Filigrane Bleistiftlinien mit technischer Anmutung über große Papierbahnen gestrichelt, teils zart farbig abgesetzt. Grundrisse, DNA-Stränge, Metallträger, Kristalle, ja, es lassen sich auf den Zeichnungen von Guðný Guðmundsdóttir Gegenstände ausmachen. Allein, die Aneinanderreihung ­dieser Dinge zu schwebenden Girlanden und Strängen ist entkoppelt vom Interesse an der Eindeutigkeit. Trägt das Pferd ein Fuhrgeschirr oder wachsen ihm Flügel? Auch der mögliche Gebrauch der »Werkzeuge «, gebrannten, farbig gefassten Ton-Objekten, Modellen von Handwerkszeug, bleibt einem verborgen. Eine wunderliche Parade von Dingen und Wesen.

Gudny Gudmundsdottir mit Jochen Lempert
Polo
09.12.10  -  22.01.11

Es geht um eine Fälschung. In einem Katalog zur Ausstellung »A Decade of California Color « in der New Yorker Pace Gallery vom November 1970 fand sich eine Seite, die einen Künstler namens Charles Arnold und ein ihm zugeschriebenes Kunstwerk zeigt, die beide nicht in dieser Ausstellung vertreten waren. Eine Retusche auf dem Umschlag der Katalogmappe hatte das »i « von Charles Arnoldi verschwinden lassen, welcher damals der »wahre « Teilnehmer der Ausstellung war.

 

Das verschwundene »i « war Ausgangspunkt für die Recherche der dreiköpfigen Künstlergruppe Galerie C&V, die im Mai 2010 nach Los Angeles und zu einigen der 1970 an der Ausstellung beteiligten Künstlern führte. Die Ergebnisse dieser Spurensuche bilden den Kern der Ausstellung »Another Decade of California Color « in der Galerie Dorothea Schlueter, die auf den Tag genau 40 Jahre nach der Ausstellung in der Pace Gallery stattfindet.

 

Ausgehend von der Retusche eines einzelnen Buchstabens, reflektiert die Ausstellung »Another Decade of California Color «, wie eine leicht verschobene Mikrogeschichte kalifornischer Kunst der 1970er Jahre hätte aussehen können. Dabei treffen sich drei Blickrichtungen: die zeithistorische von 1970, die sich erinnernde der damals Beteiligten und der Blick einer heutigen Generation, welcher sich den 1970ern nur als Teil der Kunstgeschichte nähern kann.

 

Die lose Gruppe der Künstler der historischen Ausstellung »A Decade of California Color « zeichnete sich durch ihre Vorliebe für makellose, handgefertigte Oberflächen und die damals neuen Materialien wie Kunstharz, Polyester oder auch Sprayfarben aus. Seit kurzem erlebt diese kalifornische Kunst, oft als »light and space art « oder »finish fetish « bezeichnet, ein Revival und wird in zahlreichen Retrospektiven gezeigt. So haben einige der Künstler begonnen, Repliken ihrer Arbeiten von vor 40 Jahren herstellen zu lassen. Erste Adresse für die Produktion kalifornischer Kunst ist dabei die Werkstatt von Jack Brogan. Galerie C&V hat nun in ebendieser Werkstatt, die Anfertigung des auf dem gefälschten Künstlerblatt von Charles Arnold abgebildeten Kunstwerks »Untitled, 1970, colored wax on glass « in Auftrag gegeben und befragt mit der Rekonstruktion der Arbeit des fiktiven Künstlers Charles Arnold das heikle Thema Autorschaft und Authentizität.

 

Als weitere Bestandteile der Ausstellung wird in einem Super-8-Film nicht ohne Ironie über mögliche Produktionsweisen bei der Herstellung des Kunstwerks von Charles Arnold spekuliert. Eine wichtige Rolle spielt dabei das Klischee des surfenden Künstlers, das mit der kalifornischen Kunst der frühen 70er Jahre untrennbar verbunden ist.

Ein Video verbindet Fragmente aus Gesprächen mit Zeitzeugen und Beteiligten der Ausstellung »A Decade of California Color « zu fiktiven Gesprächen, die ausgehend von der Person Charles Arnold auch Themen wie die Selbstdarstellung von Künstlern damals oder das Rauchen als Vernebelungstaktik verhandeln.

Von dem Fotografen Jerry McMillan, der Wegbegleiter der damaligen kalifornischen Künstlerszene war, sind Kontaktabzüge zu sehen, die sich in Nuancen unterscheiden von jenen, die durch ihre Veröffentlichung in Zeitschriften wie Artforum zu Ikonen wurden.

Zur Eröffnung erscheint ein Faksimile-Reprint der gefälschten Katalogmappe. Diese Lose-Blatt-Mappe wird, als Edition in kleiner Auflage, im weiteren Verlauf der Spurensuche durch kommentierende Blätter anwachsen.

 

Als Galerie C&V arbeiten Alexander Mayer, Jo Zahn und Jörn Zehe seit 2008 zusammen. Die Gruppe entstand nach der gemeinsamen Organisation des Ausstellungsprogramms zum Thema »Copieren und Verfälschen « im Künstlerhaus Frise, Hamburg. 2009 führte Galerie C&V diese Reihe mit der Ausstellung »Kommentar als selber was « in der Kunsthalle Exnergasse (Wien) fort.

Galerie C&V
Another Decade of California Color: Charles Arnold & The Missing i
07.11.10  -  27.11.10

Kugelschreiber auf Karton, 68 x 48 cm

Michael Deistler
Zeichnungen
30.09.10  -  30.10.10