Galerie Carolyn Heinz
Adresse: Klosterwall 13 20095 Hamburg
Telefon: +49 - 40 - 28 782 919
Telefax:
Öffnungszeiten: Mittwoch-Freitag 12-19 Uhr, Samstag 12-16 Uhr
Martin Meiswinkel
"IN LUNAR HORIZONS"
11.09.2010
-
23.10.2010



Eröffnung:
10. September 2010, 19 Uhr
Die Eröffnung findet im Rahmen der Saisoneröffnung der Galerien im Kontorhausviertel statt. Die Galerien sind von 19-23 Uhr geöffnet.

















ohne Titel, 2010, Öl, Acryl, Kohle, Lack auf Kunststoff, 123,5 x 90,5 cm




Ein sonniger Tag am See – Strukturen unter Wasser und Spiegelungen auf dessen Oberfläche. Der Wind bringt die Oberfläche des Wassers nur leicht in Bewegung und schon gerät alles durcheinander, wird verzerrt und verbogen. Die Strukturen des Oben und des Unten sind nicht mehr eindeutig zuzuordnen, durchdringen sich gegenseitig, die Eben geraten außer Kontrolle.
So in etwa ergeht es dem Betrachter mit den Arbeiten von Martin Meiswinkel. Ausgangspunkt seiner Arbeiten sind am Computer generierte, ornamental eingesetzte Grundelemente. Ob stilisiert floral oder aus einer geometrischen Form gewonnen, durchziehen diese Gebilde in rythmischer, fast dekorativer Wiederholung rankenhaft den Bildraum. Mit Hilfe von Verzerrungen, gezielter Farbanordnung und illusionistischen Perspektiven überschreiten die Elemente die von Meiswinkel angelegten Bildebenen, ohne sich zu diesen Ebenen jedoch eindeutig zu verhalten. Vielmehr wird der Betrachter durch die scheinbare Bedeutung der sich wiederholenden, durch den Bildraum führenden Formen dynamisch in diesen hineingezogen, um dann schnell die Kontrolle über die eigene Positionierung einzubüßen und sich in der Widersprüchlichkeit der räumlichen Konstruktion zu verlieren.
Meiswinkel baut seine Arbeiten in dünnen, lasierenden Schichten auf und reagiert mit jeder Schicht formell und farbperspektivisch auf das bereits Entstandene. Der Farbauftrag reicht von transparent bis flächig opak, mal ist die Oberfläche delikat fein, mal belässt Meiswinkel deutliche Pinselspuren. Die Malerei scheint über den Bildrand hinauszugreifen und spielt so mit dem potentiell endlosen Charakter von Ornament.
In dem Zusammenspiel von formaler Strenge und dynamisch sich ausbreitender Bildenergie liegt der besondere Reiz. Obwohl Meiswinkel uns mit den ornamentalen Elementen und einem formal klaren Bildaufbau zunächst eine Scheinordnung suggeriert, erweist sich am Ende des Sehprozesses die gesamte Bildstruktur als kontingent und hinterlässt den Betrachter in nachhaltiger Verwirrung.

Martin Meiswinkel (*1973 in Tübingen) studierte an der Kunstakademie Münster bei Heinz Breloh und Ulrich Erben und am Chelsea College, London.
Seit 2010 lebt und arbeitet er in Berlin.

Summertime 2010
28.07.2010
-
28.08.2010
Sommerausstellung mit Arbeiten von:

Bodo Baumgarten
Fernando de Brito
Lars Eckert
Constantin Grüning
Peter Nikolaus Heikenwälder
Astrid Köppe
Martin Löffke
Karin Marquardt
Esther Naused
und Uta Katharina Rumohr

Wir freuen uns auf Ihren Besuch!
Reinhold Engberding / Peter Jordaan
Bart und Faden
29.05.2010
-
03.07.2010
Peter Jordaan führt uns in seinen Zeichnungen und Siebdrucken Dinge vor Augen, die wir sofort und ohne Probleme benennen können. Jordaan präsentiert sie uns kontextlos und verleiht ihnen damit einen vieldeutigen, nicht klar fixierbaren Sinn: Ein Bart ohne Gesicht, eine Kantine ohne Menschen, eine Teddyfamilie ohne „Kinderzimmer“. Aber scheinbar fest verankerte, aus unserem individuellen Erfahrungsschatz gespeiste Bedeutungen versagen bei dem Versuch, das künstlerische Gebilde zu verstehen. Haben die Dinge an sich überhaupt eine Bedeutung? Erhalten sie diese nicht erst durch uns und durch den Kontext, in dem wir ihnen begegnen?

Grundelement der Arbeiten von Peter Jordaan ist der Strich. Durch die Anordnung von schlichten Strichen kristallisieren sich Realien heraus, es kann eine Ziege sein, eine Halle mit Hunderten von Tischen, aber auch ein Bart. Realien, die gleich wieder ins Irreale (Surreale) abgleiten. Die Welt bei Peter Jordaan ist zerbrochen, anders zusammengesetzt, ein Spiel der Striche.

Im Gegensatz zu Peter Jordaans Motiven, die wir problemlos zu identifizieren meinen, um dann festzustellen, dass sie nicht das sind, was sie vorzugeben scheinen, sind uns Reinhold Engberdings plastischen Arbeiten spontan fremd. Nach klaren konstruktiven Regeln, die sich der Künstler für jede Arbeit neu setzt, häkelt er in Runden mit dem immer gleichen schwarzen Garn und einheitlicher Maschentechnik zunächst hüllenhafte Formen. Oftmals werden diese gefüllt, die entstandene Form mit Wachs und Schellack gefestigt und dann das Füllmaterial wieder entfernt. Die entstandenen amorphen Hohlkörper stehen in eigentümlicher Ambivalenz zum äußerst konstruktiven Entstehungsprozess und dem gleichförmigen, ruhigen Häkelmuster. Sie scheinen mit Leben erfüllte Körper, sind aber hohl. Und obwohl sie dem Betrachter zunächst fremd erscheinen, entströmt ihnen eine unerklärliche Wärme.

Das Sehen bedeutet für den Sehenden eine Art Kontrolle. Durch das Sehen erkennen wir. Jordaan und Engberding setzen diese Form der Kontrolle außer Kraft. Wir sehen die Dinge und doch erkennen wir sie nicht. Dinge, die wir zu erkennen scheinen, verlieren auf einmal ihre Bedeutung, und zu Formen, die uns zunächst fremd sind, bauen wir gerade dadurch eine Beziehung auf.
Astrid Köppe
1a flachware
10.04.2010
-
22.05.2010
Astrid Köppe
o.T. (#67), 2008,
Emaille auf Stahl, 130x120 cm

Eröffnung: 9. April 2010, 19-23 Uhr
im Rahmen des Galerierundgangs im Kontorhausviertel

Puschelige Wesen, amöbenhafte Getiere, haarige Dinger – kontextlos treten dem Betrachter diese eigentümlichen, unidentifizierbaren Schöpfungen gegenüber. Nicht allein durch ihre Vereinzelung wirken sie fremd und irritierend.
Astrid Köppe bedient sich aus dem Pool der unmittelbar erlebten, sinnlich wahrnehmbaren Welt. Doch sie bildet nicht ab, sondern extrahiert bereits im Prozess der Wahrnehmung die für sie interessanten Aspekte des Gesehenen und formt vor ihrem inneren Auge eine Essenz. Mit dieser Essenz im Kopf macht sie sich ans Zeichnen der imaginativen Formen, die dann im Verlauf der Arbeit durchaus ein zusätzliches Eigenleben gewinnen können.
Unmittelbar sinnlich erfahrbar und suggestiv sprechen Astrid Köppes Zeichnungen und Emaillearbeiten eine poetische, sehr reduzierte Formensprache, geheimnisvoll und von außerordentlicher Zartheit. Sie spielen mit unseren Assoziationen und halten uns dennoch auf Distanz.
Die Einfachheit der gezeichneten Form, deren schlichte und doch spezifische Beschaffenheit schärft die Wachheit gegenüber dem Wesen der alltäglichen, oft geradezu banalen Dinge, gegenüber der Schönheit ihrer Einzelformen, ihrer Oberfläche, ihrer Konsistenz. So nimmt uns die Künstlerin auf eine Reise mit, bei der wir den unterschiedlichsten Welt-Dingen begegnen, die uns zwar einerseits vertraut, gleichzeitig aber auch fremd erscheinen. Durch diese beunruhigende Erfahrung sind wir gezwungen, uns selbst den Weg zu suchen. Die Bilder geben keine Hilfestellung in direkter Weise, aber immerhin doch in der Form, dass sie durch die Stimmigkeit der Darstellung uns die Möglichkeit einer anderen Ordnungsbildung spüren lassen.
Hanna Nitsch
Brüderchen und Schwesterchen
06.02.2010
-
03.04.2010
Hanna Nitsch,
Aaron 26-12-09, Tusche auf Papier, 32 x 24 cm

Eröffnung:
5. Februar 2010, 19 Uhr


Wie zeigen sich die Kinder - Mädchen, gelegentlich auch Jungen - die Hanna Nitsch malt? Je intensiver der Betrachter diese Bilder erforscht, umso länger wird die Kette der sich ihm aufdrängenden Assoziationen, bis er schließlich in einen Irrgarten von sich widersprechenden, unheimlichen, verstörenden Vorstellungen eintaucht:

In sich versunkene Kinder, verschlossen, unnahbar; verletzlich und verängstigt, fragend.
Aber auch jenseits der Unschuld – provozierend, durchblickend, drängend, kokett.
Zwanghaft ausgestattet mit dem falschen Charme verführerischer Weiblichkeit.
Misshandelt. Böse. Furienhaft.
Auf der Suche nach Identität, imaginierend, spielerisch offen, eintauchend in den Dschungel einer Phantasiewelt.

Die Körper der Kinder sprengen den Bildrahmen, wirken vergrößert, drängen nach vorn, dem Betrachter entgegen. Er ist direkt mit den aufgerissenen Augen, dem ihn anstarrenden Blick konfrontiert. Selten sind die Kinder auf Augenhöhe. Sie schauen von oben herab oder von unten herauf. Die sichtbaren Körperteile sind kindlich fahl und blutleer. Farbe wird ambivalent mit unterschiedlichen Effekten eingesetzt, als Rötung der Haut wie bei einer Verletzung oder als aufreizende Schminke, die mit den verführerischen Attributen der Weiblichkeit spielt. Auch die Farbe in den changierenden Stoffen der Kleider deutet in diese Richtung. Bisweilen wird Farbe auch eingesetzt, um die schattenhaften Flecken des Körpers hervorzuheben, oder wirkt als eine Hülle, die den Körper modelliert und ihm eine starke physische Präsenz verleiht.

Hinter dem, was Kindern kulturell zugeschrieben wird, kommt auf diese Weise eine Vielfalt von sowohl freundlichen wie auch zerstörerischen, gleichsam polymorph-perversen (Freud) Möglichkeiten zum Ausdruck. Diese markieren immer auch Widerstände gegen die kulturelle Zurichtung. Das Individuum geht nicht in dem auf, was als Leitbild kultureller Identität durchgesetzt wird. Die nicht integrierten Reste erscheinen als Quelle schöpferischer Produktivität. Darin treffen sich die Kinder mit den Künstlern. Und warum nur die Kinder? Ihnen (und der Künstlerin, die sie porträtiert) ist noch verfügbar, wozu später der Zugang verloren geht. Handelt es sich vielleicht gar nicht um Kinder mit ihren spezifischen Charakteristika, die dargestellt werden, sondern eher um eigenschaftslose Projektionsflächen? Projektionsflächen, in die wir als Betrachter alle die phantasierten Möglichkeiten und dunklen Rückerinnerungen hineinlegen, die uns wie eine unfassbare Erscheinung anrühren.
SECHS x ZWO
Freundschaftsbande
05.12.2009
-
30.01.2010
Sechs Künstler der Galerie laden Gäste ein:

Reinhold Engberding & Peter Jordaan
Peter Nikolaus Heikenwälder & Fernando de Brito
Astrid Köppe & Gabriele Jerke
Esther Naused & Friedrich Einhoff
Uta Rumohr & Henrik Hold
Yin Meng & Nina Takata







Reinhold Engberding, o.T. (Vielliebchen), Garn gehäkelt, Schellack, Wachs, H ca. 200 cm
Peter Nikolaus Heikenwälder
emergency apple
29.10.2009
-
28.11.2009
Eröffnung: 28. Oktober 2009, 19 Uhr

Das Thema, das sich in Peter Nikolaus Heikenwälders neusten Arbeiten abzeichnet, scheint ein ganz eigener Kosmos zu sein, der sich jedoch erst auf den zweiten Blick offenbart. Ein Kosmos von unendlicher Tiefe, der den Betrachter in einen schwarzen oder gedämpft farbigen Strudel zieht, in welchem es weder Vorder- noch Hintergrund sondern nur undefinierten Raum gibt, der von meist geometrischen oder amorphen Objekten durchkreuzt wird, die dort ihre Bahnen ziehen.
Die schwebenden Objekte tauchen aus der Dunkelheit der Bildtiefe auf oder verschwinden darin, durchkreuzen das Bild oder verharren auf der Stelle, je nach Sichtweise und Interpretation des Betrachters. Diese undefinierte Raumsituation lässt dem Rezipienten die Freiheit, zwischen den Objekten und Strukturen der Werke Bezüge zu schaffen und dem Heikenwälderschen Kosmos Erzählungen zu entnehmen, die von eigenen Erfahrungen und Assoziationen geleitet werden.
Die Bildtiefe von Heikenwälders abstrakten Arbeiten wird nicht durch den Einsatz von Perspektive erreicht, sondern mithilfe der Farbe erzeugt. In dünnen durchscheinenden Schichten wird eine Farbebene über die andere gelegt. So überarbeitet Heikenwälder den Hintergrund immer wieder, wobei er auch Objekte übermalt oder Farbe wieder auswischt und so ein räumliches Gesamtgefüge schafft, welches alle Teile der Bildkomposition miteinander verbindet. Dabei bleibt die Bildoberfläche gleichzeitig immer lasierend und leicht, während die Objekte in greifbaren Konturen und Farben modelliert sind. Sie verstärken dadurch den Tiefeneindruck, und dadurch, dass sie, obwohl sie von einer Lichtquelle außerhalb des Bildes angestrahlt werden, selbst keinen Schlagschatten werfen. Somit werden räumliche Anhaltspunkte verweigert und die Weite des Kosmos entsteht.
Während sich dieses Universum auf den großformatigen Arbeiten der emergency apple Ausstellung als unendliche Schwärze auftut, scheinen sich dem Betrachter in den kleineren Papierarbeiten kosmische Nebel in zurückgenommener Farbigkeit zu präsentieren. Doch auch diese bieten keine räumlichen Anhaltspunkte. Die Expedition in die Tiefe der Werke wird somit eine Reise ins Nichts, die dadurch auch den Titel verständlich macht. Dabei lässt auch die Übersetzung betrachterabhängige Interpretationen zu, da emergency sowohl eine Notsituation, als auch ein unvorhergesehenes Ereignis bedeuten kann. Und Unerwartetes kann sich in der Dunkelheit der Bilder durchaus verstecken. Nur was es sein könnte lässt Heikenwälder dem Rezipienten offen. Doch vermittelt er durch diese ungeklärte Situation ein ganz bestimmtes Gefühl, das seinen Widerhall durchaus in der Realität findet oder auch aus der Wirklichkeit entnommen hier bildnerische Umsetzung findet. Denn wo in Politik und Gesellschaft nur noch von Krisen gesprochen wird, kann Ungewissheit nicht ausbleiben.

Text: Anne Krüger
Yin Meng
DAO : der Weg – Messer/zerstoßen/stürzen/ankommen - der Weg
12.09.2009
-
17.10.2009
Eröffnung: 11.September, 19 Uhr

Formen und Farben fügen sich in den Scherenschnitten von Yin Meng (*1973 in Chongqing, China) so zusammen, als seien es Märchenbilder. Auf dünnes Reispapier wird getuscht, es wird ausgeschnitten, gerissen, geklebt, darauf gezeichnet. Räume entstehen voller Poesie, Bühnen phantastischer Landschaften, die von einem wunderlichen - mal drolligen, mal kauzigen - Figurenpersonal bevölkert werden.
Wie im Märchen bewegen sich die „Geschichten“ auf einem schmalen Grat zwischen Schmerz und Heiterkeit und führen in die Tiefen unbewusster Strömungen, aus denen seelische und emotionale Erfahrungen gespeist werden.
Yin Mengs Arbeiten sind Ausdruck persönlicher Erlebnisse, Empfindungen und Überraschungen. Die Unergründlichkeit der chinesischen Geschichte und Kultur ist auf geheimnisvolle Weise in ihrer Arbeit präsent, wobei eine hohe malerische Kraft erahnen lässt, wie sehr sie sich mit der Welt um sich herum auseinandersetzt. Dabei gelingt es ihr auf eindrucksvolle Weise, in eine Art Dialog zwischen der europäischen und chinesischen Kultur einzutreten.

Yin Meng wurde 1973 in Chongqing, China geboren. Nach dem Besuch der Oberschule für Künste in Chongqing studierte sie von 1993 - 1997 chinesischen Malerei und Tuschmalerei an der Hochschule für bildende Künste Sichuan in Chongqing.
2001 ging sie nach Deutschland um an der Hochschule für bildende Künste Hamburg Freie Kunst bei Werner Büttner zu studieren. Für Ihr Diplom erhielt sie 2006 den Karl-Heinz Ditze-Diplompreis. Yin Meng lebt und arbeitet in Hamburg.
Esther Naused - Moritz Hasse
LICHTSCHATTENRAUM
04.07.2009
-
08.08.2009
Moritz Hasse, New York, Brooklyn, North 10th Street, 2008, Öl auf Leinwand, 70 x 100 cm


Räume von unbestimmter Topographie, in deren undurchsichtigen Weiten sich der Betrachter unentrinnbar verliert - menschenleere Straßenzüge, die sich selbst genügen und in denen die Zeit still zu stehen scheint gemeinsam ist beiden Positionen der Ausstellung LichtSchattenRaum mit Arbeiten von Esther Naused und Moritz Hasse die Konzentration auf den Moment, auf das Innehalten an einem spannungsreichen Balancepunkt, der den Betrachter in einem Schwebezustand hält.


Moritz Hasse bereist Großstädte und photographiert. Dann kehrt er in sein Atelier zurück und übersetzt diese eingefrorenen Momente in Ölmalerei. Es entstehen keine fotorealistischen Arbeiten, sondern transformierte Wirklichkeiten.
Zu sehen sind nicht die Prachtboulevards oder Sehenswürdigkeiten der Metropolen, sondern ihre ganz gewöhnlichen Allerweltsstraßen. Hasse zeigt sie menschenleer, ihrer städtischen Vitalität beraubt, oftmals in gleißendes Sonnenlicht getaucht mit langen Schattenwürfen: Bilder voller Sinnlichkeit und dabei von einer prosaischen Ruhe, wie sie einem manchmal ganz früh morgens begegnet, bevor das Leben der Stadt beginnt.
Kein Detail beansprucht besondere Aufmerksamkeit, aber ebenso ist nichts als nebensächlich gekennzeichnet. Alles wirkt alltäglich, verbindlich und erzeugt dennoch zugleich eine seltsame Irritation. Hasses Bilder halten an einem Punkt inne, an dem sie einerseits den Blick des Betrachters in die Tiefen der Straßenzüge ziehen, ihn andererseits durch ihre Unnahbarkeit aber ebenso vehement zurückweisen und auf Distanz halten.

Moritz Hasse, geboren 1972 in Bremen, studierte Freie Kunst an der Muthesius-Hochschule Kiel und der Hochschule der Bildenden Künste in Berlin, wo er sein Studium mit dem Meisterschüler abschloss. Studienaufenthalte in Moskau und New York. Seit 2006 Lehrauftrag an der Bauhaus-Universität Weimar. Moritz Hasse lebt und arbeitet in Berlin

Esther Nauseds kleinformatige Arbeiten auf Papier sind Konstruktion und freier prozesshafter Entwurf zugleich. Was stimmig ist, wird in einem Prozess kontrollierter Variation entdeckt.
Auf flüchtigen Momenten der Erinnerung an alltägliche Eindrücke gründend bleiben Nauseds Arbeiten dennoch ungegenständlich. Geheimnisvolle Räume tun sich dem Betrachter auf, ohne dessen eindeutiger Verortung im Drinnen oder Draußen. Sichtblockaden und Durchblicke, feste Strukturen und fließende Oberflächen, Horizonte und Spiegelungen - und immer spielt das Licht eine entscheidende Rolle. Mal sind es dynamische Formationen, mal stille, sanfte Raumbilder.
Konzentration auf das Wesentliche, Prägnanz und äußerste Reduktion der Mittel bei größtmöglicher Dichte zeichnen die Kleinodien von Esther Naused aus. Sie belassen den Betrachter in einem Zwischenraum, einem Erfahrungs- und Interpretationsraum höchster Intensität.
Esther Naused, geboren 1960 in Hamburg, studierte Freie Kunst an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg. 1999 Weltmeisterin im Japanischen Bogenschießen. Esther Naused lebt und arbeitet in Hamburg.

Moritz Hasse und Esther Naused gemeinsam ist die hohe Darstellungskraft, die unter Einsatz sparsamster formaler und künstlerischer Mittel erreicht wird.
Bei dem einen entstehen Stadtlandschaften, die die vielen Details zugunsten der farblichen Abstraktion aufgeben, das Zeichensystem Stadt unmittelbarer erfassen lassen, als es eine detailgenaue Fotografie je täte. (Arne Rautenberg)
Die andere bleibt abstrakt, zeigt weder landschaftliche Außenräume noch architektonische Innenräume, sondern undefinierbare Grenzbereiche, in denen ein verschwörerisches Zwielicht herrscht. (Frauke Moreno)
Bodo Baumgarten
Malerei - Bo
28.02.2009
-
11.04.2009
„Filz, Farbe, Akt, Ecke“, 1997, Acryl auf Filz, H 230 cm

Malerei - Bo
Bodo Baumgarten

Bodo Baumgartens Arbeiten sind immer wieder überraschend. Sie sind abstrakte Bild-Gebilde, die aber stets auf Erscheinungsformen der Wirklichkeit rekurrieren.

Vielfach entstehen Baumgartens Arbeiten im Freien, direkt vor der Natur. Dort malt er oder zeichnet, schneidet das Papier, reißt es, klebt, übermalt erneut. In diesem Handlungsprozess verdichten sich die Realitätsfragmente zu einem neuen, eigenen Erfahrungszusammenhang, der im Atelier gegebenenfalls zu weiterer Autonomie führt.
Die Ausstellung zeigt eine Auswahl von Arbeiten der so entstandenen Serien „Stadtpark“ und „Klotzenmoor“ aus dem Jahr 2008. Es sind hier mehr die kleinen Gesten, eine Farbe, ein bestimmter Schwung, eine scharfe Kante, die dem Betrachter die Atmosphäre der Situation, die Kraft eines Ortes vermitteln.

Kraftvoll und dynamisch entfalten sich Baumgartens plastische Raumarbeiten aus Filz und pigmentiertem Silikon. Farbe und Raum – sich wechselseitig verstärkend - sind zentrale Aspekte seines Kunstschaffens. Die großformatigen Verspannungen im Raum, mit ihrer zumeist groben Oberflächenstruktur und kräftigen Farbigkeit sind von starker malerischer Expressivität.

Bodo Baumgarten (*1940 in Gotenhafen/Gdinia) studierte Freie Malerei an der Werkkunstschule Kiel und an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg bei den Professoren Domke, Brockmann, Grimm und Graubner. Von 1989-2006 war er Professor für Freie Malerei an der Hochschule der Bildenden Künste Saar in Saarbrücken. 1977 Teilnahme an der documenta 6 unter Manfred Schneckenburger. Baumgarten lebt und arbeitet in Hamburg, Köln, Paris, Scharbeutz und Athen.