Produzentengalerie Hamburg
Adresse: Admiralitätstraße 71 20459 Hamburg
Telefon: +49 - 40 - 37 82 32
Telefax: +49 - 40 - 36 33 04
Öffnungszeiten: Di–Fr 11–18 h, Sa 11–15 h
Michael Conrads
Neue Bilder
11.09.2015
-
07.11.2015
Neue Bilder

 

Michael Conrads

Neue Bilder

 

11.September–7. November 2015

EÖ: Donnerstag, 10. September 2015, 18–21 Uhr

Nach der Sommerpause eröffnet die Produzentengalerie Hamburg am 10. September eine Ausstellung mit neuen Arbeiten von Michael Conrads.

Das künstlerische Werk des Malers und Bildhauers Conrads (*1977) zeichnet sich durch formale Fragestellungen an die Malerei aus. Geometrische Formen wie Rauten, Dreiecke und Parallelogramme fügen sich zu komplexen, farbigen Kompositionen zusammen. In einem durchweg dynamischen Spannungsverhältnis lässt er Form und Inhalt, Umriss und Farbe zusammenspielen und konstruiert komplexe abstrakte Bildräume, die sich immer wieder überlagern.



Abbildung: Michael Conrads, neue Bilder (work in Progress), 2015

Courtesy of the artist and Produzentengalerie Hamburg

 

 

 

 

Monika Michalko
Tonka
12.06.2014
-
19.07.2014
Tonka
Jochen Weber & Alex Wissel
Mercedes Benz Vagabund
11.01.2014
-
18.01.2014
Mercedes Benz Vagabund

MERCEDES BENZ VAGABUND

Die Produzentengalerie Hamburg freut sich, im Rahmen der Stipendiatenausstellung von Neue Kunst in Hamburg e.V. die Arbeit „Mercedes Benz Vagabund“ von Jochen Weber und Alexander Wissel zu zeigen.

Während seiner Reise durch Israel traf der Künstler Jochen Weber (*1980) den ebenfalls aufgrund einer Künstlerresidenz temporär in Tel Aviv lebenden Künstler Alexander Wissel (*1980). In Zusammenarbeit entwickelten sie die Idee zu der Arbeit "Mercedes Benz Vagabund" (2013). 

Hierfür soll ein Mercedes Benz-Bus so ausgebaut werden, dass er anderen Künstlern wiederum in einer Art Residenz, jeweils für sechs Monate ein mobiles Zuhause geben kann. Ideen von Inszenierung im Allgemeinen und Selbstinszenierung der teilnehmenden Künstler sollen das Projekt durchdringen und das Mobil selbst soll sich in einem stetigen Veränderungsprozess befinden. Das umgebaute Gefährt soll am Ende also nicht nur die Leistung einer oder zweier Personen sein oder feste Regeln vorgeben, vielmehr soll es durch das offene Konzept Impulse an die jeweiligen Bewohner geben.
Beide Künstler verstehen das Projekt als eine andauernde Performance, die durch jeden Künstler fortgeführt und erweitert wird: Das Wohnmobil als soziale Plastik, die keinen Sockel braucht, sondern ihre eigene Bühne ist. Eine wichtige Rolle spielt dafür seine Benutzbarkeit außerhalb der Kunst. Noch mehr als bei klassischer Kunst- oder Filmrezeption soll sich die Arbeit durch die physischen Erfahrungen in das Leben der Bewohner einschreiben. In der Ausstellung ist als erster Schritt des Projekts das Modell zu sehen.



JOCHEN WEBER

1980
geboren / born in Hamburg, lebt und arbeitet / lives and works in Hamburg
2003 - 2008
Kunstakademie Düsseldorf, DE
2008
Meisterschüler von / Master with Prof. Rita McBride

AUSSTELLUNGEN (AUSWAHL) / EXHIBITIONS (SELECTED)

2013
Das am-Markt-Plazier-Werkzeug, TEMPORARY GALLERY, Cologne, DE
Von Wanderern, Wilderern & Dilettanten, Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Dusseldorf, DE

2012
Verlangsamte Performance (kuratiert von / curated by Wilhelm Schürmann), Van Horn, Dusseldorf, DE
forming, norming, performing, storming, Galerie Christian Nagel, Antwerp, BE

2011
The Sound of Downloading Makes Me Want to Upload, Sprengel Museum, Hannover, DE
Alibi der Form, Van Horn, Dusseldorf, DE (Einzelausstellung / solo) 
Residency, Nida Art Colony, Nida, LT 
KölnSkulptur 6 (kuratiert von / curated by Friedrich Meschede), Skulpturenpark Köln, Cologne, DE

2010
Curie Kabinett, Van Horn, Dusseldorf, DE
Make the Most of Now (kuratiert von / curated by Max Benkendorff), Kunsthalle Exnergasse, Vienna, A

2009
Wall Table Chair (kuratiert von / curated by Meta Kenworthy-Ball), Galerie Lange + Pult, Zurich, CH
The Chairs are on the Table, a Public Conversation, Les Bains du Centre, Brussels, BE (Einzelausstellung / solo) 

2008
Struktur und Dekoration, (kuratiert von / curated by Jamie Kenyon) SWG3, Glasgow, UK (Einzelausstellung / solo)
Project(or), Post Kantoor, Rotterdam, NL

2007
about:blank (kuratiert von / curated by Thomas Rieger & Daniel Marzona), Galerie Konrad Fischer, Dusseldorf, DE
Tools of Fervour, Artis, `s Hertogenbosch, NL (Einzelausstellung / solo)


ALEX WISSEL

1983 
geboren / born in Aschaffenburg

2004-2010 
Kunstakademie Düsseldorf
Ecole Nationale des Beaux Arts, Lyon, FR
2010 Master with Prof. Rosemarie Trockel

2006 
Stipendium des Deutsch-Französischen Jugendwerks
2007 
Reisestipendium des Kunstvereins Düsseldorf für die Klasse Gostner
2009 
Rundstedt Förderpreis für junge Kunst (mit Peter Lober), 2011 
Arbeitsstipendium der Kunststiftung NRW
2012 
Bronner Residency Tel Aviv 

AUSSTELLUNGEN, PERFORMANCES (AUSWAHL) / EXHIBITIONS, PERFORMANCES (SELECTED) 

2014
Pastiche (mit/with Tzachi Buchbut), Tel Aviv Artists Studios, Tel Aviv (forthcoming)

2013 
Desant in alb, Ajurat, Bukarest 
Meet & Greet, Temporary Gallery, Cologne
Lonely Planet, Shenkao, Tel Aviv

2012 
Singlemuseum Köln, Cologne
An den Rändern der Kunst, MAP, Dusseldorf 
Reality of the unbuilt, Raketenstation Hombroich 

2011 
la mire, Lyon
the postcard, Rosenberg Gallery, New York
Wiener Glut, KIT, Dusseldorf

2010 
Nothing is wrong when it feels good, mike-potter-projects, Cologne
Landschaften, Städtisches Kaufhaus, Leipzig
You can leave your hat on, Schmela Haus, Dusseldorf

2009
Lederlust, Pact Zollverein, Essen
Regarding, Düsseldorf 4, arteversum, Dusseldorf
International Contemporary Young Artists, Jarfo, Kyoto

2008
Lederlust, Julia Stoschek Collection, Dusseldorf
Lederlust, Concertgebouw, Brügge
Gallery Hasen Prize Show, Philara Collection, Dusseldorf

PROJEKTE / PROJECTS

2011/2012
Initiator des / of single club
2010
Initiator de / of Oktoberbar 
2007 - 2010
Manager der Musik-Performance-Gruppe / of the music performance group Lederlust (mit /with Moritz Fiedler)

Olaf Metzel
Kein Kommentar
02.11.2013
-
04.01.2014
Kein Kommentar

Seit 2010 arbeitet Olaf Metzel an Wandskulpturen aus beidseitig bedruckten Aluminiumplatten, die er manuell verformt, sodass sie im Resultat wie überdimensionierte Zeitungsknäuel aussehen. Als Druckvorlagen dienen Artikel aus Zeitungen, Magazinen und Büchern, die ein Themenspektrum von Kunst und Kultur, über Politik und Sport bis Popmusik abdecken. Häufig sind es medial viel diskutierte und gesellschaftlich relevante Themen, welche die Medienlandschaft eine Zeit lang beherrscht haben; beispielsweise die Unruhen und Proteste in der Türkei, die Tristesse der urbanen Wohnsituation Berliner Plattenbausiedlungen oder der Kunstfälscherskandal um Werner Spieß. Andere der Wandskulpturen fungieren als mediale Porträts berühmter Persönlichkeiten sowohl der Populär- und Unterhaltungsindustrie als auch des Kulturbetriebs: Amy Winehouse, Jimi Hendrix, der Rennfahrer Jochen Rindt, Susan Sontag, Gottfried Benn oder Rainer Werner Fassbinder wurden so schon porträtiert. 

Die aktuelle Ausstellung präsentiert fünf neue Wandskulpturen, die aus gegebenem Anlass Hamburger Themen aufgreifen. Um historische und aktuelle Stadtentwicklung kreisen beispielsweise die beiden Werke "Kein Kommentar" und "Hafenstraße". Während ersteres das Skandalprojekt der seit 2007 nach Plänen des Basler Architekturbüros Herzog & de Meuron in Bau befindlichen Elbphilharmonie in der Hafencity aufgreift, rekurriert letzteres auf die Proteste auf der Hafenstraße in den späten 80er Jahren: Auf der Reproduktion eines bebilderten Artikels aus dem Hamburger Abendblatt vom 13. November 1987 erkennt man die Straßenbarrikaden der militanten Hausbesetzer, die sich auf diese Weise gegen einen Beschluss des Hamburger Senats zur Wehr setzten, der darauf zielte, eine vertragliche Lösung des Konflikts zu finden. Metzels Interesse an den Vorgängen ist dabei nicht nur thematisch begründet, sondern auch ästhetisch: die wie Festungswälle aus Latten, Müllcontainern, Autos und Paletten quer über die Straße verlaufenden Materialanhäufungen zeigen einerseits ein Bild der Verwüstung und des Vandalismus, des zeitgenössischen Protests und zivilen Ungehorsams, andererseits ein kunsthistorisch geprägtes, beispielsweise durch Delacroix’ berühmtes Gemälde, auf dem die personifizierte Freiheit über einen Wall aus leblosen Leibern und Holzplanken schreitet. Und spätestens mit den Materialassemblagen- und akkumulationen der 60er Jahre steht diese Ästhetik auch für einen erweiterten Skulpturbegriff. Eben jene bildhauerische Qualität der Barrikaden auf der Hafenstraße veranlasste Metzel bereits zeitnah zu seiner informellen Arbeit "Wurfeisen und Zwille (Entwurf Hafenstraße)", eine Anhäufung der maßstabvergrößerten und abstrahierten Waffen aus Gusseisen, Stahl und Gummi. Sie war Bestandteil seiner ersten Ausstellung in der Produzentengalerie 1990 und befindet sich heute in der Sammlung der Hamburger Kunsthalle. (...)

Die Ausstellung "Kein Kommentar" zeugt einerseits von Metzels persönlicher Bindung zur Hansestadt, andererseits von seiner seit den 80er Jahren andauernden Auseinandersetzung mit dem eigenen Medium und dessen Grenzen bzw. Erweiterungsmöglichkeiten. Bildhauerische Gesten, die – wie auch die Themen - aus dem Alltag entlehnt sind, können, wenn letzterer gerade kein politischer ist, auch das Ausdrücken der Zahnpasta-Tube oder das Zerknüllen der Zeitung sein. Manche stapeln diese sorgfältig, bevor sie ins Altpapier wandert, andere zerknüllen sie und werfen sie ins Eck. Metzel wiederum bleibt am Anblick des Papierknäuels hängen, hebt ihn wieder auf und pinnt ihn zu Studienzwecken an die Wand über dem Arbeitstisch. 

Sabine Weingartner (Ausschnitt aus dem Pressetext zur Ausstellung)

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Since 2010, Olaf Metzel has worked on wall-based sculptures made from double-sided, printed aluminium sheets, which he manually distorts so that they appear as oversized balls of discarded newspaper. Articles from papers, magazines and books, across the spectrum of themes, from art and culture, through politics and sport, to popular music, are used as the source material for the sheets. Often, the themes are those heavily discussed in the media and relevant to society, those that have dominated the media landscape for a time. Examples might be the civil unrest and protests in Turkey, the tristesse of the urban housing situation in the Berlin prefab estates, or the art forgery scandal centering around Werner Spieß. Other wall- based sculptures function as media portraits of famous personalities both from the pop and entertainment industries, as well as the cultural scene: Amy Winehouse, Jimi Hendrix, the racing driver Jochen Rindt, Susan Sontag, Gottfried Benn and Rainer Werner Fassbinder have all been the subjects of such portraits.

The current exhibition presents five new wall-based sculptures in which Metzel took the opportunity of dealing with Hamburg related themes. The two works Kein Kommentar and Hafenstraße revolve, for example, around historical and current themes of the city's development. The first focuses on the 'Skandalprojekt' of the Elbphilharmonie building in the port city, under construction since 2007 following plans drawn up by the Basel based architecture firm of Herzog & de Meuron. The latter refers to the protests on Hafenstraße in the late 1980s: The street barricades of the militant squatters can be seen in the reproduction of an illustrated article from the Hamburger Abendblatt newspaper of 13th November 1987. The squatters used these means to fight against a decision of the Hamburg Senat, aimed at finding a contractual solution to the conflict. Metzel's interest in the process is not purely thematic, but also one of aesthetics: Like ramparts the mass of material, comprising lengths of wood, garbage bins, cars, and pallets, lies across the street. The images show, from one perspective, a picture of the desolation and vandalism of contemporary protest and civil disobedience. From another, they are loaded with art historical significance, for example, through Delacroixʼ famous painting, in which the personified Freedom strides over ramparts of lifeless bodies and beams of wood. And lastly, following the material assemblages and accumulations of the 1960s, this aesthetic can also be read as an extended concept of sculpture. This sculptural quality of the barricades on Hafenstraße has long-held significance for Metzel. It led him, as far back as 1990, to make his 'informel' work Wurfeisen und Zwille (Entwurf Hafenstraße), an aggregation of the scaled-up and abstracted weapons constructed from cast iron, steel, and rubber. It formed part of his first exhibition at Produzentengalerie Hamburg in the same year, and is now part of the collection of Hamburger Kunsthalle.

The exhibition Kein Kommentar speaks, on the one hand, of Metzel's personal attachment to the Hanseatic city. On the other, it tells of what has been, since the 1980s, his ongoing engagement with his medium and its limits, and with the possibilities for taking these further. Sculptural gestures, which, as with the themes, are borrowed from the everyday, can be, particularly if the everyday is not political, the squeezing of a tube of toothpaste or the scrunching up of a newspaper. Some people stack yesterday's papers with care before taking them for recycling. Others screw them up and toss them in the corner. Metzel, however, is struck by the sight of the ball of paper. He picks it up and pins it, for study purposes, on the wall above the desk.
(translation by Duncan Swann)

 

Michael Conrads
Loreto
06.09.2013
-
19.10.2013
Loreto

"Day after day, alone on a hill..."

Der mögliche Ausbruch hatte sich bereits seit einiger Zeit angekündigt, so in Arbeiten wie "La Gran Ciudad" (2007) oder "Tropic of Cancer" (2012). Nicht nur motivisch, sondern auch malerisch ist die sich gegenseitig bedingende Balance eines eigenen konzeptuellen Regelwerks versus eines dynamisch-schöpferischen Prozesses des Durcharbeitens und Ausbrechens nahezu ein Stilmerkmal des Künstlers geworden. 

Michael Conrads nimmt uns erneut mit auf die Reise, diesmal auf eine „Grand Tour“ zu antiken, universellen und phantastischen Stätten. Er führt uns durch unerschließbare Labyrinthe, undurchdringlich erscheinende Mikrokosmen und eröffnet uns mit seinem jüngsten großformatigen Gemälde "Another fool on the hill" ein unmittelbar in den Bann ziehendes Panorama, das uns staunen und schauen lässt, ebenso wie wir in der Natur staunen und betrachten. 

Es ist ein ungewöhnlicher Standpunkt, den uns der Maler erlaubt, da er uns sowohl eine Panoramasicht, als auch Vogel- und Froschperspektiven bietet. Waren es zuvor die urbanen und städtischen Strukturen, die subjektiven Erfahrungen großstädtischer Szenarien, die in die abstrakten Bilder hineingesogen schienen, fließen in dieser neuen Arbeit nun Nahansichten und Detailstudien ein; ein fast romantisches Prinzip. Wir erinnern: Conrads verliert gerne die Orientierung, bricht ein homogenes Ganzes auf, verwirrt mit dichtem Über- und Untereinander, recycelt seine Bilder, zerschneidet sie, führt den malerischen Prozess ständiger Veränderung vor, thematisiert Konstruktion und Dekonstruktion, Ausarbeitung und lässige Farbverschlierung. 

So wie in seinen bisherigen abstrakten Gemälden verfolgt Conrads auch in diesem Werk komplexe malerische Frage- und Problemstellungen: Motivkonstruktion, isometrischer Flächenaufbau, inhärente Rasterstrukturen, Farbaufbau, Experimente mit Malmitteln, Vielgestaltigkeit der Bildformen, Rhythmik, Begrenzung und Entgrenzung des Bildformates durch All-over-Strukturen. Auch "Another fool on the hill" bleibt in gewisser Weise Patchwork-Painting, aber nicht nur methodisch, sondern auch auf semantischer Ebene. Doch es kommt etwas gänzlich Neues hinzu. Das ist nicht nur die entschiedene Hinwendung bzw. Rückkehr zum Gegenständlichen, sondern vor allem der komplexe Einbezug von neuen Referenz- und Zeichensystemen, die sich nicht mehr allein auf die westliche moderne und postmoderne Avantgardekunst konzentrieren. Das markiert auch der von Conrads gewählte Titel. Denn bereits Daniel Richter bezog sich 1999 auf den Beatles-Song mit seinem fast gleichnamigen Gemälde, das seinerzeit den explosiven Sprung zur narrativen gegenständlichen Malerei markierte (...).

(Sabine Maria Schmidt, Auszug aus dem Katalogtext zur Ausstellung)

Jonas Burgert
Sticht
08.06.2013
-
27.07.2013
Sticht

In der dritten Einzelausstellung des Künstlers in ihren Räumen zeigt die Produzentengalerie Hamburg ab dem 8. Juni in der Ausstellung „sticht“ neue Arbeiten des Berliner Malers Jonas Burgert.

Auf dem Titel gebenden Bild sitzt breitbeinig ein zerlumpter Mann auf einem riesigen Treppenabsatz oder Mauervorsprung und hält mit beiden Händen ein vogelähnliches Wesen über seinem Kopf. Das angespannte Festhalten bei gleichzeitig entspannter Körperhaltung lässt eine Atmosphäre von konzentrierter Ruhe und Ernsthaftigkeit entstehen, wie sie auch auf anderen Werken Burgerts zu finden ist.

Burgerts Ölgemälde tragen klangvolle Namen. Als Betrachter ist man versucht, sie in einen erzählerischen Zusammenhang mit dem Dargestellten zu bringen, um der Bedeutung der Bilder auf die Spur zu kommen. Es geht Burgert jedoch nicht um Erzählungen im eigentlichen Sinn, sondern darum, auf den Bildern die Intensität des Augenblicks zu erfassen, ein bestimmtes „Klima“ zu schaffen.

Sein Hauptinteresse gilt der Problematik der menschlichen Selbstbestimmung und Selbstreflexion. Er schafft symbolhafte Bilder, die geistige Grenzbereiche und existenzielle Momente im menschlichen Leben auf emotional-abstrakter Ebene erfahrbar machen. Selbst wenn seine Darsteller aus dem Bild hinaus blicken, scheinen sie noch ganz bei sich zu sein. Kommunikation und Interaktion zwischen den Akteuren findet nicht statt. Jeder ist auf sich konzentriert. Ein Zustand der inneren Stille und Kontemplation scheint über die meisten von ihnen gefallen zu sein.

Burgert nutzt diverse Mittel der Malerei, um das Klima in seinem imaginierten Kosmos herzustellen. Häufig liegen Fetzen und Bruchstücke in den Bildräumen herum, es fließen ausgelaufene grelle Farben und Substanzen kontrastreich auf meist in Erdtönen gehaltenen Untergründen. Die Szenerien irritieren durch veränderte, ungewohnte Größenverhältnisse zwischen Räumen und Akteuren und durch surreale Zusammenstellungen von Gegenständen und Personen. Immer wieder sind sie mit rätselhaften und symbolhaft magischen Accessoires versehen.

Jonas Burgert visualisiert Raum und Zeit transzendierende Visionen übergeordneter Zustände und Situationen, die den Betrachter durch ihre überbordende Phantasie, ihre optische Opulenz und ihre malerische Überzeugungskraft in ihren Bann ziehen.

Text: Stefanie Brüggemann-Kaul



LETZTE AUSSTELLUNGEN (AUSWAHL) / PAST EXHIBITIONS (SELECTION)

2013
Schutt und Futter, Kestnergesellschaft, Hannover, D (solo)

2012
Gift gegen Zeit, BlainSouthern, Berlin, D (solo)
Metamorphosis: The Transformation of Being, All Visual Arts, London, UK

2011
Jonas Burgert: Lebendversuch, Kunsthalle Krems, A (solo)
Zwei Sammler, Deichtorhallen Hamburg, D
Schach, Museum Mühlheim an der Ruhr, D

2010
Jonas Burgert: Lebendversuch, Kunsthalle Tübingen, D (solo)
Produzentengalerie Hamburg, D (solo)
DAYDREAMING with James Lavelle, GB


WERKE IN ÖFFENTLICHEN UND PRIVATEN SAMMLUNGEN (AUSWAHL) / WORKS IN PUBLIC AND PRIVATE COLLECTIONS (SELECTED)

Denver Art Museum, Denver, USA
Kunsthalle Hamburg, Hamburg, D
Sammlung Olbricht, Essen, D
Kent Logan Collection, Denver, USA
Burger Collection, Hong Kong, CN
Sammlung Valenta, Wien, AT

Tjorg Douglas Beer 13.04. - 1.06.2013
Scheinheiligen / Speciousnesses
13.04.2013
-
01.06.2013
Scheinheiligen / Speciousnesses
Tjorg Douglas Beer, Matthias Bitzer, Erro, Gregor Hildebrandt u.a.
Abendland
15.03.2013
-
06.04.2013
Abendland
Michael Biber, Christoph Blawert, Michael Conrads, Hedwig Eberle, Ioan Grosu, Monika Michalko
MMMHCI
25.01.2013
-
02.03.2013

Diese Gruppenausstellung von sechs jungen Künstlern ist ein Gemeinschaftsprojekt der Produzentengalerie Hamburg mit der Galerie Matthias Jahn aus München. Es werden drei junge Münchner Positionen gezeigt im Zusammenspiel mit drei Positionen aus Hamburg.

Die Ausstellung ist die Fortsetzung der Ausstellung MMMHCI, die vom 13.04. bis 1.05.2012 in München zu sehen war (mehr Infos unter: www.matthiasjahn.net/mmmhci.html).

 

Achim Bertenburg
wissen glauben
10.11.2012
-
12.01.2013
wissen glauben

Achim Bertenburgs Auseinandersetzung mit der Überlieferung und Kunstgeschichte vollzieht sich in meisterhafter Weise direkt auf der Leinwand. Ihn interessieren Strukturen, Raster als Impulse und Ankerpunkte der Komposition, zwischen denen er ein dynamisches, vielbödiges Wechselspiel inszeniert.

Gestische Momente, feine Binnenstaffelung, ornamentale Referenzen, Nachklang von Landschaft und Energie von Wachstum – Bertenburg siedelt seine Malerei, häufig mit Unschärfen und Wischungen, in Übergangsstadien an, zwischen Körperlichkeit und Immaterialität, zwischen Verweisen auf das Angebot der Malereigeschichte und dessen fortwährender Überlagerung und Fortschreibung.

(Ausschnitt aus dem Text "Malerei im Übergang" von Rainer Beßling, 25.10.2012 in der Kreiszeitung Bremen)

Volker Hueller
Arsen
07.09.2012
-
20.10.2012
Arsen

Ahnenforschung

Über das Fremde als Nebenwirkung des Eigenen in den Bildern von Volker Hueller

Die erste Begegnung mit einem Bild von Volker Hueller hat etwas von einem Déjà-vu-Erlebnis. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass das Neue, das man sieht, ein Echo in der Erinnerung auslöst. Etwas Vertrautes mischt sich ins Fremde. Ist es die Rhythmisierung der Fläche durch streng begrenzte, subtil farblich voneinander abgesetzte Felder? Ist es die Verschränkung von Abstraktion und figurativen Verweisen oder die unterschiedliche Materialität der Oberflächen? Das Bild evoziert andere Bilder.

Volker Hueller hat schon früh begonnen, Fremdmaterialien in seine Malerei zu integrieren. Die Eingriffe in die Oberfläche können – wie bei den Arbeiten mit Folien, PVC, Fell- oder Reptilienhautimitaten – in Übereinstimmung mit der Flächenform erfolgen oder, wie bei den neueren Bildern, in denen Stroh, Kronkorken oder Atelierreste Verwendung finden, die konkreten Formen hintertreiben. Hueller verwendet das „fremde Material“ nicht als Wirklichkeitszitat, sondern bindet es durch Übermalung ins Bildganze ein.

Bezeichnend für die individuellen Bildfindungen Huellers und zugleich für die beim Betrachter geweckten Assoziationen ist nicht die Bezugnahme auf Motive oder charakteristische Stilmerkmale, sondern die Suche nach Lösungswegen für die ihn beschäftigenden Bildprobleme: das Spannungsverhältnis zwischen Abstraktion und Figuration sowie die Oberflächenbehandlung des Bildes. Es sind Grundfragen der Malerei seit Beginn des 20. Jahrhunderts, mit denen sich der Künstler erneut auseinandersetzt und für die er als Künstler des 21. Jahrhunderts neue Antworten findet.

Text: Margrit Brehm

Hedwig Eberle, Klaus Kumrow, Rupprecht Matthies, Olaf Metzel, Nobert Prangenberg u.a.
Auf Papier
30.06.2011
-
28.07.2012
Auf Papier
Christoph Blawert
An irgendeiner Strassenecke klöppeln leise ein Paar Schuhe durch die milde Nacht
12.05.2012
-
16.06.2012
An irgendeiner Strassenecke klöppeln leise ein Paar Schuhe durch die milde Nacht

Auszug aus "Der Tourist" von Christoph Blawert, 2011

Gerade schwankt der Maler, Filmemacher und Autor Christof Ballert aus dem rustikalen Inneren des Gasthauses "Zum Wilden Mann" und steuert über die leere Terrasse, einen der Tische an. Der Plastikstuhl droht unter seinem Gewicht zu zerbrechen, als er sich darauf setzt. Feine Tropfen säuseln auf die Markise über ihm. Die Hauptstraße des kleinen Bergstädtchens breitet sich gähnend vor ihm aus....

Bernhard Brungs
Thoughts and Decoration
24.03.2012
-
05.05.2012
Thoughts and Decoration

Es ist die Lebenswelt Virginia Woolfs und ihres privaten wie geistigen Umfeldes, der sich Bernhard Brungs (*1974 in Bielefeld) in seiner zweiten Einzelausstellung in der Produzentengalerie Hamburg widmet. Die berühmte englische Schriftstellerin war Mitglied der „Bloomsbury Group“, eines Zirkels von Literaten, bildenden Künstlern und Wissenschaftlern, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts einen wesentlichen Beitrag zur Moderne im Inselreich lieferten.

Einzeln oder in Gruppen bevölkern die Protagonisten der „Bloomsbury Group“ die neuen Bilder, die nach eingehenden Recherchen Bernhard Brungs seit 2010 in einer aufwändigen Maltechnik in Öl auf Kreidegrund entstanden sind. Die unterschiedlichen Szenen sind von einer eigentümlichen Spannung getragen, die charakteristisch für die Bilder des Künstlers ist. Beiläufigkeit mischt sich mit einer kaum zu bestimmenden Schwere, die mit der Maltechnik korrespondiert, die mit ihren feinen Nuancierungen der Farben und Pinselstriche fast einer Zeichnung ähnelt. Vexierbildartig bewegt sich auch das Augenscheinliche der Bilder zwischen der äußeren, physischen Gestalt der Dinge und einer inneren, seelischen Form.
Bernhard Brungs liefert keine Illustrationen zum Leben Virginia Woolfs, ihrem Mann Leonard, ihrer Schwester Vanessa Bell, dem Ökonomen John Maynard Keynes oder den anderen Mitgliedern der Gruppe. Vielmehr handelt es sich um mögliche Momente des Daseins oder des kreativ-intellektuellen Miteinanders. Zum Teil handelt es sich um Begegnungen, die nur im Geiste stattfanden - wie die zwischen Keynes und Silvio Gesell, einem Mitglied der Obstbaugenossenschaft Eden, der sich mit der Idee einer stabilen Währung beschäftigt hatte. Diesen geistigen Verbindungen entsprechen auch komplexe erotische, teils symbiontische Konstellationen, wie derjenigen Vanessa Bells mit dem homosexuellen Maler Duncan Grant, eine Beziehung, aus der auch ein Kind hervorging. Grant wiederum war der Cousin des eloquenten Schriftstellers Lytton Strachey, der mit der Malerin Dora Carrinton und deren Mann Ralph Partridge in einer Dreiecksbeziehung lebte.
Ein Sonderthema innerhalb der „Bloomsbury Group“ bildet das Unternehmen „Omega Workshops Ltd.“, eine Firma, die 1913 von dem Kunstkritiker und Maler Roger Fry mit Unterstützung Duncan Grants und Vanessa Bells gegründet wurde. In kunstgewerblichen Entwürfen suchten die hier tätigen Gestalter nach einer Überwindung der Grenze zwischen angewandter und freier Kunst. Bernhard Brungs greift die Werkstattsituation nicht nur bildmäßig auf, sondern auch durch eine Rauminstallation mit Stellwänden, auf denen Musterentwürfe des Omega Workshops zitiert werden.
In die dritte Dimension dehnen sich auch die Skulpturen aus, die der Künstler im Zuge seiner Auseinandersetzung mit der Person Virginia Woolfs aus Keramik und Wachs geformt hat. Genauso wie eine umfangreiche Folge von Aquarellen sind diese Werke Studien der Mimik der Literatin, die ein ganzes Spektrum innerer Befindlichkeiten visuell subtil zum Sprechen bringen.
Stilistisch und thematisch bewusst auf eine vergangene Epoche zurückgreifend ist der Standpunkt, von dem aus Bernhard Brungs den Blick auf diesen inzwischen historisch gewordenen Kreis zurückblickt, ein gegenwärtiger – zeitgenössisch, vielleicht gerade durch die Wendung in einen heroischen Zeitabschnitt der Moderne. Es handelt sich um keine Rekonstruktion von dem, was genau so einmal war, sondern um eine einfühlende Konstruktion dessen, was aus heutiger Sicht auf die Personen und ihre Handlungen denkbar oder in der Fantasie vorstellbar wäre. Schließlich zeigt sich die Annäherung selbst unübersehbar von Sympathie getragen.

Thomas W. Kuhn, Harlem 2012

Michael Conrads, Bogomir Ecker, Beate Gütschow, Hubert Kiecol, Astrid Klein, Malte Urbschat u.a.
Wechsel ist nicht Austausch. 1982 / 2012
21.01.2012
-
17.03.2012
Wechsel ist nicht Austausch. 1982 / 2012

„Wechsel ist nicht Austausch“ (F. E. Walther)

1982

Im Jahr 1982 stand die Kampnagel-Fabrik in Hamburg vor dem Abriss. Die legendäre Ausstellung "Halle 6" hat dieses verhindert. Die Ausstellung wurde unterstützt durch Klaus von Dohnanyi, Björn Engholm, Joseph Beuys, Rudi Fuchs (dem damaligen Chef der Documenta 7) und vielen anderen.

Konzipiert und organisiert wurde "Halle 6" von der Produzentengalerie Hamburg. Der Katalog zur Ausstellung stand unter dem Motto "Wechsel...".

Zwei Künstlergenerationen wurden in der großen Halle der Kampnagel-Fabrik gegenübergestellt.

Die ältere Generation: Carl Andre, Giovanni Anselmo, Sol LeWitt, Richard Long, Mario Merz, Bruce Naumann, Ulrich Rückriem, Reiner Ruthenbeck, Franz Erhard Walther u.a.

Die jüngere Generation: Michael Bauch, Felix Droese, Bogomir Ecker, Hubert Kiecol, Astrid Klein, Klaus Kumrow, Thomas Schütte, Elisabeth Wagner, Carl Emanuel Wolff u.a.

Die beiden ältesten Künstler dieser Ausstellung waren Sol Le Witt (damals 53 Jahre alt) und Mario Merz (damals 58 Jahre alt), die beiden jüngsten Künstler Klaus Kumrow (damals 23 Jahre alt) und Thomas Schütte (damals 27 Jahre alt).

2012

Hier in der Galerieausstellung werden Künstler aus der damaligen Ausstellung "Halle 6" nun wiederum einer jüngeren Generation aus der deutschen Kunstszene gegenübergestellt: Michael Conrads, Beate Gütschow, Malte Urbschat.

Wir wissen: Wechsel ist nicht Austausch.

Die Kampnagel-Fabrik ist heute Ort internationaler Kultur.

 

Ulla von Brandenburg
Das Versteck des W.L.
26.11.2011
-
14.01.2012
Das Versteck des W.L.

Die Künstlerin Ulla von Brandenburg arbeitet in unterschiedlichen Medien - Zeichnungen, Scherenschnitte, Aquarelle, Wandmalereien, Stoffarbeiten, sowie Performances und Filme. Ihre Werke beziehen sich häufig auf ältere Darstellungskonventionen, in denen Expressivität und Theatralität Ausdruck fanden: Tarotkarten, frühe Fotografien, aber auch so genannte Tableaux Vivants und Jahrmarktsensationen.

 

In der Ausstellung „Das Versteck des W.L.“ zeigt sie verschiedene Installationen, Papier- und Stoffschnitte, sowie als zentrale Arbeit den schwarz-weiß Film „Mamuthones“, der in Sardinien original inszeniert wurde. Zugrunde liegt eine volkstümliche Prozession mit historischen, dionysischen Verkleidungen zur Zeit des Karnevals.

Christoph Blawert, Bernhard Brungs, Matthias Dornfeld, Almut Heise, u.a.
Viele Köpfe
29.10.2011
-
19.11.2011
Viele Köpfe

"Viele Köpfe" zeigt als Gruppenausstellung eine Spannbreite von divergierenden Positionen der figurativen neuen Malerei.

 

Von Almut Heise, die die klassische Form der Portraitmalerei in zeitgenössische realistische Milieus umsetzt, bis zu Jonas Burgerts Bild- und Formensprache, die determiniert ist von Inszenierung, Dramatik und Elementen aus einem surrealen "Manierismus".

 

Ergänzende Positionen in diesem Dialog sind unter anderem Matthias Dornfeld mit abstrahierten und reduzierten stark farbigen Köpfen, Volker Hueller (Skulptur) und Bernhard Brungs mit sensibel nachempfundenen Neuinterpretationen von Begebenheiten mit Virginia Woolf.

Hoda Tawakol
Membrane
03.09.2011
-
22.10.2011
Membrane

Eine Membrane ist eine dünne Haut, die Schutz gewährt, Halt bietet und große Spannungen aushält. Sie kann amorphe Formen umschließen oder auch verschiedene Schichten, Räume und Zustände voneinander trennen. Sie ist dehnbar und fest zugleich und gibt durch ihr enges Anliegen viel vom Inhalt preis, den sie bedeckt.

Diese ambivalenten Eigenschaften sind Bestandteile des Kosmos, in dem sich die ägyptische Künstlerin Hoda Tawakol bewegt. Sie verwendet in ihren Arbeiten bevorzugt elastischen Elastan, der für Bikinis und Leggins verwendet wird, und Strumpfhosen aus Nylon. Beides sind Stoffe, die verbergen und doch durch ihr Anschmiegen an den Körper ihrer Trägerinnen mehr enthüllen als verschleiern.

In der Serie der "Fragments" ist der Bikinistoff unzählige Male eingeritzt und bildet ornamentale, zellenartige Muster. Die Löcher im Stoff geben den Blick frei auf eine oder mehrere darunter liegende Stoffschichten. Die "Fragments" sind angeregt von den Mashrabiyas, häufig filigran verzierten Holzgittern vor den Fenstern alter Paläste in der arabischen Welt. Sie gewähren die Sicht von innen nach außen, aber dem außen Stehenden ist der Blick in das zumeist von Frauen dominierte Innere verwehrt. Tawakol spielt mit diesen Sichtweisen ebenso wie mit der Spannung zwischen der Brutalität, die sie anwendet, indem sie die glänzenden Membranen mit einem Cutter zerschneidet, und der durch die Schnitte entstehenden Schönheit der ornamentalen Muster. Außerdem verstärken eingestickte Linien und herunter hängende Fäden den Eindruck des Organischen, indem sie wie Adern um die Lochmuster herumgeführt sind.

Auch in "Warrior # 2" geht es um das Verhältnis von Verbergen und Offenbaren. Die Skulptur ist eine durchbrochene, lebensgroße Hülle aus langem, schwarzem Kunsthaar. Sie wirkt zunächst unangenehm durch die vermeintliche Ganzkörperverschleierung, gleichzeitig aber zart und filigran durch die geflochtenen Zöpfe, die der Kriegerfigur eine weibliche Komponente hinzufügen. In "Warrior #2" nimmt Tawakol Bezug auf den Hijab, den in einigen arabischen Regionen gebräuchlichen Schleier für Frauen, der den ganzen Körper bedeckt. Vor allem die langen Haare müssen versteckt werden, da sie im islamischen Raum als Zeichen der Weiblichkeit und der Verführung gelten. Tawakol kehrt das Prinzip der Verschleierung um, indem sie das, was eigentlich verborgen werden soll, als Mantel nach außen kehrt. Hier bilden die kunstvoll miteinander verbundenen Haare die Hülle der Figur, die sich selbst darunter verflüchtigt hat.

Mit einer anderen arabischen Tradition setzt sich Tawakol in der "Tanura"-Serie auseinander. Hier sind bunte Streifen aus Strumpfhosenstoffen so zusammengenäht, dass sie kreisförmig aus der Mitte wegzustreben scheinen. Die Formen erinnern an Tanura-Röcke, die in Ägypten bei kultischen Tänzen benutzt werden. Durch die wilde Drehung des Tänzers werden die Röcke immer weiter in die Höhe gewirbelt, bis sie schließlich über dem Kopf zu schweben scheinen. Für Frauen gibt es die entsprechende Zar-Zeremonie, bei der sich die Frauen in Trance tanzen, um sich einer inneren Reinigung zu unterziehen und böse Geister auszutreiben. Der bei Tawakol isolierte Rock kann hier als Symbol für das Freilegen verborgener Schichten und Zustände der weiblichen Seele gelesen werden.

Auch "Hole # 3" ist eine Auseinandersetzung mit Gegensätzen, die das Frausein in sich bergen kann. Erdfarbene Strumpfhosenstücke breiten sich netzartig wie ein großer Fleck nach außen aus oder fallen in sich zusammen. Eine Assoziation an das Hymen, an die Leben spendende Kraft der Frau liegt nahe, gleichzeitig an ihre Fähigkeit, sogartig und destruktiv alles mit sich zu reißen und zu verschlingen wie ein schwarzes Loch.

Mehrere Objekte aus Luftballons und Strumpfhosen, die durch Kunstharz fixiert leichte, aufstrebende Formen bilden, tragen die Namen "Fifi", "Soheir", "Nagua", "Samia", und "Tahia". Es sind Vornamen berühmter ägyptischer Bauchtänzerinnen. Die Reihung der Luftballons lassen an eine Folge rhythmischer, impulsiver Bewegungen denken, wie sie beim Bauchtanz vollzogen werden. Die erotische Ausstrahlung des Tanzes findet ihr Gegenbild in den organischen Schwellungen der Ballonobjekte.

Hoda Tawakol setzt sich in den hier gezeigten Werken mit Formen von Weiblichkeit in verschiedenen Traditionen des Nahen Ostens auseinander, ohne jedoch mit feministisch erhobenem Zeigefinger aufzuwarten. Sie spielt mit der Beschaffenheit und Konnotation bestimmter Materialien und regt mittels dieser zur Reflexion über die Bedeutung alter Bräuche an.

Eine weitere Ausstellung von Hoda Tawakol ist zeitgleich in der Galerie Sfeir-Semler zu sehen.

Text Dr. Stefanie Brüggemann-Kaul

Christoph Faulhaber
Neue Kunst in Hamburg
24.06.2011
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23.07.2011
Neue Kunst in Hamburg

Die Projekte von Christoph Faulhaber haben ihn mehrfach in politisch brisante Situationen geführt. Nachdem er amerikanische Botschaften in Deutschland von öffentlich zugänglichen Straßen über einen längeren Zeitraum fotografiert hatte, wurde er kurz nach seiner Ankunft in New York von FBI-Offizieren verhört. Sein Reiseziel für das Stipendium von Neue Kunst in Hamburg e.V. war ebenfalls an geopolitische Fragestellungen gekoppelt. Der Inselstaat Palau hat sechs abtrünnige chinesische Staatsbürger aufgenommen, die ursprünglich von US-Streitkräften in Afghanistan festgenommen und in Guantanamo Bay inhaftiert worden waren. Palau war der einzige Staat, der bereit war, die sechs Uiguren aufzunehmen, die eigentlich in Deutschland Zuflucht finden wollten. Christoph Faulhaber drehte einen Film über die geopolitischen Verwicklungen, der schon im Frühjahr 2011 auf diversen Festivals und im Fernsehen gezeigt wurde. Sein zweites Reiseziel war die chinesische Malerstadt Dafen, wo Hunderte von Kopisten Ölgemälde nach fotografischen Vorlagen auf Bestellung produzieren. Hier ließ der Künstler sechs Porträts der Uiguren herstellen. Faulhaber studierte bis 2002 an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg. (Text Johan Holten)