LEVY
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Mel Ramos
Zeichnungen
30.08.2010
-
15.10.2010
LEVY Hamburg freut sich vom 31.August – 15.Oktober 2010 die Ausstellung Mel Ramos – Zeichnungen / Drawings zu zeigen.
Neben Künstlern wie Tom Wesselmann, Andy Warhol und Allen Jones gehört Mel Ramos zu den Künstlern, die sich am intensivsten in ihrem Werk mit den Themen Erotik, Sex, Fetischismus und Obsession beschäftigen.

Frauen, Frauen, Frauen oder Sex, Vergnügen und Unterhaltung, diese grelle, aufreizende und verführerische, teilweise auch vulgäre, Bildsprache artikuliert sich dem Betrachter aus Ramos Bildern. Mit dieser libidinösen Aussage, dass Kunstpuristen nicht nur die Schamesröte ins Gesicht treibt, sondern auch bei den selbsternannten Sittenwächtern der Kunst, das Schicklichkeitsempfinden hoher Kunst zu verletzen scheint. In vulgär-vitaler Positionierung drapiert Mel Ramos seine Pin-up-Girls auf gemalte Warenartikel. Mit diesen sogenannten »Commercial Pin-ups«, wurde Ramos Ende der 60er Jahre berühmt.
Auf den ersten Blick können seine Arbeiten für eine typische Produktwerbung gehalten werden. Die scheinbar sinnwidrige Kombination eines sonnenverwöhnten californischen Pin-up-Girls mit einer gigantischen Zündkerze vor rot gefaßtem Firmenemblem (A.C. Annie) hat jedoch etwas befremdend Surreales. Trotz der Klarheit des Bildaufbaus und dem ausgewogenem Formenspiel arbeitet Ramos, wie viele seiner Pop Art-Malerkollegen, mit doppeltem Boden, denn seine Werke sind Ausformulierungen einer erotischen Phantasie, die ein grundlegendes Werberaster für Marketingstrategien darstellt. Mehr noch, indem er die triviale Glamourgestik emblematisch zu einem Faszinosum der Personendarstellung erhebt, parodiert Ramos die hohle Kommerzialisierung der Triebbefriedigung. Sexualität und Gebrauchs- bzw. Genussartikel verschiedenster Art identifizieren sich in der gemeinsamen Werbesteigerung. Damit hat sich Mel Ramos mit zu einem der streitbarsten Künstler der Gegenwart entwickelt.

Die Ausstellung bei LEVY Hamburg konzentriert sich zum ersten Mal nur auf das zeichnerische Werk von Mel Ramos. Alle Phasen von den 1960ern bis heute werden anhand von Entwurfsskizzen und Zeichnungen des Künstlers veranschaulicht und demonstrieren seinen unnachahmlichen Stil, in dem er sich mit den Mythen des Alltags und den synthetischen Träumen der Medien- und Werbewelt auseinandersetzt.

Im Kerber Verlag erscheint ein Katalog mit einem Textbeitrag
von Professor Dr. Klaus Schröder (Direktor Albertina, Wien) und eine Collector’s Edition zum Preis von € 99,00, die in einer Auflage von 750 Exemplaren mit einer nummerierten und handsignierten Offset-Lithographie (16 x 23 cm)erscheint.
Thorsten Passfeld
Du konntest es nicht sein Liebling
11.05.2010
-
09.07.2010
Holz ist das Material, aus dem Thorsten Passfeld (*1975 in Dinslaken) seine Wandobjekte, Skulpturen, Installationen und sogar ganze Häuser baut. Passfeld studierte zunächst Malerei an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg. Aber es drängte ihn über das Bildnerische immer wieder hinaus und zu einem Material hin, das er mit seinen eigenen Händen direkt bearbeiten und aus dem er auch autonom größere Strukturen entwickeln konnte.

In seiner ersten Einzelausstellung bei LEVY zeigt der Künstler unter dem Titel Du konntest es nicht sein Liebling vom 11. Mai – 9. Juli 2010 aktuelle farbige Wandobjekte, die reliefhaft aus einzelnen Holzteilen zusammengesetzt sind. In diesen Arbeiten gehen Holzobjekt und Sprache eine ironische Verbindung ein und der skulpturale Umgang mit dem Holz kommt hier wieder mit seiner ursprünglichen Neigung zur Malerei zusammen. Passfeld dekonstruiert in seinen Arbeiten die kleinbürgerliche Welt hölzerner Spruchbände und statt der Maximen idyllischer Biederkeit finden sich auch die Imperative, deren Befolgung die soziale Akzeptanz in entgegengesetzten Milieus verspricht: „Bitte lässig, sportlich, erfolgreich, beliebt + schön werden“.

In ihrer Materialästhetik unterlaufen Passfelds Holzobjekte bewusst die herrschenden Kriterien des Kunstbetriebs. Der Künstler stellt die Frage, ob der wahre Kleingeist nicht dort zu finden ist, wo man auf Ästhetiken und Materialien respektlos herabblickt, weil sie nicht dem entsprechen, was man cool findet oder zu finden hat.

Alexander Sairally (Kunsthistoriker)
C.O. Paeffgen
23.02.2010
-
28.04.2010
„Seit 40 Jahren arbeitet C.O. Paeffgen in Köln in verschiedenen Kunstmedien und in selbst gewählter Freiheit. Seine Werke sind Kommentare zum Leben ohne Moral und Botschaft.“ Erich Wischke, 2005

COPs erste Einzelausstellung in Hamburg!

C.O.Paeffgen (* 1933 in Köln) ist einer der wichtigsten deutschen Künstler, der nun mit dieser Einzelausstellung seine Premiere in Hamburg geben wird. Gezeigt werden bei LEVY eine Auswahl von wichtigen Gemälden, Umwicklungen und Objekten aus den Werkgruppen der 70er bis 90er Jahre und aktuelle Werke.

Seit den 1960er Jahren setzt sich der Autodidakt Paeffgen, angeleitet durch die Pop Art, mit Themen und Figuren der Zeit auseinander. COP ist ein aufmerksamer und kritischer Beobachter und das Bildmaterial für seine künstlerische Auseinandersetzung liefert Ihm die stätig wachsende Bilderwelt der Massenmedien.

In C.O.Paeffgens Werken scheint auf den ersten Blick alles hübsch, einfach, trivial und leicht lesbar zu sein. Doch der Betrachter sollte sich davon nicht täuschen lassen und in Acht nehmen!
Vor COPs humorigen Hintersinn ist der Besucher nicht gefeit. Der Künstler ist nicht nur ein Zeitreisender, sondern er begleitet voller ernsthafter Intensität die Zeit, pickt sich Ereignisse und Szenen aus den Zeitläufen, die er mit seinem kräftigen Lineament abstrahierend und negierend umrandet. Sein Duktus ist von einer tieftintigen Sattheit durchtränkt – sei es mit dem Füllfederhalter, Filzstift oder Pinsel ausgeführt. Die manchmal vibrierenden Konturen sind unruhig und was COP als Schlüsselszenen in den Bildern der Zeitungen und Magazine wahrnimmt, formt er in ironischer Brechung um. Mit Hilfe dieser künstlerischen Methode arbeitet Paeffgen seine Neuinterpretation der dargestellten Szenen und Charaktere heraus. Seine Umrandungen, Umwicklungen und Kisten verführen den Betrachter zum schmunzeln und regen diesen gleichzeitig zum Nachdenken an.

Den Hintersinn in seinem vielfältigen Werk zu entdecken, die vermeintlichen Trivialitäten umfassender zu deuten, wird für die Besucher ein Vergnügen sein und Ihnen nicht nur die Augen öffnen, sondern auch neue Denkräume erschließen.

Alexander Sairally (Kunsthistoriker)
Annette Streyl
IDOLS
12.01.2010
-
17.02.2010
„Die zeitlosen Schönen und Großen werden plötzlich in zeitgenössische Pop- oder Sportstars verwandelt und erfahren nun eine ganze neue Form der Bewunderung.“
Petra Roettig/Sabrina van der Ley

Die LEVY Galerie freut sich sehr, unter dem Titel IDOLS, die zweite Einzelausstellung mit aktuellen Arbeiten der Hamburger Künstlerin Annette Streyl (*1968) zu zeigen.

Die gelernte Steinbildhauerin und ehemalige Meisterschülerin Franz-Erhardt Walthers an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg, Annette Streyl, hat in den vergangenen Jahren ein beachtliches und vielfach ausgestelltes Werk geschaffen. Streyls Arbeiten kreisen um die Erfahrungswelt des Alttäglichen, um die von Menschen erschaffene und gestaltete Umwelt, das die Künstlerin nach dem Ausdrucksgehalt der Architekturen in Hinsicht auf seine formal-ästhetischen wie auch auf seine soziokulturellen Bedingungen befragt. Sie ist eine Spurensucherin, die die Architektur und die sie schmückenden Bildwerke liest und entzaubert.
Seit Mitte der 1990er Jahre setzt sich Streyl in ihrer künstlerischen Arbeit mit den Themen Architektur und Raum auseinander. Insbesondere die Bedeutungsebenen und -strukturen von Architektur thematisiert Sie in ihren Rauminstallationen und Sandsteinskulpturen. Die machtvolle emblematische Bildwirkung und -sprache der Architektur wird in Streyls Werk sichtbar und nachvollziehbar.
In ihrem jüngsten Werkkomplex IDOLS aus den Jahren 2008/09, spielt Annette Streyl mit dem Schönheitsideal mittelalterlicher Kunst und knüpft damit gleichzeitig an ihre früheren Strick- und Steinarbeiten an.

Der ewige Traum eines jeden Paparazzo
Sie ist von edler Gestalt, grazil, elegant, verfüherisch und geheimnissvoll. War diese Frau die Jackie O., Marilyn Monroe oder Michelle Obama des Mittelalters? Nicht nur ihre zahlreichen Bewunderer und Verehrer hielten sie – und halten sie noch immer – für die schönste Frauengestalt des deutschen Mittelalters und der Kunstgeschichte.

Uta von Ballenstedt, Markgräfin von Meissen, der heutigen Generation besser bekannt als Uta von Naumburg. Sie steht im dortigen Westchor des Doms gemeinsam mit ihrem Gatten Ekkehard als vorzüglich gearbeitete Sandsteinskulptur des 13. Jahrhunderts unter der zwölfteiligen Stifterfigurengruppe. Seinen negativen Höhepunkt erreichte der Kult um Uta in den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts, als die Nazis die steinernde Figur zur Inkarnation der deutschen Frau stilisierte, Wallfahrten in den Naumburger Doms organisierten und eine Photoabbildung sie als vornehmste Hüterin deutscher Kunst in der Ausstellung „Entartete Kunst“ unter 600 verfemten Werken der Moderne propagierte.

In ihrer Werkserie IDOLS analysiert Annette Streyl die auratische Qualität der Uta und einiger Heiligenfiguren von Tilmann Riemenschneider. Ihre handmodellierten Repliken der Köpfe dieser Figuren sind in leichter Untersicht dargestellt und stehen auf hellen Steinsockeln, die im oberen Bereich, fast wie Siegerpodeste aussehen. Petra Roettig und Sabrina van der Ley gehen in ihrem Textbeitrag auf das Verhältnis von Figur und Sockel ein: „Durch das lange Brennen des Tons erzielt die Künstlerin eine ungewöhnlich dunkle, steinartige Patinierung der Figuren, die sich von dem hellen Material der Sockel kontrastreich abheben und so Skulptur und Träger in ein neues Verhältnis setzt. Diese Kombination der perfekten Bildnisbüsten mit den reduziert-sachlichen Treppensockeln, die beinahe eigene konkrete Skulpturen sind, verblüfft. Die Künstlerin zitiert hier nicht nur Riemenschneider, sondern auch sich selbst mit ihren Architekturen in Steintafeln.“

Baldachinartig eingerahmt werden diese Ensembles aus Figur und Sockel von einem silber-graufarbigen Fanschal.

Die Art und Weise der Präsentation dieser IDOLS verdeutlicht Annette Streyls Intention, den, insbesondere in Großausstellungen demonstrierten, unkritischen Kult um historische und zeitgenössische Künstlergrößen zu entlarven.

Im Hatje Cantz Verlag erscheint ein Katalog mit Textbeiträgen von Harald Falckenberg, Dagrun Hintze, Petra Roettig/Sabrina van der Ley und Alexander Sairally.
Ekkehard Tischendorf
Endlich beginnt Unendlichkeit
17.11.2009
-
23.12.2009
Abb: Tautologische Staffel, 2009
Öl/Acryl auf Leinwand
150 x 180 cm




Ekkehard Tischendorf nimmt die BetrachterInnen mit in die unendlichen Weiten der Phantasie.

Die LEVY Galerie freut sich sehr, unter dem Titel "Endlich beginnt Unendlichkeit", eine Einzelausstellung mit aktuellen Bildern des jungen Dresdner Künstlers Ekkehard Tischendorf(* 1976) zu zeigen.

Tischendorfs Bilder zeichnen sich durch eine aufwühlende Bildsprache und leuchtende Farbintensität aus. Seine Werke polarisieren und locken die BetrachterInnen aus der Reserve. Sie zeigen aber auch, die bedingungslose Hingabe zu seinem Schaffen.

Seinen jüngsten Werkkomplex von Gemälden und Zeichnungen
aus dem Zeitraum von 2008 bis 2009 hat Tischendorf unter dem Titel Endlich beginnt Unendlichkeit zusammengefasst. Dieser bewusst vieldeutige Titel, rüttelt auf und animiert zur Reflexion. Die Konnotationen spannen einen Bogen, der Kunsthistorisches, Dämonisches, Weltgeschichtliches, Sakrales, Profanes und Autobiografisches in einen sich gegenseitig befruchtenden Dialog zu bringen vermag. Neben der implizierten klassischen Frage, nach dem Ewigkeitsanspruch der Kunst, verweist Belinda Grace Gardner in ihrem Katalogtext darauf, dass „(...) der Gedanke der Unendlichkeit (...)“, letztlich auf ein endliches Subjekt zurückgeht und es „(...) dem Menschen wesentlich eigen (...)“ ist, „dass ihn seine Konzepte und Werke überdauern.“

Die BetrachterInnen finden in Tischendorfs aktuellen Werk einen doppeldeutigen Bildkosmos der Rätselhaftigkeit und Symbolik wieder, welche provokativ herausfordert und zu einer Auseinandersetzung zwingt.

Im Kerber Verlag erscheint ein Katalog mit Textbeiträgen von Belinda Grace Gardner und Clemens Jöckle. Mit über 35 farbigen Abbildungen präsentiert der Katalog Tischendorfs aktuelle Malerei und Zeichnungen aus den Jahren 2008 und 2009, die sein bildkünstlerisches Prinzip verdeutlichen und erfahrbar machen.
Allen Jones
Showtime
06.10.2009
-
06.11.2009
"Die schummrigen Sphären der Jazzlokale, Cocktailbars, Zirkus-, Theater- und Zaubershows durchziehen das erotisch aufgeladene Werk des britischen Malers und Pop-Art-Initiators Allen Jones." (Zitat: Belinda Grace Gardner)

Die LEVY Galerie freut sich, die siebte Einzelausstellung von Allen Jones mit dem Titel "Showtime" zu zeigen.

Zu sehen sind u.a. neun kleinformatige Bilder aus dem Jahr 2009. In diesen steht die Bühne im Mittelpunkt, wobei der Künstler darin eigene Werke sowie Gemälde anderer Künstler zitiert, die während seiner Entwicklung Bedeutung für ihn hatten: Picasso, Delaunay, Matisse, Mirò. Zu den Motiven gehören auch Bühnenszenen, in denen der Künstler seine Tanzenden und Zaubernden auftreten lässt. Darüber hinaus werden großformatige Skulpturen und Gemälde präsentiert.

Allen Jones gehört zu den renommiertesten britischen Künstlern des 20. und 21. Jahrhunderts. Seine Werke sind in den großen öffentlichen und privaten Sammlungen weltweit vertreten, u.a. im MoMA in New York, der Tate Gallery in London, der Hamburger Kunsthalle (Galerie der Gegenwart) und dem Museum Ludwig in Köln.

Im Kerber Verlag erscheint ein Buch mit einem Textbeitrag von Belinda Grace Gardner. Die Ausstellung wird von Februar - April 2010 in der Galerie Lorenzelli Arte, Mailand, gezeigt.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch!
Daniel Mohr
Bestimmte Negation
01.09.2009
-
30.09.2009
"Daniel Mohr arbeitet an der Vergeistigung rationaler Harmonien." (Zitat: Christoph Tannert)

Die LEVY Galerie freut sich, die zweite Einzelausstellung des in Berlin lebenden Künstlers Daniel Mohr mit dem Titel "Bestimmte Negation" zu zeigen.

Daniel Mohr (* 1976) beschäftigt sich in seinen Bildern mit Fragestellungen, die sich mit dem Modus des Ästhetischen und der Erkenntnisfunktion des Bildes an sich auseinandersetzen. Es geht Mohr nicht um eine illustrative Wiedergabe auf die Welt und von politischen Tagesereignissen, sondern in seiner Malerei entwickelt er eine andauernde Auseinandersetzung über die Frage nach der Wahrheit bei der Darstellung von Wirklichkeit im Verhältnis zwischen Bildlichem (dem Besonderen) und Außerbildlichem (dem Allgemeinen). Der Ausstellungs- und Buchtitel Bestimmte Negation spielt auf Mohrs bildkünstlerisches Prinzip an, dass das Umfeld des dargestellten "Gegenstandes" oft wichtiger genommen wird als das Dargestellte selbst, so dass das Dargestellte von seinem Umfeld, das sich schablonenhaft um den "Gegenstand" legt, mitdefiniert wird.

Im Hatje Cantz Verlag erscheint eine 96-seitige Publikation mit Textbeiträgen von Dagrun Hintze und Christoph Tannert. Mit über fünfzig farbigen Abbildungen präsentiert der Katalog Mohrs aktuelle Werke, die sein bildkünstlerisches Prinzip verdeutlichen und erfahrbar machen.
Daniel Spoerri
NEUE ASSEMBLAGEN
05.05.2009
-
10.07.2009
Daniel Spoerri, Tribulum, 2008


Daniel Spoerri
neue Assemblagen
5. Mai - 10. Juli 2009

Die LEVY Galerie freut sich, Daniel Spoerris neueste Werke in einer Ausstellung zu zeigen. Damit möchten wir auch unsere sehr enge, intensive und freundschaftliche Verbundenheit mit Daniel Spoerri und seinem Oeuvre Ausdruck verleihen.

Wieder einmal hat Spoerri die Kunstwelt überrascht und verzaubert. Mit seinen kraftvollen, rätselhaften und ironischen Werkkomplexen Prillwitzer Idole und Tribulum hat der 79jährige Künstler seine Ausdrucksmöglichkeiten weiterentwickelt, aber auch Bezüge zu früheren Werken hergestellt. Spoerri erweitert und verdichtet in besonderer Weise den programmatisch entwickelten Blick auf aktuelle Tendenzen in der Kunst des 20. und am Beginn des 21. Jahrhunderts.

In der Reihe Prillwitzer Idole von 2004/2005, entwickelt Spoerri in großfigurigen Assemblagen eindrucksvolle Bildwelten und gießt diese in Bronze. Stets an Prozessen von Entstehendem interessiert, verändert Spoerri die Bearbeitungsabläufe bei der Herstellung seiner Bronzen nachhaltig und stellt zum Teil monumentale Werke von großer Eindringlichkeit vor. Die in der Ausstellung zu sehenden Arbeiten, beeindrucken sowohl durch ihre Ausmaße und ihre eigenwillige Oberflächenstruktur. Aber vor allen Dingen durch ihre scheinbar ins Absurde gehende Thematik, aus der eine tiefgründige Fremdartigkeit resultiert.

In seinem Werkkomplex Prillwitzer Idole thematisiert Spoerri die technischen und kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Übernahmeprozesse der Bewohner der Kontinente Afrika, Amerika, Asien und Europa untereinander und deren Wechselwirkungen. So werden z.B. in dem Bildwerk Trommler mit Schreibmaschinenhut, die Erscheinungsweisen der Verknüpfung von Kunst mit lebensweltlichen Phänomenen gezeigt und der glückliche Moment des Zusammentreffens eines am mythischen Gehalt von Alltagsprozessen und Kuriositäten interessierten Künstlers anschaulich dargestellt.

In seinem neuen Werkkomplex mit dem Titel Tribulum, beschäftigt den Künstler, der quälende und aggressive Charakter dieser Ur-Werkzeuge der Landwirtschaft. Diese neuen, großfigurigen Assemblagen basieren auf einem Dreschbrett, dem Tribulum, übersetzt bedeutet es Dreschflegel; ein Werkzeug, das man seit der römischen Antike zum Trennen des Weizens von der Spreu benutzt. Bisher hat Spoerri vier Variationen mit Tribulums / Tribula kombiniert. Zwei davon und eine Bronze werden in der Ausstellung zu sehen sein. Neben Arbeiten aus diesen beiden Werkkomplexen, werden auch noch weitere aktuelle Assemblagen von Spoerri gezeigt.

Daniel Spoerri lebt und arbeitet hauptsächlich in Italien.

Alexander Sairally (Kunsthistoriker)
Dan Douke
Sein & Schein
24.02.2009
-
24.04.2009
Dan Douke, Brandt, 2008, Acryl auf Leinwand

Daniel Douke
Sein & Schein
24. Februar - 24. April 2009

Die LEVY Galerie freut sich, zum ersten Mal in Deutschland das Werk von Daniel Douke auszustellen. Unter dem Titel Sein & Schein werden vom 24. Februar - 24. April 2009 aktuelle Arbeiten aus den Jahren 2006 - 2008 des 1943 in LA geborenen Künstlers präsentiert.

Mit dem Wesen des Seins und des Scheins hat sich beispielsweise schon Wilhelm Busch in seinem vor 100 Jahren erschienenen Gedicht Schein und Sein beschäftigt:
Mein Kind, es sind allhier die Dinge,
Gleichwohl, ob große, ob geringe,
Im wesentlichen so verpackt,
Daß man sie nicht wie Nüsse knackt.
Wie wolltest du dich unterwinden,
Kurzweg die Menschen zu ergründen.
Du kennst sie nur von außenwärts.
Du siehst die Weste, nicht das Herz.
Der Schein überstrahlt mit seiner glänzenden Hülle, die inhaltsschwere des Seins. Diejenige Person, die sich vom Schein blenden lässt und nicht zu kritischer Beobachtung fähig ist, wird vom Schein geblendet und gelangt nicht zum Wesenskern des Seins.

Seit 30 Jahren setzt sich Douke in seinem künstlerischem Werk mit der Wahrnehmung von Alltagsgegenständen auseinander. Der Künstler beschreibt sein Werk folgendermaßen:

"In den dreißig Jahren meiner künstlerischen Arbeit habe ich die Welt immer als Realist angesehen. Die Direktheit der darstellenden Malerei hat mich seit jeher fasziniert. In konzeptueller Hinsicht geht es mir um die Dichotomie zwischen beobachtbaren Wahrheiten und abstrakten Werten. Mein Wunsch war stets, nicht idealisierte, sondern spezifische Objekte zu schaffen, die als Teil der real erfahrbaren Welt erscheinen."

Seine Arbeiten wie z.B. Fiji von 2006, Brandt, iMac und Packset, von 2008 fesseln den Blick: illusorische Objekte, die wie echte Getränkekartons, Lebensmittelverpackungen, Computerkartons und Postpakete aussehen. Durch die Bemalung der Leinwand mit Acryl- und/oder Ölfarbe erscheinen seine Werke wie Fundstücke, die vom Künstler leicht manipuliert wurden. Doukes Absicht ist jedoch kein Trompe l'Oeil, sondern er möchte, dass der Betrachter, „seine Wahrnehmung weitet und ihr mehr Bedeutung beimisst.“


In seinem Artikel für die Kunsttermine (1/2009) verweist Marc Peschke auf einen wichtigen Vorläufer von Doukes Kunst: Andy Warhol und seine Boxes: Brillo, Campbell, Del Monte und Heinz. Warhol ließ von einem Schreiner detailgetreue Sperrholzkisten anfertigen auf denen dann die Siebdrucke mit den jeweiligen Marken aufgetragen worden sind.

Peschke, wie auch John Yau sehen in Douke keinen Epigonen, der Warhol’schen Kunst, sondern einen eigenständigen Künstler, der die Idee von Warhol aufgegriffen und auf eine höhere Stufe weitergeführt und weiterentwickelt hat.

Zitat Peschke:
„Für Arthur C. Danto war die >Brillo Box< ein >Schlüsselerlebnis, um die gesamte Kunsttheorie zu revolutionieren: Warhol und andere Pop-Art-Künstler hatten gezeigt, dass von zwei Gegenständen, die genau gleich aussahen, eines ein Kunstwerk und das andere keines sein konnte.< Und in der handgefertigten Nachahmung von Massenprodukten liegt auch noch heute, Jahrzehnte danach, ein immenser Reiz. Beim Betrachten der Arbeiten Daniel Doukes, der das Warhol'sche Prinzip weiterführt, doch jetzt in die Malerei überträgt, sind wir – immer wieder aufs Neue – irritiert und verblüfft.“

Yau sieht in Doukes Schachteln, nicht nur eine fundamentale Hinterfragung der Warhol’schen Brillo-Kartons und seines damit intendierten Statements, sondern Doukes Boxen und seine Kunstauffassung stellen vielschichtige und wichtige Fragen, die aktueller denn je sind.

„Douke hält die Zeit an und lässt mit der Zerstörung der Schachtel warten, während er unser Verhältnis zu Verlangen und Wunscherfüllung überprüft. Makellos in ihrer Mimikry, rufen seine Kisten unsere Neugierde hervor, auch wenn sie uns zugleich jäh innehalten lassen.“ (John Yau, Daniel Doukes Widerständigkeit, in: Daniel Douke - Sein & Schein, Ausst.-Kat. LEVY Galerie, Bielefeld, 2009, S. 42)

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Kerber Verlag / LEVY Galerie mit einem Essay von John Yau und einem Interview, dass Belinda Grace Gardner mit Daniel Douke im Januar 2009 geführt hat.

Alexander Sairally
(Kunsthistoriker)
LEVY
Ausstellungen 2009
01.01.2009
-
31.12.2009
Wir freuen uns auf Ihren Besuch!