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Béatrice Klein
De unde vin – Woher ich komme
30.06.2010
-
16.09.2010

„DE UNDE VIN – WOHER ICH KOMME“, EINE FOTOGRAFISCHE SPURENSUCHE IN RUMÄNIEN
GALERIE HILANEH VON KORIES STARTET NEUE AUSSTELLUNGSREIHE MIT BILDERN VON BÉATRICE KLEIN
Hamburg, im Mai 2010
Die Hamburger Galerie Hilaneh von Kories startet unter dem Titel NEXT GENERATION eine neue Ausstellungsreihe,deren Anliegen es ist, die Arbeiten junger Fotokünstler einem größeren Publikum vorzustellen.
Den Auftakt dieser Reihe bildet die Ausstellung „De unde vin – Woher ich komme“, in der vom 30.6. bis zum 16.9.2010 eine Fotoserie der Hamburger Fotografin Béatrice Klein zu sehen sein wird.
Die Künstlerin begab sich mit Ihrer Kamera auf Spurensuche nach Rumänien. Siebzehn Jahre hatte die 1977 im rumänischen Oradea nahe der ungarischen Grenze geborene Fotografin ihr Geburtsland nicht mehr gesehen.
„De unde vin – Woher ich komme“ ist eine fotografische Recherche zu der Frage, inwieweit die erinnerten Bilder der Kindheit mit der heutigen Wirklichkeit übereinstimmen. So verwischt, so sprunghaft wie die Erinnerung sind auch die mit einer analogen Kamera entstandenen, nicht bearbeiteten Bilder: zwischen Autobiografie
und Fiktion schimmern sie uns entgegen, tragen geheimnisvolle Verwischungen und Reflexionen,die beim Fotografieren durch Lichteinfall entstehen. Andere sind ganz düster, beinahe schwarz – wie eine schwache Spur, die sich immer mehr verliert. Es sind keine Momentaufnahmen, sondern atmosphärischpoetische Fragmente einer wieder gefundenen Vergangenheit.
Wir sehen Bilder eines dörflichen Alltags, Bilder aus Hemeiusi, dem Geburtsort der Mutter, wo die Fotografin bei ihrer Tante Ileana zu Gast war: Menschen, Häuser, Innenräume, die sich in den vergangenen Dekaden kaum verändert haben. Verändert hat sich die Fotografin, die eine sehr eigene fotografische Handschrift für
diesen Zustand findet: subtil, assoziativ und rätselhaft sind ihre Bilder der alten Heimat.
„Ich wollte sehen, wie sie leben – wie mein Leben möglicherweise ausgesehen hätte. Ich entdeckte eine Welt, die ich zwar nicht kenne, die aber irgendwie zu mir gehört und in mir verwurzelt ist.“
Sie illustrieren ein „verschwommenes Bildarchiv meiner Erinnerungen“, sagt Béatrice Klein über ihre Arbeiten – und dennoch äußert sich in ihnen auch der Wunsch, mehr zu erfahren. Wer sind diese Menschen auf den Fotografien? In welchem Verhältnis stehen sie zu der Künstlerin? Wir wissen nichts Genaues, doch wir ahnen: es gibt Entfremdung, aber es gibt auch Verbindungen, die nicht gekappt worden sind.
Die Ausstellung zeigt 25 auf Alu-Dibond aufgezogene Lambda C-Prints. Die Motive wurden mit der Mittelformatkamera
Zenza Bronica fotografiert.
GALERIE HILANEH VON KORIES STARTET NEUE AUSSTELLUNGSREIHE MIT BILDERN VON BÉATRICE KLEIN
Hamburg, im Mai 2010
Die Hamburger Galerie Hilaneh von Kories startet unter dem Titel NEXT GENERATION eine neue Ausstellungsreihe,deren Anliegen es ist, die Arbeiten junger Fotokünstler einem größeren Publikum vorzustellen.
Den Auftakt dieser Reihe bildet die Ausstellung „De unde vin – Woher ich komme“, in der vom 30.6. bis zum 16.9.2010 eine Fotoserie der Hamburger Fotografin Béatrice Klein zu sehen sein wird.
Die Künstlerin begab sich mit Ihrer Kamera auf Spurensuche nach Rumänien. Siebzehn Jahre hatte die 1977 im rumänischen Oradea nahe der ungarischen Grenze geborene Fotografin ihr Geburtsland nicht mehr gesehen.
„De unde vin – Woher ich komme“ ist eine fotografische Recherche zu der Frage, inwieweit die erinnerten Bilder der Kindheit mit der heutigen Wirklichkeit übereinstimmen. So verwischt, so sprunghaft wie die Erinnerung sind auch die mit einer analogen Kamera entstandenen, nicht bearbeiteten Bilder: zwischen Autobiografie
und Fiktion schimmern sie uns entgegen, tragen geheimnisvolle Verwischungen und Reflexionen,die beim Fotografieren durch Lichteinfall entstehen. Andere sind ganz düster, beinahe schwarz – wie eine schwache Spur, die sich immer mehr verliert. Es sind keine Momentaufnahmen, sondern atmosphärischpoetische Fragmente einer wieder gefundenen Vergangenheit.
Wir sehen Bilder eines dörflichen Alltags, Bilder aus Hemeiusi, dem Geburtsort der Mutter, wo die Fotografin bei ihrer Tante Ileana zu Gast war: Menschen, Häuser, Innenräume, die sich in den vergangenen Dekaden kaum verändert haben. Verändert hat sich die Fotografin, die eine sehr eigene fotografische Handschrift für
diesen Zustand findet: subtil, assoziativ und rätselhaft sind ihre Bilder der alten Heimat.
„Ich wollte sehen, wie sie leben – wie mein Leben möglicherweise ausgesehen hätte. Ich entdeckte eine Welt, die ich zwar nicht kenne, die aber irgendwie zu mir gehört und in mir verwurzelt ist.“
Sie illustrieren ein „verschwommenes Bildarchiv meiner Erinnerungen“, sagt Béatrice Klein über ihre Arbeiten – und dennoch äußert sich in ihnen auch der Wunsch, mehr zu erfahren. Wer sind diese Menschen auf den Fotografien? In welchem Verhältnis stehen sie zu der Künstlerin? Wir wissen nichts Genaues, doch wir ahnen: es gibt Entfremdung, aber es gibt auch Verbindungen, die nicht gekappt worden sind.
Die Ausstellung zeigt 25 auf Alu-Dibond aufgezogene Lambda C-Prints. Die Motive wurden mit der Mittelformatkamera
Zenza Bronica fotografiert.
Jim Rakete
Vertraute Fremde
12.03.2010
-
05.06.2010

VERLÄNGERT BIS 05. JUNI 2010!!!
Die Hamburger Galerie Hilaneh von Kories zeigt vom 12. März bis zum 6. Mai 2010 die Ausstellung VERTRAUTE FREMDE mit Schwarzweiss-Bildern des Fotografen Jim Rakete.
Jim Rakete, am Neujahrstag 1951 in Berlin geboren, stürzte sich bereits zur Schulzeit mit der Kamera ins Getümmel von Rockkonzerten, Studentenunruhen, Theaterproben und Dreharbeiten, bis sein Wackelkontakt zur Schule Ende der Sechziger abbrach.
Nach einigen Jahren Tageszeitungsfotografie, Magazinreportagen und Plattencovern gründete er 1977 in Berlin Kreuzberg mit Freunden eine Kreativwerkstatt namens Fabrik Rakete, die sich unversehens zu einem Trendlabor und Management weiterentwickelte. Die Fabrik betreute Acts wie die Nina Hagen Band, Interzone, Spliff, Cosa Rosa, Edo Zanki, Nena und die Ärzte und übersetzte die visuelle Sprache der Szene in die Medien.
Ende der Achtziger war diese Mission abgeschlossen. Rakete machte eine Kehrtwende zur Fotografie und erschloss den Backstagebereich von Persönlichkeiten mit der Kamera, eher sensibel als plakativ, und gern in klassischem Schwarzweiss. Als die Silberfotografie ihrem Ende entgegen sah, entschloss sich Rakete 2007 zu einer gewagten Tour de Force durch die Bundesrepublik, um mit einer betagten Linhof-Plattenkamera, bei natürlichem Licht und elend langen Verschlusszeiten noch einmal die prägenden Personen des Landes zu fotografieren: ungeschminkt, ohne Aufwand, ohne glättenden Photo Shop.
Dreißig Jahre nach der Gründung der Fabrik erschien der Bildband zu dieser Serie bei Schirmer/Mosel: 1/8 sec. – Vertraute Fremde. Es sind Aufnahmen von Gesichtern, die wir sicher sind zu kennen, weil wir sie jeden Tag im Fernsehen und in Magazinen anschauen. Und doch ist etwas anders durch die Konzentration, die eine Plattenkamera einfordert. Die Achtelsekunde: ein Wimpernschlag der klassischen Fotografie, ein Innehalten, das es in den schnellen Medien nicht mehr geben darf – für Rakete ist es der Lohn der beidseitigen Konzentration, vielleicht eine kleine Gewebeprobe der Seele. Und ganz bestimmt eines der letzten Projekte auf Film, von dem man dieser Tage nur bangend hoffen kann, dass es ihn morgen überhaupt noch gibt.
Das Personal auf den Bildern ist ein Querschnitt durch das Personal des Landes, es besteht mithin aus Bekannten und alten Bekannten. Hätte man das Projekt mit unbekannten Menschen machen können? - Vermutlich nicht, denn die haben kein öffentliches Bild, an dem man solche Fotos messen könnte.
In der Ausstellung sind unter anderem Fotografien von Wim Wenders, Peter Stein, Moritz Bleibtreu, Jenny Holzer, Helmut Schmidt, Christoph Waltz und Natalie Portman zu sehen.
Sie werden ergänzt durch eine Portraitserie, die in Zusammenarbeit mit der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein entstanden ist. Gezeigt werden unter anderem Bilder von Hannelore Hoger, Martina Gedeck und Kostja Ullmann, die mit persönlichen Statements ihre Verbundenheit zur Filmlandschaft im Norden dokumentieren.
Die Hamburger Galerie Hilaneh von Kories zeigt vom 12. März bis zum 6. Mai 2010 die Ausstellung VERTRAUTE FREMDE mit Schwarzweiss-Bildern des Fotografen Jim Rakete.
Jim Rakete, am Neujahrstag 1951 in Berlin geboren, stürzte sich bereits zur Schulzeit mit der Kamera ins Getümmel von Rockkonzerten, Studentenunruhen, Theaterproben und Dreharbeiten, bis sein Wackelkontakt zur Schule Ende der Sechziger abbrach.
Nach einigen Jahren Tageszeitungsfotografie, Magazinreportagen und Plattencovern gründete er 1977 in Berlin Kreuzberg mit Freunden eine Kreativwerkstatt namens Fabrik Rakete, die sich unversehens zu einem Trendlabor und Management weiterentwickelte. Die Fabrik betreute Acts wie die Nina Hagen Band, Interzone, Spliff, Cosa Rosa, Edo Zanki, Nena und die Ärzte und übersetzte die visuelle Sprache der Szene in die Medien.
Ende der Achtziger war diese Mission abgeschlossen. Rakete machte eine Kehrtwende zur Fotografie und erschloss den Backstagebereich von Persönlichkeiten mit der Kamera, eher sensibel als plakativ, und gern in klassischem Schwarzweiss. Als die Silberfotografie ihrem Ende entgegen sah, entschloss sich Rakete 2007 zu einer gewagten Tour de Force durch die Bundesrepublik, um mit einer betagten Linhof-Plattenkamera, bei natürlichem Licht und elend langen Verschlusszeiten noch einmal die prägenden Personen des Landes zu fotografieren: ungeschminkt, ohne Aufwand, ohne glättenden Photo Shop.
Dreißig Jahre nach der Gründung der Fabrik erschien der Bildband zu dieser Serie bei Schirmer/Mosel: 1/8 sec. – Vertraute Fremde. Es sind Aufnahmen von Gesichtern, die wir sicher sind zu kennen, weil wir sie jeden Tag im Fernsehen und in Magazinen anschauen. Und doch ist etwas anders durch die Konzentration, die eine Plattenkamera einfordert. Die Achtelsekunde: ein Wimpernschlag der klassischen Fotografie, ein Innehalten, das es in den schnellen Medien nicht mehr geben darf – für Rakete ist es der Lohn der beidseitigen Konzentration, vielleicht eine kleine Gewebeprobe der Seele. Und ganz bestimmt eines der letzten Projekte auf Film, von dem man dieser Tage nur bangend hoffen kann, dass es ihn morgen überhaupt noch gibt.
Das Personal auf den Bildern ist ein Querschnitt durch das Personal des Landes, es besteht mithin aus Bekannten und alten Bekannten. Hätte man das Projekt mit unbekannten Menschen machen können? - Vermutlich nicht, denn die haben kein öffentliches Bild, an dem man solche Fotos messen könnte.
In der Ausstellung sind unter anderem Fotografien von Wim Wenders, Peter Stein, Moritz Bleibtreu, Jenny Holzer, Helmut Schmidt, Christoph Waltz und Natalie Portman zu sehen.
Sie werden ergänzt durch eine Portraitserie, die in Zusammenarbeit mit der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein entstanden ist. Gezeigt werden unter anderem Bilder von Hannelore Hoger, Martina Gedeck und Kostja Ullmann, die mit persönlichen Statements ihre Verbundenheit zur Filmlandschaft im Norden dokumentieren.
Loïc Bréard
Urban Sketches
20.10.2009
-
12.02.2010

Die Hamburger Galerie Hilaneh von Kories präsentiert vom 16.10.2009 bis zum 12.02.2010 die Ausstellung „Urban Sketches“ mit Schwarzweiß-Bildern des Fotografen Loïc Bréard. Der in Nantes in der Bretagne geborene und in Hamburg lebende Loïc Bréard ist ein Fotokünstler, dessen Werk bestimmt ist von einer großen Liebe zu der visuellen Vielfalt des Lebens. Wir sahen es bei seiner bekannten, als Buch erschienenen Serie über die prächtige Wallfahrt von El Rocío in Andalusien – und wir sehen es jetzt wieder, in seinen neuen Architekturaufnahmen: Das Leben der Menschen, ihr Gestaltungswille, die Formen der Architektur, das alles gehört für Bréard zusammen.
Architekturfotografie ist oft von äußerst kühler Reserviertheit – auf Wunsch der Architekten. Die Fotografen nehmen sich zurück, dokumentieren das Werk des Architekten, trachten danach, alles Persönliche aus ihren Aufnahmen verschwinden
zu lassen. Wie anders sind die mit der Leica-Kleinbildkamera entstandenen Bilder, die jetzt als Silbergelatine-Abzüge in der Galerie Hilaneh von Kories zu sehen sind: in der Komposition vollendet, mit viel Sinn für Dramaturgie, zeigen sie Ansichten unserer gebauten Umwelt: Architekturdetails, serielle Strukturen, Fassaden.
Immer wieder sind es Spiegelungen, die Bréard begeistern. Der fotografische Blick in eine glänzende Oberfläche, in der sich die Außenwelt spiegelt, gehört zu den klassischen Themen der Fotografie. Spiegelungen und Reflexionen, in metallischen Oberflächen etwa oder im schillernden Glas zeitgenössischer Hochhausarchitektur, sind für ihn eine Möglichkeit, ein subjektives Element in seine Architekturfotografie einfließen zu lassen, visuelle Brüche zu inszenieren – eine Technik, welche die surrealistische Fotografie zur Meisterschaft gebracht hat.
Doch Spiegelungen, Verzerrungen und Dopplungen – sein Hang zum Experimentellen – können nicht verbergen: Bréards fotografischem Werk wohnt stets ein klassisch-eleganter, aber auch technisch vollendeter Zug inne. Er fotografiert ausschließlich analog und ausschließlich in Schwarzweiß – weil Schwarzweiß, wie der Fotograf einmal gesagt hat, „in völlig unnachahmlicher Weise das Sein hinter dem Schein, die Emotion hinter der menschlichen Fassade hervortreten lässt“.Und das ist es wohl, was uns an diesen Fotografien so fasziniert: die Tiefe in den Bildern. Die Tiefe der Kompositionen, der Schatten, doch auch die Tiefe in einem philosophischen und psychologischen Sinn: Die Kamera durchleuchtet das Leben der Menschen, sie beschreibt die Lebensweise in den großen Städten, skizziert die Anforderungen, welche an jene gestellt werden, die hier leben und arbeiten. Der im Hunsrück geborene amerikanische Soziologe Louis Wirth hat diese Anforderungen bereits in seinem 1938 erschienenen Buch Urbanism As A Way Of Life beschrieben: nicht leicht, hier zu bestehen. Architektur ist in diesen Bildern nicht nur gebauter Raum, ist nicht nur Ordnung und Detail. Sie wird – und das zeichnet Bréards Meisterschaft aus – zur Metapher des Lebens selbst.
Hinter diesen Fenstern, transparenten Glasflächen und Architektur-Waben, hinter diesen Ornamenten der Moderne und Postmoderne leben und arbeiten Menschen. Wir sehen sie nicht, doch schlendern sie auf leeren Treppen, auf diesen einsamen Fluren. Über so etwas denken wir nach – beim Betrachten der Bilder. Es sind oft beklemmende Ansichten, die Bréard zeigt. Keinesfalls negiert er die Grobheiten, die Flachheiten, das Bedrohliche und die Brutalität der Architektur des 20. und 21. Jahrhunderts – etwa wenn er Architekturdetails wie spitze Schwerter in die Luft ragen lässt.
Menschen sind im urban verdichteten Raum paradoxerweise fehl am Platz – nie zeigt er sie. Und dennoch sind sie immer anwesend. In dem Aufsatz ,Ontologie des fotografischen Bildes‘ hat André Bazin 1945 geschrieben: „Alle Künste beruhen auf der Gegenwart des Menschen, nur die Fotografie zieht ihren Nutzen aus seiner Abwesenheit.“ Nur selten hat die Abwesenheit des Menschen so eine menschliche Fotografie ermöglicht
wie hier. Bréard, der Malerei und Bildhauerei an der École Nationale Supérieure des Arts Décoratifs in Paris studiert hat, sagte einmal, er könne seine Fotografien nicht nur sehen, sondern auch riechen und hören. Ein ungewöhnliches Wort aus dem Mund eines Fotografen. Was erzählen diese Bilder über das Leben? In der Galerie Hilaneh von Kories kann man sie jetzt befragen.
Architekturfotografie ist oft von äußerst kühler Reserviertheit – auf Wunsch der Architekten. Die Fotografen nehmen sich zurück, dokumentieren das Werk des Architekten, trachten danach, alles Persönliche aus ihren Aufnahmen verschwinden
zu lassen. Wie anders sind die mit der Leica-Kleinbildkamera entstandenen Bilder, die jetzt als Silbergelatine-Abzüge in der Galerie Hilaneh von Kories zu sehen sind: in der Komposition vollendet, mit viel Sinn für Dramaturgie, zeigen sie Ansichten unserer gebauten Umwelt: Architekturdetails, serielle Strukturen, Fassaden.
Immer wieder sind es Spiegelungen, die Bréard begeistern. Der fotografische Blick in eine glänzende Oberfläche, in der sich die Außenwelt spiegelt, gehört zu den klassischen Themen der Fotografie. Spiegelungen und Reflexionen, in metallischen Oberflächen etwa oder im schillernden Glas zeitgenössischer Hochhausarchitektur, sind für ihn eine Möglichkeit, ein subjektives Element in seine Architekturfotografie einfließen zu lassen, visuelle Brüche zu inszenieren – eine Technik, welche die surrealistische Fotografie zur Meisterschaft gebracht hat.
Doch Spiegelungen, Verzerrungen und Dopplungen – sein Hang zum Experimentellen – können nicht verbergen: Bréards fotografischem Werk wohnt stets ein klassisch-eleganter, aber auch technisch vollendeter Zug inne. Er fotografiert ausschließlich analog und ausschließlich in Schwarzweiß – weil Schwarzweiß, wie der Fotograf einmal gesagt hat, „in völlig unnachahmlicher Weise das Sein hinter dem Schein, die Emotion hinter der menschlichen Fassade hervortreten lässt“.Und das ist es wohl, was uns an diesen Fotografien so fasziniert: die Tiefe in den Bildern. Die Tiefe der Kompositionen, der Schatten, doch auch die Tiefe in einem philosophischen und psychologischen Sinn: Die Kamera durchleuchtet das Leben der Menschen, sie beschreibt die Lebensweise in den großen Städten, skizziert die Anforderungen, welche an jene gestellt werden, die hier leben und arbeiten. Der im Hunsrück geborene amerikanische Soziologe Louis Wirth hat diese Anforderungen bereits in seinem 1938 erschienenen Buch Urbanism As A Way Of Life beschrieben: nicht leicht, hier zu bestehen. Architektur ist in diesen Bildern nicht nur gebauter Raum, ist nicht nur Ordnung und Detail. Sie wird – und das zeichnet Bréards Meisterschaft aus – zur Metapher des Lebens selbst.
Hinter diesen Fenstern, transparenten Glasflächen und Architektur-Waben, hinter diesen Ornamenten der Moderne und Postmoderne leben und arbeiten Menschen. Wir sehen sie nicht, doch schlendern sie auf leeren Treppen, auf diesen einsamen Fluren. Über so etwas denken wir nach – beim Betrachten der Bilder. Es sind oft beklemmende Ansichten, die Bréard zeigt. Keinesfalls negiert er die Grobheiten, die Flachheiten, das Bedrohliche und die Brutalität der Architektur des 20. und 21. Jahrhunderts – etwa wenn er Architekturdetails wie spitze Schwerter in die Luft ragen lässt.
Menschen sind im urban verdichteten Raum paradoxerweise fehl am Platz – nie zeigt er sie. Und dennoch sind sie immer anwesend. In dem Aufsatz ,Ontologie des fotografischen Bildes‘ hat André Bazin 1945 geschrieben: „Alle Künste beruhen auf der Gegenwart des Menschen, nur die Fotografie zieht ihren Nutzen aus seiner Abwesenheit.“ Nur selten hat die Abwesenheit des Menschen so eine menschliche Fotografie ermöglicht
wie hier. Bréard, der Malerei und Bildhauerei an der École Nationale Supérieure des Arts Décoratifs in Paris studiert hat, sagte einmal, er könne seine Fotografien nicht nur sehen, sondern auch riechen und hören. Ein ungewöhnliches Wort aus dem Mund eines Fotografen. Was erzählen diese Bilder über das Leben? In der Galerie Hilaneh von Kories kann man sie jetzt befragen.
Wolf Suschitzky
“I am a lucky man.” - London, since 1934
26.08.2009
-
08.10.2009

Die Hamburger Galerie Hilaneh von Kories präsentiert vom 27. August bis 8. Oktober 2009 die Ausstellung “I am a lucky man.” mit einer Auswahl der besten Bilder von Wolf Suschitzky.
Der 1912 in Wien geborene Fotograf gehört zu den bemerkenswertesten Vertretern des britischen Dokumentarfilms, aber auch der Reportage- und Porträt-Fotografie. Zu den zahlreichen Schwarz-Weiß-Exponaten gehören unter anderem Bilder aus seiner eindrucksvollen Fotoserie aus den dreißiger Jahren über die Charing Cross Road, in der sich damals die bedeutendsten Buchhandlungen der britischen Metropole befanden.
Suschitzky stammt aus einer berühmten jüdischen Familie. Sein Vater Wilhelm und sein Onkel Philipp Suschitzky gründeten 1901 im Arbeiterbezirk Favoriten Wiens erste sozialistische Buchhandlung. Das soziale Engagement, zu dem sich Wolf Suschitzky zeitlebens bekannte, war ihm somit in die Wiege gelegt. In Wien hatte Suschitzky eine Fotografen-Ausbildung an der Höheren Graphischen Bundes-Lehr- und Versuchsanstalt gemacht. Inspiriert dazu wurde er von seiner älteren Schwester Edith Tudor-Hart, die am Bauhaus Fotografie studiert und später einen britischen Arzt geheiratet hatte.
Als die Austrofaschisten 1934 in seinem Heimatland die Macht übernahmen, floh er zunächst in die Niederlande, ging aber wenig später aufgrund von – wie sich später herausstellen sollte – glücklichen Umständen nach London, wo er der Verfolgung der Nazis entkam. Anfänglich hatte er Mühe, in seinem Beruf Geld zu verdienen, und assistierte gelegentlich seiner bereits etablierten Schwester. Als er jedoch die Gelegenheit erhielt, als Kameraassistent bei Dokumentarfilmen zu arbeiten, nutzte er die Möglichkeit zu einer erfolgreichen beruflichen Laufbahn als Kameramann. Er wirkte an mehr als 200 Filmen mit – darunter an The Bespoke Overcoat, einem Kurzfilm, der
1956 mit dem Oscar ausgezeichnet wurde. Seine berühmtesten Werke sind Get Carter (Deutscher Titel: Jack rechnet ab) aus dem Jahre 1971, in dem Michael Caine die Hauptrolle spielt, und die Filmversion des James-Joyce-Buches Ulysses (1967), der den British Academy for Film and Television Arts Award erhielt.
An den Drehorten und in seiner Freizeit ging Suschitzky weiterhin seiner Passion als Fotograf nach. Stets hatte er seine Hasselblad dabei. So entstanden mehr als 10.000 Bilder, meist in Schwarz-Weiss, die das Stilempfinden des Naturalismus widerspiegeln. Sie zeigen das Ungeschliffene des Alltags – oft in den Lebensumständen unterprivilegierter Schichten – als Sujet für eine genaue Abbildung der Wirklichkeit.
Zu seinen eindrucksvollsten Porträts gehören Aufnahmen von berühmten Persönlichkeiten wie dem indischen Ministerpräsidenten Jawaharlal Nehru und dem Wissenschaftler und Nobelpreisträger Robert Fleming. Einen besonderen Ruf erwarb sich Wolf Suschitzky auch als Tierfotograf.
Der 97-jährige und sein fotografisches Lebenswerk wurden erst vor wenigen Jahren entdeckt. Denn Suschitzky (Lebensmotto: I am a lucky man), dessen Biografie aus einer Kette von zufälligen und glücklichen Umständen zu bestehen scheint, hatte sich von seinem Platz hinter der Kamera nie in den Vordergrund gedrängt. Die Ausstellung “I am a lucky man.” ist denn auch eine Premiere: zum ersten Mal sind seine
Bilder in Deutschland zu sehen. Aus diesem Anlass wird Wolf Suschitzky, einer der letzten noch lebenden Zeitzeugen und Protagonisten des deutschsprachigen Exils in Großbritannien, eigens zur Eröffnung der Ausstellung nach Hamburg reisen.
Suschitzkys Bilder spiegeln den Blick eines ungewöhnlichen Dokumentaristen wider – eines Mannes, geprägt von einer fortschrittlichen politischen Haltung und begabt mit einer großen poetischen Sensibilität. Bei der Gestaltung seiner Bilder interessierten ihn keine Konventionen. »Komposition ist keine Frage der Regeln,« hat er einmal gesagt, »sie ist eine Frage des Geschmacks.«
Die Ausstellung zeigt eine Auswahl von rund 60 hochwertigen Silbergelatine Handabzügen auf Baryt-Papier, darunter insgesamt 11 Vintage Prints. Unter dem Titel wolf suschitzky photos ist ein umfangreicher Fotoband im Verlag SYNEMA-Publikationen Wien erschienen. Für die Berichterstattung stehen, neben dem Titel, acht weitere Motive zur Verfügung. Gerne senden wir Ihnen druckfähige Daten auf
Anfrage zu.
Der 1912 in Wien geborene Fotograf gehört zu den bemerkenswertesten Vertretern des britischen Dokumentarfilms, aber auch der Reportage- und Porträt-Fotografie. Zu den zahlreichen Schwarz-Weiß-Exponaten gehören unter anderem Bilder aus seiner eindrucksvollen Fotoserie aus den dreißiger Jahren über die Charing Cross Road, in der sich damals die bedeutendsten Buchhandlungen der britischen Metropole befanden.
Suschitzky stammt aus einer berühmten jüdischen Familie. Sein Vater Wilhelm und sein Onkel Philipp Suschitzky gründeten 1901 im Arbeiterbezirk Favoriten Wiens erste sozialistische Buchhandlung. Das soziale Engagement, zu dem sich Wolf Suschitzky zeitlebens bekannte, war ihm somit in die Wiege gelegt. In Wien hatte Suschitzky eine Fotografen-Ausbildung an der Höheren Graphischen Bundes-Lehr- und Versuchsanstalt gemacht. Inspiriert dazu wurde er von seiner älteren Schwester Edith Tudor-Hart, die am Bauhaus Fotografie studiert und später einen britischen Arzt geheiratet hatte.
Als die Austrofaschisten 1934 in seinem Heimatland die Macht übernahmen, floh er zunächst in die Niederlande, ging aber wenig später aufgrund von – wie sich später herausstellen sollte – glücklichen Umständen nach London, wo er der Verfolgung der Nazis entkam. Anfänglich hatte er Mühe, in seinem Beruf Geld zu verdienen, und assistierte gelegentlich seiner bereits etablierten Schwester. Als er jedoch die Gelegenheit erhielt, als Kameraassistent bei Dokumentarfilmen zu arbeiten, nutzte er die Möglichkeit zu einer erfolgreichen beruflichen Laufbahn als Kameramann. Er wirkte an mehr als 200 Filmen mit – darunter an The Bespoke Overcoat, einem Kurzfilm, der
1956 mit dem Oscar ausgezeichnet wurde. Seine berühmtesten Werke sind Get Carter (Deutscher Titel: Jack rechnet ab) aus dem Jahre 1971, in dem Michael Caine die Hauptrolle spielt, und die Filmversion des James-Joyce-Buches Ulysses (1967), der den British Academy for Film and Television Arts Award erhielt.
An den Drehorten und in seiner Freizeit ging Suschitzky weiterhin seiner Passion als Fotograf nach. Stets hatte er seine Hasselblad dabei. So entstanden mehr als 10.000 Bilder, meist in Schwarz-Weiss, die das Stilempfinden des Naturalismus widerspiegeln. Sie zeigen das Ungeschliffene des Alltags – oft in den Lebensumständen unterprivilegierter Schichten – als Sujet für eine genaue Abbildung der Wirklichkeit.
Zu seinen eindrucksvollsten Porträts gehören Aufnahmen von berühmten Persönlichkeiten wie dem indischen Ministerpräsidenten Jawaharlal Nehru und dem Wissenschaftler und Nobelpreisträger Robert Fleming. Einen besonderen Ruf erwarb sich Wolf Suschitzky auch als Tierfotograf.
Der 97-jährige und sein fotografisches Lebenswerk wurden erst vor wenigen Jahren entdeckt. Denn Suschitzky (Lebensmotto: I am a lucky man), dessen Biografie aus einer Kette von zufälligen und glücklichen Umständen zu bestehen scheint, hatte sich von seinem Platz hinter der Kamera nie in den Vordergrund gedrängt. Die Ausstellung “I am a lucky man.” ist denn auch eine Premiere: zum ersten Mal sind seine
Bilder in Deutschland zu sehen. Aus diesem Anlass wird Wolf Suschitzky, einer der letzten noch lebenden Zeitzeugen und Protagonisten des deutschsprachigen Exils in Großbritannien, eigens zur Eröffnung der Ausstellung nach Hamburg reisen.
Suschitzkys Bilder spiegeln den Blick eines ungewöhnlichen Dokumentaristen wider – eines Mannes, geprägt von einer fortschrittlichen politischen Haltung und begabt mit einer großen poetischen Sensibilität. Bei der Gestaltung seiner Bilder interessierten ihn keine Konventionen. »Komposition ist keine Frage der Regeln,« hat er einmal gesagt, »sie ist eine Frage des Geschmacks.«
Die Ausstellung zeigt eine Auswahl von rund 60 hochwertigen Silbergelatine Handabzügen auf Baryt-Papier, darunter insgesamt 11 Vintage Prints. Unter dem Titel wolf suschitzky photos ist ein umfangreicher Fotoband im Verlag SYNEMA-Publikationen Wien erschienen. Für die Berichterstattung stehen, neben dem Titel, acht weitere Motive zur Verfügung. Gerne senden wir Ihnen druckfähige Daten auf
Anfrage zu.
Galerie Hilaneh von Kories
05 / 09 REVIEW
17.06.2009
-
06.08.2009

Die Hamburger Galerie Hilaneh von Kories präsentiert vom 17. Juni bis 6. August 2009 die Ausstellung » 05 " 09 Review « .
Im April 2005 eröffnete Hilaneh von Kories ihre geräumige Galerie in einem Gewerbehof in der Hamburger Stresemannstrasse. Jetzt präsentiert die Galeristin dort in der Ausstellung » 05 " 09 Review « einen ersten Rückblick auf die vielfältigen fotografischen Arbeiten, die sie in den vergangenen vier Jahren gezeigt hat. » 05 " 09 Review« zeigt Exponate von
Thomas Bak
Loïc Bréard
Andreas Deffner
Arve Dinda
Herbert Dombrowski
Corinna Holthusen
Heike Ollertz
Sheila Rock
Schilte & Portielje
Im April 2005 eröffnete Hilaneh von Kories ihre geräumige Galerie in einem Gewerbehof in der Hamburger Stresemannstrasse. Jetzt präsentiert die Galeristin dort in der Ausstellung » 05 " 09 Review « einen ersten Rückblick auf die vielfältigen fotografischen Arbeiten, die sie in den vergangenen vier Jahren gezeigt hat. » 05 " 09 Review« zeigt Exponate von
Thomas Bak
Loïc Bréard
Andreas Deffner
Arve Dinda
Herbert Dombrowski
Corinna Holthusen
Heike Ollertz
Sheila Rock
Schilte & Portielje
Schilte & Portielje
ROLMODELLEN MALEREI X FOTOGRAFIE
05.03.2009
-
28.05.2009

Die Hamburger Galerie Hilaneh von Kories präsentiert vom 5.März bis 28. Mai 2009 die Ausstellung »Rolmodellen« mit Bildern von Schilte & Portielje.
Ein Bilderkosmos ganz in schwarz-weiß, und eine Welt, in der oft einzelne, entrückt wirkende Figuren den Mittelpunkt behaupten. Diese Sicht bestimmt den ersten Eindruck des Werkes des niederländischen Fotokünstler-Duos Schilte & Portielje. Schnell ließe sich auf klassisch analoge Fotografie schließen. Doch die Figuren, überwiegend Frauen
mit eigenwillig verdrehten, manchmal manieristisch anmutenden Gliedmaßen und aufwändiger, an extravagante Haute Couture erinnernde Garderobe, offenbaren die willentliche Konstruktion dieser Körper.
1975 haben sich die gelernte Malerin Jacqueline Portielje und der studierte Architekt Huub Schilte kennengelernt und inspirieren sich seither nicht nur gegenseitig in ihren Einzelarbeiten, sondern ergänzen sich derart, dass sie seit 1997 unter dem Gemeinschaftsnamen Schilte & Portielje zusammen arbeiten. Beide erforschen seit 1994 den Computer als künstlerisches Medium und nutzen ihn als "digitale Dunkelkammer", aber auch als Zeichen- und Malwerkzeug für ihre fotografischen Arbeiten.
Technisch gesehen produzieren Schilte & Portielje Computer-Collagen, denen lange und komplexe Arbeitsvorgänge vorausgehen. Jeder für sich wählt aus einer großen Bilddatenbank Fragmente aus, die anschließend auf ihre Tragfähigkeit für ein gemeinsames Bild untersucht werden und zu klein- bis großformatigen, aus mehreren Sektionen bestehenden Bildern verwirklicht werden. Die Zusammen-arbeit, in der sie ebenso Einzelnes wie Gemeinsames produzieren, schließt kritisches Begutachten und Verwerfen jedes einzelnen Beitrags ein. Dieser Produktion unterliegt ein Prozess der Intuition, der keine genaue Regeln, vielmehr ein lang eingeübtes Verständnis kennt.
Was in den ausschließlich schwarz-weißen Bildern auffällt ist neben der Behandlung der einzelnen Figur die Rückenansicht. Zahlreiche ihrer Werke zeigen den Menschen von "hinten", manchmal auch hinten und vorne kombiniert, indem die Beine sich ins Bild hinein bewegen, der Oberkörper sich aber aus diesem hinaus bewegt. Anderen Bildern wohnt ein dezent surrealistischer, manchmal sogar mythologischer Zug inne, wie z.B. dem Bildnis einer Frau mit überdimensioniertem Schwan, welches unweigerlich an Darstellungen der Leda erinnert.
Schilte & Portieljes Werke reflektieren die Welt, in der sie leben, auf künstlerische Weise. Sie beschäftigen sich mit fundamentalen Aspekten des menschlichen Seins. Um jedoch der Deutung ihrer Bilder keine Richtung zu geben, verzichten Schilte & Portielje bewußt auf Titel. Die Interpretation ihrer Arbeiten soll ausschließlich beim Betrachter liegen. Ihre Werke sind keine Fotografien im klassischen Sinne, sondern vielmehr Bilder, die sie "in einen Dialog zwischen Fotografie und Zeichnung" setzen. Deshalb verwundert es auch nicht, ihre Arbeiten wie in der Malerei teilweise mit Firnis versiegelt zu sehen.
Die Ausstellung »Rolmodellen« zeigt eine Auswahl von großformatigen Lambda-Prints auf mattem Acrylglas in Holzrahmen. Bei den kleinen Motiven handelt es sich um Prints auf Fuji Crystal, übertragen auf Leinwand und aufgezogen auf handgefertigte Holzrahmen, mit UV-Gel und Firnis beschichtet. Unter dem Titel »photoworks beyond reality« ist ein Ausstellungskatalog erschienen. Huub Schilte und Jacqueline Portielje arbeiten und leben in Rotterdam.
Ein Bilderkosmos ganz in schwarz-weiß, und eine Welt, in der oft einzelne, entrückt wirkende Figuren den Mittelpunkt behaupten. Diese Sicht bestimmt den ersten Eindruck des Werkes des niederländischen Fotokünstler-Duos Schilte & Portielje. Schnell ließe sich auf klassisch analoge Fotografie schließen. Doch die Figuren, überwiegend Frauen
mit eigenwillig verdrehten, manchmal manieristisch anmutenden Gliedmaßen und aufwändiger, an extravagante Haute Couture erinnernde Garderobe, offenbaren die willentliche Konstruktion dieser Körper.
1975 haben sich die gelernte Malerin Jacqueline Portielje und der studierte Architekt Huub Schilte kennengelernt und inspirieren sich seither nicht nur gegenseitig in ihren Einzelarbeiten, sondern ergänzen sich derart, dass sie seit 1997 unter dem Gemeinschaftsnamen Schilte & Portielje zusammen arbeiten. Beide erforschen seit 1994 den Computer als künstlerisches Medium und nutzen ihn als "digitale Dunkelkammer", aber auch als Zeichen- und Malwerkzeug für ihre fotografischen Arbeiten.
Technisch gesehen produzieren Schilte & Portielje Computer-Collagen, denen lange und komplexe Arbeitsvorgänge vorausgehen. Jeder für sich wählt aus einer großen Bilddatenbank Fragmente aus, die anschließend auf ihre Tragfähigkeit für ein gemeinsames Bild untersucht werden und zu klein- bis großformatigen, aus mehreren Sektionen bestehenden Bildern verwirklicht werden. Die Zusammen-arbeit, in der sie ebenso Einzelnes wie Gemeinsames produzieren, schließt kritisches Begutachten und Verwerfen jedes einzelnen Beitrags ein. Dieser Produktion unterliegt ein Prozess der Intuition, der keine genaue Regeln, vielmehr ein lang eingeübtes Verständnis kennt.
Was in den ausschließlich schwarz-weißen Bildern auffällt ist neben der Behandlung der einzelnen Figur die Rückenansicht. Zahlreiche ihrer Werke zeigen den Menschen von "hinten", manchmal auch hinten und vorne kombiniert, indem die Beine sich ins Bild hinein bewegen, der Oberkörper sich aber aus diesem hinaus bewegt. Anderen Bildern wohnt ein dezent surrealistischer, manchmal sogar mythologischer Zug inne, wie z.B. dem Bildnis einer Frau mit überdimensioniertem Schwan, welches unweigerlich an Darstellungen der Leda erinnert.
Schilte & Portieljes Werke reflektieren die Welt, in der sie leben, auf künstlerische Weise. Sie beschäftigen sich mit fundamentalen Aspekten des menschlichen Seins. Um jedoch der Deutung ihrer Bilder keine Richtung zu geben, verzichten Schilte & Portielje bewußt auf Titel. Die Interpretation ihrer Arbeiten soll ausschließlich beim Betrachter liegen. Ihre Werke sind keine Fotografien im klassischen Sinne, sondern vielmehr Bilder, die sie "in einen Dialog zwischen Fotografie und Zeichnung" setzen. Deshalb verwundert es auch nicht, ihre Arbeiten wie in der Malerei teilweise mit Firnis versiegelt zu sehen.
Die Ausstellung »Rolmodellen« zeigt eine Auswahl von großformatigen Lambda-Prints auf mattem Acrylglas in Holzrahmen. Bei den kleinen Motiven handelt es sich um Prints auf Fuji Crystal, übertragen auf Leinwand und aufgezogen auf handgefertigte Holzrahmen, mit UV-Gel und Firnis beschichtet. Unter dem Titel »photoworks beyond reality« ist ein Ausstellungskatalog erschienen. Huub Schilte und Jacqueline Portielje arbeiten und leben in Rotterdam.
Sheila Rock
Spiritual Beings - The Way of the Tibetan Monk
19.11.2008
-
30.01.2009

Die Hamburger Galerie Hilaneh von Kories präsentiert vom 19. November 2008 bis zum 30. Januar 2009 unter dem Titel »Spiritual Beings – the Way of the Tibetan Monk« in einer Ausstellung gleich zwei außergewöhnliche Bildzyklen der amerikanischen Fotografin Sheila Rock.
Beide belegen ihr besonderes Gespür für eine Fotografie, die über das
rein Dokumentarische hinausgeht. Das zeigen sowohl ihre Aufnahmen
tibetischer Mönche im indischen Exil im Hauptteil der Ausstellung, in
denen sie die außergewöhnliche Gelassenheit und Stille eines religiös
geprägten Alltags eingefangen hat, als auch in eine Auswahl an Fotografien von Pferden, jenen Lebewesen, die im Laufe von Jahrhunderten dank ihrer Kraft und Grazie einen besonderen Rang in der Wertschätzungsskala in allen Kulturen erlangt haben – sowohl im Westen
als auch im Osten.
Es ist die erste Ausstellung Sheila Rocks in Deutschland, die seit Anfang
der siebziger Jahre in London lebt und in den achtziger Jahren mit ihren
Arbeiten für inhaltlich und künstlerisch einflussreiche Kulturzeitschriften
wie THE FACE den Stil der Fotografie jener Epoche mitprägte. Ihre feinfühlige Handschrift und ihr Sinn für charaktervolle Motive zeigten sich rasch bei Porträts berühmter Musiker. In diesen Begegnungen verfeinerte sie ihr Handwerk und entwickelte eine besondere Menschenkenntnis und Einfühlungsvermögen. Was sie obendrein entdeckte, war, dass Menschen eine bestimmte »Lichtqualität« besitzen. Etwas, das sich auf Film einfangen lässt.
Dieses Konzentrat zeigt sich in den Bildern der buddhistischen Mönche im Kloster von Sera Jey. Dort gelang es ihr bei mehreren Besuchen, die Rituale und Zeremonien einzufangen wie auch die Details der kargen, asketischen Existenz der Bewohner: die Falten von Gewändern, die Hände auf hölzernen Gebetsbüchern, und vor allem das Mienenspiel ihrer Gesichter. Das Resultat ist ein Ensemble des Wesentlichen, das die nach innen gerichtete Gemeinschaft des Klosters und die Vorbereitung der
Mönche auf das Samsara, dem Kreislauf der Wiedergeburten, im wahrsten Sinne des Wortes versinnbildlicht.
Sheila Rock fand in ihrer Beschäftigung mit der Ruhe, Klarheit und Gelassenheit der Mönche künstlerisch zu jener »perfekten Balance«, die es ihr erlaubt, »die Ideen von jemand anderem in meinem Stil auszudrücken«. Es begann mit ihrer eigenen Suche nach spiritueller Inspiration. Sie traf auf der ersten Reise ins Kloster, das nach der Vertreibung der Mönche aus Tibet und der Zerstörung ihrer dortigen Gebäude 1970 in Indien neu enstanden war, unter anderem Seine Heiligkeit den 14. Dalai Lama. Die neuen Kontakte ermöglichten ihr ab 1998 ihr Fotoprojekt zu realisieren für das sie in einem Zeitraum von vier Jahren immer wieder ins Kloster zurückkehrte. Die Kraft der Bilder erkannte der amerikanische Buchverlag Columbia University Press, der im Jahr 2005 den Zyklus unter dem Titel »Sera: The Way of the Tibetan
Monk« veröffentlichte. Inzwischen waren die Fotografien in Ausstellungen unter anderem in New York und London zu sehen.
Ehe sie sich in Indien mit den Anhängern der im Westen vergleichsweise wenig bekannten buddhistischen Lehre beschäftigte, war Sheila Rock eine Zeit lang sehr intensiv einem anderen Thema nachgegangen: der Schönheit und Ausstrahlung von Pferden, die schon immer in der darstellenden Kunst des Abendlandes eine Rolle spielten. Sheila Rock ging einen Schritt weiter. Sie baute u.a. ein eigenes Outdoor-Studio, um jedem vierbeinigen Modell so viel Platz und Entfaltungsfreiheit wie
möglich zu gewähren. Auf diese Weise gelang es ihr, ihre eigene spirituelle und poetische Beziehung zu dem jeweiligen Pferd einzufangen. Das Resultat ist eine Serie von Fotografien, die einige Kritiker an die Arbeit des englischen Landschaftsmalers Thomas Gainsborough erinnern.
Sheila Rock hatte als Studentin in Boston das Fach »Film« belegt und sich in jener Zeit ausgemalt, Dokumentarfilmerin zu werden – und zwar mit dem Schwerpunkt »humanitäre und gesellschaftlich relevante Themen«. Die Anziehungskraft der eher extrovertierten Persönlichkeiten aus der Musik- und Unterhaltungsindustrie und die der Fotografie war zunächst stärker. In dieser Phase porträtierte sie herausragende Sänger und Musiker wie Placido Domingo, Sting, Youssou N‘Dour, Kenji Omura
und Enya. Ihre Bilder erschienen in zahlreichen Magazinen, darunter Vogue, Elle, Glamour, Architectural Digest und The Sunday Times. Mehrere ihrer Fotografien befinden sich in der ständigen Sammlung der National Portrait Gallery in London. In der Neuorientierung hin zu einer spirituellen Thematik schloss sich jedoch ein Kreis. Sie fand zu gesellschaftlich relevanten Themen zurück und erkannte den Kontrast zu jener frühen Tätigkeit, die sie einmal mit dem Satz beschrieben hat: »So viel in meiner Arbeit besteht aus dem Versuch, alles zu glamourisieren.« Sie entdeckte noch eine wichtigere, zentrale Wahrheit: »Wahrscheinlich bin ich wirklich eine Porträt-Fotografin. Ich versuche, jedes Mal eine Beziehung zu der Person herzustellen, ich möchte die Emotionalität und den Geist dieses Menschen einfangen. Wir sind alle spirituelle Lebewesen.«
Beide belegen ihr besonderes Gespür für eine Fotografie, die über das
rein Dokumentarische hinausgeht. Das zeigen sowohl ihre Aufnahmen
tibetischer Mönche im indischen Exil im Hauptteil der Ausstellung, in
denen sie die außergewöhnliche Gelassenheit und Stille eines religiös
geprägten Alltags eingefangen hat, als auch in eine Auswahl an Fotografien von Pferden, jenen Lebewesen, die im Laufe von Jahrhunderten dank ihrer Kraft und Grazie einen besonderen Rang in der Wertschätzungsskala in allen Kulturen erlangt haben – sowohl im Westen
als auch im Osten.
Es ist die erste Ausstellung Sheila Rocks in Deutschland, die seit Anfang
der siebziger Jahre in London lebt und in den achtziger Jahren mit ihren
Arbeiten für inhaltlich und künstlerisch einflussreiche Kulturzeitschriften
wie THE FACE den Stil der Fotografie jener Epoche mitprägte. Ihre feinfühlige Handschrift und ihr Sinn für charaktervolle Motive zeigten sich rasch bei Porträts berühmter Musiker. In diesen Begegnungen verfeinerte sie ihr Handwerk und entwickelte eine besondere Menschenkenntnis und Einfühlungsvermögen. Was sie obendrein entdeckte, war, dass Menschen eine bestimmte »Lichtqualität« besitzen. Etwas, das sich auf Film einfangen lässt.
Dieses Konzentrat zeigt sich in den Bildern der buddhistischen Mönche im Kloster von Sera Jey. Dort gelang es ihr bei mehreren Besuchen, die Rituale und Zeremonien einzufangen wie auch die Details der kargen, asketischen Existenz der Bewohner: die Falten von Gewändern, die Hände auf hölzernen Gebetsbüchern, und vor allem das Mienenspiel ihrer Gesichter. Das Resultat ist ein Ensemble des Wesentlichen, das die nach innen gerichtete Gemeinschaft des Klosters und die Vorbereitung der
Mönche auf das Samsara, dem Kreislauf der Wiedergeburten, im wahrsten Sinne des Wortes versinnbildlicht.
Sheila Rock fand in ihrer Beschäftigung mit der Ruhe, Klarheit und Gelassenheit der Mönche künstlerisch zu jener »perfekten Balance«, die es ihr erlaubt, »die Ideen von jemand anderem in meinem Stil auszudrücken«. Es begann mit ihrer eigenen Suche nach spiritueller Inspiration. Sie traf auf der ersten Reise ins Kloster, das nach der Vertreibung der Mönche aus Tibet und der Zerstörung ihrer dortigen Gebäude 1970 in Indien neu enstanden war, unter anderem Seine Heiligkeit den 14. Dalai Lama. Die neuen Kontakte ermöglichten ihr ab 1998 ihr Fotoprojekt zu realisieren für das sie in einem Zeitraum von vier Jahren immer wieder ins Kloster zurückkehrte. Die Kraft der Bilder erkannte der amerikanische Buchverlag Columbia University Press, der im Jahr 2005 den Zyklus unter dem Titel »Sera: The Way of the Tibetan
Monk« veröffentlichte. Inzwischen waren die Fotografien in Ausstellungen unter anderem in New York und London zu sehen.
Ehe sie sich in Indien mit den Anhängern der im Westen vergleichsweise wenig bekannten buddhistischen Lehre beschäftigte, war Sheila Rock eine Zeit lang sehr intensiv einem anderen Thema nachgegangen: der Schönheit und Ausstrahlung von Pferden, die schon immer in der darstellenden Kunst des Abendlandes eine Rolle spielten. Sheila Rock ging einen Schritt weiter. Sie baute u.a. ein eigenes Outdoor-Studio, um jedem vierbeinigen Modell so viel Platz und Entfaltungsfreiheit wie
möglich zu gewähren. Auf diese Weise gelang es ihr, ihre eigene spirituelle und poetische Beziehung zu dem jeweiligen Pferd einzufangen. Das Resultat ist eine Serie von Fotografien, die einige Kritiker an die Arbeit des englischen Landschaftsmalers Thomas Gainsborough erinnern.
Sheila Rock hatte als Studentin in Boston das Fach »Film« belegt und sich in jener Zeit ausgemalt, Dokumentarfilmerin zu werden – und zwar mit dem Schwerpunkt »humanitäre und gesellschaftlich relevante Themen«. Die Anziehungskraft der eher extrovertierten Persönlichkeiten aus der Musik- und Unterhaltungsindustrie und die der Fotografie war zunächst stärker. In dieser Phase porträtierte sie herausragende Sänger und Musiker wie Placido Domingo, Sting, Youssou N‘Dour, Kenji Omura
und Enya. Ihre Bilder erschienen in zahlreichen Magazinen, darunter Vogue, Elle, Glamour, Architectural Digest und The Sunday Times. Mehrere ihrer Fotografien befinden sich in der ständigen Sammlung der National Portrait Gallery in London. In der Neuorientierung hin zu einer spirituellen Thematik schloss sich jedoch ein Kreis. Sie fand zu gesellschaftlich relevanten Themen zurück und erkannte den Kontrast zu jener frühen Tätigkeit, die sie einmal mit dem Satz beschrieben hat: »So viel in meiner Arbeit besteht aus dem Versuch, alles zu glamourisieren.« Sie entdeckte noch eine wichtigere, zentrale Wahrheit: »Wahrscheinlich bin ich wirklich eine Porträt-Fotografin. Ich versuche, jedes Mal eine Beziehung zu der Person herzustellen, ich möchte die Emotionalität und den Geist dieses Menschen einfangen. Wir sind alle spirituelle Lebewesen.«