Galerie Brockstedt

Horst Janssen und Hans Brockstedt.
Ein kongeniales Team seit 1957.


Anläßlich des 1. Todestages von Hans Brockstedt zeigen wir Meisterzeichnungen von Horst Janssen und Fotos von beiden.

Vernissage: Donnerstag, 30 10.2018, 18 - 21 Uhr


Galerie Brockstedt

Magdalenenstraße 11

20148 Hamburg

Die Ausstellung läuft bis 25.01.2019

Öffnungszeiten: Dienstag – Freitag 10 – 18 Uhr

und nach Vereinbarung.

Horst Janssen
zu Paranoia, 1982
44 x 28,5 cm
Pastell auf Papier

 

Horst Janssen - mit dem Rücken zur Wand
Horst Janssen war ein Exzentriker, ein Egomane, der in seinem Leben vielen Menschen vor den Kopf gestoßen hat. Doch in Phasen unbändiger Schaffenskraft offenbarte sich ein zeichnerisches Genie.

Das Telefon klingelt, bestimmt zehn, zwölf Mal. Doch Horst Janssen sitzt nur seelenruhig in seinem Sessel. Er weiß, am anderen Ende der Leitung ist Philipp Baron de Rothschild. Von ihm hatte Janssen die ehrenvolle Aufgabe erhalten, das Etikett für einen Jahrgang des berühmten Hauses zu entwerfen. Nur das Honorar musste noch besprochen werden, doch Janssen hebt einfach nicht ab. Viel lieber berauscht er sich an dem Gedanken, dass er, ein Schneidersohn aus Oldenburg, einem Rothschild das Gespräch verweigert.

„Er hatte sich du diesem ’Ereignis’ sogar Freunde eingeladen“, erzählt Galerist Hans Brockstedt. „Janssen liebte solche Inszenierungen.“ Brockstedt hatte den exzentrischen Künstler 1957 kennen gelernt und als Erster dessen frühe Holzschnitte im größeren Rahmen ausgestellt. Hautnah erlebte der Galerist Janssens Aufstieg zum bedeutendsten Zeichner und Grafiker des Landes. Bis zu dessen Tod 1995 verband die beiden eine enge Geschäftsbeziehung. Und eine Freundschaft.

„Janssen war als Person unberechenbar, ihn zu reizen das Einfachste von der Welt“, sagt Brockstedt, „Er brauchte den Streit geradezu.“ Seine mächtigen Schimpftiraden waren gefürchtet, schnell hatte er sich den Ruf eines Bürgerschrecks erworben. „Aber Janssen hatte viele Seiten. Schlagartig taten ihm seine Ausfälle leid, dann schmeichelte er wortgewandt, wollte seinen Gegenüber mit Geschenken überhäufen.“

Janssen war stets ein Mensch extremer Phasen. Wenn er arbeitete, schottete er sich konsequent von seiner Umwelt ab, verzichtete strikt auf Alkohol und Liebschaften. Er litt in diesen Phasen, kannte lähmende Blockade und urplötzliche Entladungen unbändiger Schaffenskraft. Seine Zeichnungen und Radierungen offenbaren einzigartige Formfantasien, seine Landschaften und Figuren offenbaren Erotik, Trauer, und Vergänglichkeit.

Janssen hat sein Haus in Blankenese nur selten verlassen, er sagte einmal von sich, dass er mit dem Rücken zur Welt lebe. Doch die kann ihm heute noch in vielen Ausstellungen direkt ins Gesicht blicken. Denn auch das gehörte zu der großen Janssen-Inszenierung: Wohl kein Künstler auf der Welt hat mehr Porträts von sich selbst gefertigt.

 

Hamburg 2006

Horst Janssen und Hans Brockstedt - ein kongeniales Team seit 1957
30.10.18  -  25.01.19

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