Galerie Carolyn Heinz

Martin Kasper

METPO

16.-25. November 2017

Weit offene Räume – geschlossen. Die eigentümlichen, menschenleeren Räume von Martin Kasper gewähren, bühnenbildgleich, einen zentralperspektivischen Einblick durch eine fehlende vierte Wandseite. Der Betrachter scheint sich nicht inmitten des Raumes zu befinden, sondern er bleibt außen vor. Zu sehen sind keine privaten, sondern in der Regel öffentliche Räume – Hallen, museale Ausstellungsräume, Unterführungen, Garagen.

Sie sind verlassen, das Leben ist aus ihnen gewichen. Spuren des Abbruchs eines praktischen Lebenszusammenhangs, der einmal die Räume sinnvoll füllte, sind zwar sichtbar, aber es finden sich keine direkten Zeugnisse einer individuellen Nutzung. Die Räume haben vielmehr eine raum-zeitliche Dimension, die in ihrer inneren Abgeschlossenheit und Fremdheit weder eine narrativ ergänzende Lesart einfordern noch im Sinne der Spurensicherung als Zeugen einer Erinnerungskultur gelesen werden können.

Indem die dargestellten Räume von allem Leben entleert sind, wird der Betrachter auf den malerischen Prozess selbst, auf die illusionistische Präsentation der räumlichen Gebilde verwiesen. Damit stellt sich aber auch grundsätzlich die Frage, wie es um die objektive Welt bestellt ist und ob sie nicht als reine Vorstellung, als Schein zu entlarven ist.

Zudem löst Kasper in einigen neueren Arbeiten seine bisher eher statischen Raumarchitekturen zugunsten einer stärkeren, manchmal dekonstruierenden Dynamik auf, die sich auch farblich und in der Materialauswahl mitteilt. Verwendete er zuvor Eitemperafarben, die eine mattglänzende, gleichmäßig ruhige Oberfläche erzeugt, arbeitet er nun häufig mit Ölfarben, deren Prozesshaftigkeit im Arbeitsvorgang eine größere Bandbreite an Oberflächenqualitäten in sich birgt. Die teils gespachtelten, nervöseren Texturen der Ölfarben korrespondieren mit der Unwirtlichkeit oder auflösenden Dynamik der Orte. 

Martin Kasper, 1962 geboren in Schramberg im Schwarzwald, lebt und arbeitet in Freiburg im Breisgau. Studium der Freien Kunst an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe.

Kaspers Arbeiten waren bereits in zahlreichen auch musealen Ausstellungen in Europa, Amerika, Russland und Asien zu sehen. Er ist Mitglied im Deutschen Künstlerbund.

 

 

Martin Kasper
METPO
16.11.17  -  25.11.17

Martin Meiswinkel

ANORDNUNGEN

Eröffnung: 21. September, 19 Uhr
21. - 30.09. 2017

In seiner bereits sieben Jahre zurückliegenden ersten Einzelausstellung in der Galerie zeigte Martin Meiswinkel intensiv farbige Bilder und reliefartige Wandobjekte mit perfekt ausgearbeiteten Oberflächen. Mit Hilfe von Verzerrungen, gezielter Farbanordnung oder illusionistischen Perspektiven überschritten die Formelemente die Bildebenen, ohne sich zu diesen Ebenen eindeutig zu verhalten.

In der aktuellen Ausstellung „Anordnungen“ sind die Farben stark zurückgenommen, Oberflächen sind von dem Material und dessen spezifischen, nicht immer vorhersehbaren Eigenschaften mitbestimmt, die ornamentale Rhetorik ist verschwunden. Geblieben sind die grundlegenden Fragestellungen der Malerei:
Wodurch und wie wird ein Bild ein Bild und wie ist das Verhältnis von „Motiv“ zu Bildträger? Wie entsteht aus einer zweidimensionalen Anordnung von Farbflächen ein Bildraum, wie kann der Übergang zu einer dreidimensionalen Konstruktion aussehen? Wo endet ein Bild und welchen Einfluss nimmt ein Rahmen auf das Bild?

Während Martin Meiswinkel seine Bilderfindungen früher vor ihrer Ausführung meist vollständig durchdacht, am Computer konstruiert und mit absoluter Präzision ausgeführt hat, entwickelt er die aktuellen Arbeiten prozesshaft und spielt mit Zufallsmomenten. Jeder neue Eingriff ist eine Reaktion auf zuvor Entstandenes. Die Materialauswahl provoziert Unvorhersehbares, auf das der Künstler antworten - oder es verwerfen muss. So nutzt er beispielsweise als Druckstöcke Industriehölzer, billiges Material, das für die Härte des Druckvorgangs eigentlich ungeeignet ist und sich bei jedem Druckvorgang unberechenbar verändert. Es entstehen daher in der Regel nur sehr kleine Auflagen, manchmal lediglich Unikate.

Martin Meiswinkel setzt spannungsvoll formale Strenge gegen Prozesshaftigkeit, minimalistische Reduktion gegen sensible Materialität. Damit wird der Kunst eine andere Aufgabe zugewiesen, als die dominante Rationalität der modernen Zivilisation in sich zu reproduzieren. Sie ist ein ständiges Verhandeln zwischen dem So-ist-es und dem möglichen Anderssein.

Di - Fr 12-18 Uhr, Sa 12 - 16 Uhr und nach Vereinbarung

Martin Meiswinkel
ANORDNUNGEN
21.09.17  -  30.09.17

figure it out

Eröffnung: 8. September, 18 Uhr

08. - 16. September 2017

Zum Saisonstart der Galerien im Kontorhausviertel zeigt
Galerie Carolyn Heinz Arbeiten von Kerstin Drechsel, Jan-Holger Mauss und Yin Meng

In Kooperation mit den Galerien Ruth Sachse und Cristine Janssen

figure it out
08.09.17  -  16.09.17

IN BETWEEN
Sommerausstellung mit Künstlern der Galerie
01. - 12. August 2017

Fernando de Brito, Katharina Büche, Kerstin Drechsel, Jens Hanke, Moritz Hasse
José Carlos Izquierdo, Astrid Köppe, Martin Meiswinkel, Jana Schumacher und Yin Meng

IN BETWEEN
01.08.17  -  12.08.17

KERSTIN DRECHSEL - PFLEGEKIND 2

14.-24. Juni 2017

Wir freuen uns, mit Pflegekind 2 unsere erste Einzelausstellung der Berliner Künstlerin Kerstin Drechsel zu präsentieren.

Kerstin Drechsel erforscht in ihren Arbeiten seit vielen Jahren Themen, die um weibliche und queere Identität im Kontext gesellschaftlicher Normen kreisen und löst diese formal mit Leichtigkeit und subversiver Haltung auf ganz unterschiedliche Art und Weise auf. Hierbei ist das so genannte traditionelle Tafelbild genauso Bestandteil, wie eine vervielfältigte Zeichnung in Form eines unlimitierten Auflagenplakats, bedruckte Raumelemente oder archivähnliche Ansammlungen. Intimität, Grenzen von Schönheitsbegriffen, Ordnung und Unordnung sowie die Schnittstelle von Privatsphäre und Öffentlichkeit sind zentrale narrative Aspekte ihrer Arbeiten. Recherchiertes und Erlebtes wird subjektiv angeeignet und sowohl auf inhaltlicher Ebene zu einer Vielfalt von bildnerischen Möglichkeiten gebracht, als auch auf malerisch-grafischer Ebene, denn Ihre Arbeiten thematisieren immer die Malerei selbst, den Prozess des Malens. Drechsels Projekte sind umfangreich und verknüpfen das Medium Malerei/Grafik mit interdisziplinären Fragen nach heutigen Möglichkeiten der Darstellung und der Figuration, nach deren Einbindung in einen gesellschaftlichen Kontext und deren Einbindung in den sie umgebenden Raum. So ergibt sich, dass Kerstin Drechsel nicht nur im zweidimensionalen Bereich arbeitet, sondern immer wieder dreidimensionale und installative Formen mit ihrer Malerei kombiniert.

Der Ausgangspunkt für die Ausstellung in der Galerie Carolyn Heinz war für Drechsel eine Topfpflanze, abgestellt auf einer Berliner Straße, in den Zweigen das Schild: „Pflegekind 2, nursing-child 2, please don´t steal it. Thank you!“. Um dieses gemalte Motiv herum führt sie Arbeiten unterschiedlicher Motive und Realisationsformen zusammen. Alle Arbeiten kreisen um Aspekte von verschwinden, untersuchen, überlagern, zerteilen, zusammenfügen, abreißen, flicken.

Kerstin Drechsel
Pflegekind 2
14.06.17  -  24.06.17

ESTHER NAUSED - Impuls

22.03. - 01.04.2017

Esther Nauseds Arbeiten auf Papier sind Konstruktion und freier prozesshafter Entwurf zugleich. Grundthema ist der Raum und die Bildtiefe. Es entstehen keine konkreten Räume, Esther Nauseds Arbeiten bleiben ungegenständlich. Was stimmig ist, wird in einem Prozess kontrollierter Variation entdeckt. Immer wieder sucht Esther Naused nach Variationen, will bei jedem Bild von neuem überrascht werden. Ohne eine konkrete Vorstellung beginnt sie mit dem intuitiven Auftrag von wässrigen, waagerechten und senkrechten Bahnen auf das Papier und schafft damit die formalen Voraussetzungen zur Entstehung von Räumlichkeit. In einem zweiten Schritt arbeitet Naused mit Tusche oder Acrylfarben in diese wässrigen Bahnen hinein. Es entstehen Durchblicke, Spiegelungen, Horizonte, fließende Oberflächen oder feste Strukturen. Mal sind es dynamische Formationen, mal stille, fast sanfte Kompositionen. Immer spielt das Licht eine entscheidende Rolle.

Jedes Bild ist ein neuer Dialog zwischen der Künstlerin und den Eigenheiten des Materials. In Abwendung von einer konkreten Idee, ganz auf das Entstandene und den Augenblick bezogen, reagiert die Künstlerin auf das Bild, setzt einen neuen Impuls oder treibt Bestehendes voran. Der Blick des Betrachters gerät in Bewegung. Man wird hineingezogen in die Räume, sucht, wie es weiter gehen könnte, man gerät an einen schmalen Spalt, durch den man das Licht zu erblicken vermag, ein weites Feld öffnet sich wie eine Landschaft und zieht den Betrachter ins Unendliche, er schwingt im Rhythmus wellenförmiger Bewegungen. Dann wieder meint man, fotografisch-reale Strukturen zu erkennen, kann diese aber nicht wirklich greifen. Aus sparsamsten, feinsten Strukturen und den Farben, von denen sie getragen werden, entfaltet sich ein Reichtum von Assoziationen.

Esther Naused, geboren 1960 in Hamburg, studierte Freie Kunst an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg bei Prof. Gotthard Graubner. 2016 erhielt sie das Arbeitsstipendium der Stiftung Kunstfonds. Zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen.
Esther Naused lebt und arbeitet in Hamburg.

Esther Naused
Impuls
22.03.17  -  01.04.17

MORITZ HASSE - ÜberLichtungen 

Eröffnung: Mittwoch, 25. Januar 18 Uhr

26.01. - 04.02.2017

Moritz Hasse bereist Großstädte und fotografiert. Dann kehrt er in sein Atelier zurück und übersetzt diese eingefrorenen Momente in Ölmalerei. Mit breitem Pinselstrich, aus dem eine Unschärfe resultiert, entstehen keine fotorealistischen Arbeiten, sondern transformierte Wirklichkeiten.

Zu sehen sind nicht die Prachtboulevards oder Sehenswürdigkeiten der Metropolen, sondern ihre ganz gewöhnlichen „Allerweltsstraßen und -orte“. Hasse zeigt sie meist menschenleer, ihrer städtischen Vitalität beraubt, oftmals in gleißendes Sonnenlicht getaucht mit langen Schattenwürfen, im Gegenlicht oder mit Spiegelungen auf nassen Straßen: Poetische Bilder voller Sinnlichkeit und dabei von einer prosaischen Ruhe, wie sie einem manchmal ganz früh morgens begegnet, bevor das Leben der Stadt beginnt.

Kein Detail beansprucht besondere Aufmerksamkeit, aber ebenso ist nichts als nebensächlich gekennzeichnet. Alles wirkt alltäglich, verbindlich und erzeugt dennoch zugleich eine seltsame Irritation. In ihrer Konzentration auf den Moment, dem Innehalten an einem spannungsreichen Balancepunkt, der den Betrachter in einem Schwebezustand hält, wirken die Bilder manchmal wie film stills. Es sind atmosphärische Momente einer Großstadt, flüchtig, profan und doch hoch ästhetisch. 

Moritz Hasse
ÜberLichtungen
26.01.17  -  04.02.17

Galerie Carolyn Heinz, Cristine Janssen Galerie und Galerie Ruth Sachse laden Sie herzlich ein zu unserer letzten gemeinsamen Ausstellung in diesem Jahr:

Das Runde und das Eckige am Baum

15. - 18. Dezember 2016

Eröffnung: 14. Dezember, 18 Uhr

Do-So 12-18 Uhr

Kleine Reichenstraße 1, 20457 Hamburg

Mit Gert-Jan Akerboom, Florian Borkenhagen, Lars Eckert, Jens Hanke, Peter Fleischer-Harkort, Sebastian Heiner, Claudia Hoffmann, Birgit Klerch, Astrid Köppe, Michael Kutschbach, Svenja Maaß, Marnie Moldenhauer, Matthias Oppermann, Martin Praska, Bastian Raiss, Peter Riek, Simon Waßermann, Vanessa von Wendt, Stefanie Woch, Yin Meng

Das Runde und das Eckige am Baum
15.12.16  -  18.12.16

ASTRID KÖPPE

Fusiform

24. November - 03. Dezember 2016

Eröffnung: 23. November, 18 Uhr

Bislang verband man mit Astrid Köppe Zeichnungen auf Papier im DIN A4 Format und große, schwere Emaillearbeiten. Auf diesen beiden Trägermaterialien, die unterschiedlicher gar nicht sein könnten, treten dem Betrachter eigentümliche, unidentifizierbare Schöpfungen entgegen. Die oft amöbenhaften, haarigen Wesen und eigenartigen Artefakte wirken nicht allein durch ihre Vereinzelung auf der Fläche fremd und irritierend, lösen jedoch immer auch Erinnerungen an Gesehenes aus.

Seit einiger Zeit nun experimentiert die Künstlerin aber auch mit weiteren Medien.

Zunächst entstanden Wandinstallationen aus künstlichen Wimpern oder kleinen Styroporkügelchen, welche die faszinierenden, scheinbar haptischen Qualitäten ihrer Zeichnungen in den dreidimensionalen Raum erweiterten. Kaum war der Bann gebrochen, baute Astrid Köppe das Spektrum der benutzen Techniken und Materialien weiter aus. Inzwischen entstehen Arbeiten auf Holz, hinter Glas oder auf Leuchtkästen. Mit Radierung und Papierprägung, Aufgrundierung und Versilberung bedient Köppe sich heute nur selten benutzter, klassischer Techniken in nun ungewöhnlicher Verwendung. Aber auch die künstlerische Umnutzung von Alltagsgegenständen spielt immer wieder eine Rolle.

Der schichtweise Auftrag des recht körperhaften Materials führt bei den Emaillen zu einer Art Reliefbildung. Die Wirkung dieses Effekts mit seinen Licht- und Schattenkanten hatte Astrid Köppe in der Technik vielfach ausgelotet, bis hin zum Extrem von rein weißen oder schwarzen Arbeiten, deren Motive nur unter entsprechendem Lichteinfall wirklich sichtbar wurden. Die neuen Arbeitstechniken erweitern diese Möglichkeiten.

Bei Ihren „Brettchen“ beispielsweise trägt Köppe Schicht für Schicht Kreidegrund auf eine Holzplatte auf. Sie kann ihn als Relief anlegen, die Fläche gravieren oder andere Materialien einlassen. Die Oberfläche wird versilbert oder mit Poliment oder Milch „geschlossen“. Nur unter bestimmten Bedingungen erscheinen auch die Zeichnungen, die sie auf die versilberte Oberfläche mit Lack aufträgt und die erst erkennbar werden, wenn das Silber anläuft.

Ihrem Formenrepertoire bleibt Astrid Köppe auch mit den neuen Materialien treu. Sie schöpft aus dem Pool alltäglicher Beobachtung. Im Prozess der Wahrnehmung extrahiert sie für sie interessante Aspekte, die im Verlauf der Arbeit ein zusätzliches Eigenleben gewinnen, sich wandeln, erweitern oder reduzieren. Unmittelbar sinnlich erfahrbar und suggestiv sprechen Astrid Köppes Arbeiten eine poetische, reduzierte Formensprache, geheimnisvoll und von außerordentlicher Zartheit. Sie spielen mit den Assoziationen und halten den Betrachter dennoch auf Distanz.

Astrid Köppe
Fusiform
23.11.16  -  03.12.16

PAPIERVERLIEBT #2



Gert-Jan Akerboom I Fernando de Brito I Jens Hanke I Astrid Köppe I


Michael Kutschbach I Martin Meiswinkel I Esther Naused

21. September - 1. Oktober 2016

Eröffnung: 21. September, 18 Uhr

Nach der erfolgreichen „papierverliebt“ Ausstellung im Juli in Berlin folgt nun die zweite, variierte Auflage in unserem neuen Ausstellungsraum in Hamburg. Sieben Künstler aus Berlin, Hamburg und Köln zeigen, was mit Tusche, Stift, Druckstock und Papier so alles möglich ist.

Papierverliebt #2
22.09.16  -  01.10.16

Am 9. September 2016 eröffnen Galerie Carolyn Heinz, Cristine Janssen I Galerie und Ruth Sachse I Kunst der Gegenwart den Ausstellungsraum Kleine Reichenstraße 1. In einer Art gallery-sharing-project werden die drei Galerien in dem Raum abwechselnd Ausstellungsprojekte realisieren.

"Inbetriebnahme" stellt exemplarisch das Herbstprogramm der drei Galerien vor:

Mit: Gert-Jan Akerboom I Fernando de Brito I Martin Meiswinkel I Birgit Klerch I Herbert Lammers I Martin Praska

Ort: Kleine Reichenstraße 1, 20457 Hamburg

INBETRIEBNAHME
09.09.16  -  17.09.16

PAPIERVERLIEBT

Eröffnung: Mittwoch, 6. Juli, 18 Uhr

Mit Gert-Jan Akerboom, Fernando de Brito, Katharina Büche, Jens Hanke, Jóse Carlos Izquierdo,  Astrid Köppe, Michael Kutschbach, Karin Marquardt, Esther Naused und Jana Schumacher  

Galerie Carolyn Heinz zu Gast in der Galerie No3  

Ort: Galerie No3, Schröderstraße 3, 10115 Berlin

papierverliebt
07.07.16  -  16.07.16

Galerie Carolyn Heinz zu Gast bei  Galerie No3 Berlin, Schröderstraße 3, 10115 Berlin

Astrid Köppe

FUSIFORM

02.04 23.04.2016

 

Eröffnung: Freitag, 01.04.2016, 19 Uhr in  Berlin, Schröderstraße 3

Bislang verband man mit Astrid Köppe Zeichnungen auf Papier im DIN A4 Format und große, schwere Emaillearbeiten.  Auf diesen beiden Trägermaterialien, die unterschiedlicher gar nicht sein könnten,  treten dem Betrachter eigentümliche,  unidentifizierbare  Schöpfungen entgegen. Die oft  amöbenhaften,  haarigen  Wesen und eigenartigen Artefakte wirken nicht allein durch ihre Vereinzelung  auf der Fläche fremd und irritierend.

Seit einiger Zeit nun experimentiert die Künstlerin aber auch mit weiteren Medien. Zunächst entstanden Wandinstallationen aus künstlichen Wimpern oder kleinen Styroporkügelchen, welche die faszinierenden, scheinbar haptischen Qualitäten ihrer Zeichnungen in den dreidimensionalen Raum erweiterten.

Kaum war der Bann gebrochen, baute sie das Spektrum der benutzen Techniken und Materialien weiter aus. Inzwischen entstehen Arbeiten auf Holz, hinter Glas oder auf Leuchtkästen. Mit Radierung und Papierprägung, Aufgrundierung und Versilberung bedient Köppe sich heute nur selten benutzter, klassischer Techniken in nun ungewöhnlicher Verwendung. Aber auch die künstlerische Umnutzung von Alltagsgegenständen spielt immer wieder eine Rolle.

Der schichtweise Auftrag des recht körperhaften Materials führt bei den Emaillen zu einer Art Reliefbildung. Die Wirkung dieses Effekts mit seinen Licht- und Schattenkanten  hatte Astrid Köppe in der Technik vielfach ausgelotet, bis hin zum Extrem von rein weißen oder schwarzen Arbeiten, deren Motive nur unter entsprechendem Lichteinfall wirklich sichtbar wurden.  Die neuen Arbeitstechniken erweitern diese Möglichkeiten.

Bei Ihren "Brettchen" beispielsweise trägt Köppe Schicht für Schicht Kreidegrund auf eine Holzplatte auf. Sie kann ihn als Relief anlegen, die Fläche gravieren oder andere Materialien einlassen. Die Oberfläche wird versilbert oder mit Poliment oder Milch "geschlossen". Nur unter bestimmten Bedingungen erscheinen auch die Zeichnungen, die sie auf die versilberte Oberfläche mit Lack aufträgt und die erst erkennbar werden, wenn das Silber anläuft.

Ihrem Formenrepertoire bleibt Astrid Köppe auch mit den neuen Materialien treu. Sie schöpft aus dem Pool alltäglicher Beobachtung. Im Prozess der Wahrnehmung extrahiert sie für sie interessante Aspekte, die im Verlauf der Arbeit ein zusätzliches Eigenleben gewinnen, sich wandeln, erweitern oder reduzieren.  Unmittelbar sinnlich erfahrbar und suggestiv sprechen Astrid Köppes Arbeiten eine poetische, reduzierte Formensprache, geheimnisvoll und von außerordentlicher Zartheit. Sie spielen mit unseren Assoziationen und halten uns dennoch auf Distanz.  

 

Astrid Köppe
FUSIFORM
02.04.16  -  23.04.16

Galerie Carolyn Heinz zeigt das Projekt

KALIBRIERUNG1

von Margret Eicher und Adi Hoesle

bei der UNPAINTED media art fair.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Galerie Carolyn Heinz - Booth 16

Postpalast München

Wredestraße 10

80335 München

 

 

Margret Eicher und Adi Hoesle
unpainted
17.01.14  -  20.01.14

ME, MYSELF AND I

Kerstin Drechsel * Margret Eicher * Reinhold Engberding * Hanna Nitsch

Malerei, Tapisserie und Digitaldruck

Der Prozess, in dem sich ein eigenes Ich bildet, führt durch unwegsames Gelände, ist voller Ungewissheiten und Zweideutigkeiten und kann nie die immer drohende Gefahr des Scheiterns endgültig hinter sich lassen. Vier Künstler spüren diesem immer wieder in Gang gesetzten spannungsreichen Prozess auf ganz unterschiedliche Weise nach.

Margret Eicher verbindet die barocke Form des Bildteppichs mit der Bildsprache heutiger Massenmedien. Als Kommunikationsmedium war die höfische Tapisserie Instrument der Selbstvergewisserung, Projektionsfläche und Spiegel höfischer Lebensform. Eicher zitiert formal, aber auch funktional die höfische Tapisserie, verwendet aber heutige Bildmotive von typisierender Gültigkeit und gleichzeitig flüchtiger Trivialität. Indem Eicher ständig zwischen traditionellem Bildklischee - der höfischen machtrepräsentierenden Tapisserie - und aktuellen Thematiken changiert, betont sie den prägenden Einfluss medialer Bilder auf unsere gesellschaftlichen Strukturen und kulturellen Muster - auf unsere kollektive Identität.

In Hanna Nitschs Arbeiten ist das Thema Kindheit zentral. Hinter dem, was Kindern kulturell zugeschrieben wird, zeigt Hanna Nitsch in ihren Tuschearbeiten eine Vielfalt von sowohl freundlichen wie auch zerstörerischen, gleichsam polymorph-perversen (Freud) Möglichkeiten. Diese markieren immer auch Widerstände gegen die kulturelle Zurichtung. Das Individuum geht nicht allein in dem auf, was als Leitbild kultureller Identität durchgesetzt wird. Die Arbeiten von Hanna Nitsch beschäftigen sich somit natürlich mit dem Thema kindlicher Identitätssuche, bilden jedoch vor allem Projektionsflächen, in die wir als Betrachter unsere phantasierten Möglichkeiten und dunklen Rückerinnerungen hineinlegen.

In verschiedenen Werkgruppen beschäftigt Reinhold Engberding sich mit konstruierten Identitäten. Stets ist die Konstruktion offensichtlich und stets ist der Künstler selbst in den Konstruktionsprozess verwoben. Schon mit der Spaltung seines künstlerischen ICHs in den bildenden Künstler Engberding und sein fiktives, literarisch agierendes Alter Ego Nidden-Grien ist die Fragilität der Identitätsbildung präsent. In der Serie "Is that my son?" phantasiert er durch den Werktitel eine mögliche familiäre Beziehung zwischen sich und - in seiner aktuellen Installation in Tübingen - den mit Tusche portraitierten jungen Männern, die er von einer fragwürdigen amerikanischen mughsot-website dem Internet entnommen hat. In der Serie "Willisau-Bartoles" überlagert Engberding fremde Kinderfotos mit Zeichnungen des eigenen kindlichen Gesichts. So setzt der Künstler die Unsicherheit, wer das eigene Ich ist, ins Bild.

Kerstin Drechsel hingegen untersucht und hinterfragt in ihren Werkgruppen Normen und Grenzen gesellschaftlicher Ordnung. Sie wählt sehr private Einblicke, wie beispielsweise den ungeschönten Einblick in ein privates Wohnumfeld oder die intimen Begegnungen zwischen Frauen. Ihre Malerei hat jedoch nichts Entlarvendes oder Voyeuristisches. Objektiv beobachtende Untersuchung und empathische Zugewandtheit halten sich in ihren Bildern sensibel die Waage. Kategorien und Strategien traditioneller Repräsentationsformen und Denkmuster werden durchkreuzt und aufgeweicht. Drechsel gelingt mit ihren Arbeiten ein feinfühliger Blick auf privaten Widerstand, Geschlechterrollen und sexuelle Identitäten.

Kerstin Drechsel * Margret Eicher * Reinhold Engberding * Hanna Nitsch
me, myself and I
05.10.13  -  27.10.13

Das menschliche Gesicht fasziniert die Bildende Kunst seit jeher. Die Form und Funktion von Portraitdarstellungen wandelte sich zwar durch die Zeiten, einem wirklichen Paradigmenwechsel unterliegt sie jedoch in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Künftig steht der Wert des Portraits als Kunstwerk über der Forderung der Ähnlichkeit des Modells mit seinem Porträt. Das Thema unterliegt zunehmend auch extrem eigenwilligen Auslegungen des Künstlers - bis hin zur rein konzeptionellen Darstellung, die den Verlust des konkreten Abbilds bedeutet.

Die Ausstellung zeigt aktuelle Positionen zum Portrait und beschränkt sich dabei auf Malerei und Zeichnung.


Jochen Hein,  J.W.T., 2004, Acryl auf Jute, 180 x 130 cm (Detail)

Die erste Gruppe von Arbeiten beschäftigt sich mit dem Thema Selbstportrait. Der in Köln, Hamburg und Paris lebende Künstler Bodo Baumgarten zeigt eine Auswahl aus einer 101 Arbeiten umfassenden   Werkreihe von Selbstportraits, die klassisch mit Spiegel in diesem Fall mit zwei über Eck stehenden Spiegeln  entstanden sind. In den sehr freien, in vielfältigen Farben schillernden Selbstportraits der chinesische Künstlerin Yin Meng hingegen findet man eher ihr Innenleben gespiegelt. Der Hamburger Künstler Jochen Hein zeigt ein Beispiel aus seiner fast altmeisterlich wirkenden Portraitreihe, die als Kanon menschlicher Typen gedacht, in ihrer speziellen Auswahl dann aber eben doch auch als Selbstportrait(s) zu verstehen sind.

In einer zweiten Gruppe werden verschiedene künstlerische Positionen zum Thema "klassisches" Portrait gezeigt. Die Portraits der polnischen Künstlerin Malgorzata Neubart erinnern in ihrem transzendenten Ausdruck an Ikonenmalereien. In ihnen verschmelzen individuelle Gesichtszüge mit der inneren, wesenhaften Erscheinung der Person. Die in Berlin  lebende Künstlerin Diana Sprenger erarbeitet ihre Portraits direkt mit einem Modell. Aber die weitgehend von ihren physiognomischen Merkmalen abgelösten Gesichter aus Grautönen und Schraffuren müssen sich regelrecht   aus dem Bildgrund hervorkämpfen um dann, bei Betrachtung aus unmittelbarer Nähe, eine ungeheure Plastizität zu entwickeln. Die Vorbilder zu Ommo Willes Portraits entstammen indessen einer medizinischen Publikation der 50er Jahre, in der exemplarisch herzkranke Patienten vorgestellt sind. Anhand der abgebildeten Fotografien sowie der dokumentierten Kranken- und knappen Lebensgeschichte hat Wille freie Portraits dieser individuellen Schicksale entstehen lassen.

Eine dritte Gruppe bilden Arbeiten, die ganz ohne Figur auskommen und doch ein spezielles Individuum beschreiben. Während die Liniengeflechte des Hamburger Künstlers Fernando de Brito Struktur und Dynamik der von ihm portraitierten Persönlichkeiten aufgreifen und damit ein vollkommen abstraktes Bild einer Person entwerfen, interessiert sich Kerstin Drechsel für den privaten Raum ihrer Protagonisten. Drechsel portraitiert die Bewohner der Räume durch sensibel beobachtende, intime Studien ihres persönlichen häuslichen Umfelds.

Bodo Baumgarten · Fernando de Brito · Kerstin Drechsel · Jochen Hein · Malgorzata Neubart · Diana Sprenger · Ommo Wille · Yin Meng
EN FACE - Portraitpositionen in Malerei und Zeichnung
24.08.13  -  27.09.13

Künstler der Galerie

Arbeiten von:

Bodo Baumgarten, Moritz Hasse, P. N. Heikenwälder, Astrid Köppe, Esther Naused, Hanna Nitsch, Matthias Reinmuth, Yin Meng

Bitte informieren Sie sich auf unserer website über die besonderen Sommeröffnungszeiten

Bodo Baumgarten, Moritz Hasse, P. N. Heikenwälder, Astrid Köppe, Esther Naused, Hanna Nitsch, Matthias Reinmuth, Yin Meng
mix it up
29.06.13  -  09.08.13

Wenn ein Künstler nach einem mehrmonatigen Arbeitsaufenthalt in Kalifornien in den norddeutschen Winter zurückkehrt, kann man sich Vieles vorstellen, aber wohl kaum, dass die Wärme, Sonne und Leichtigkeit des kalifornischen Lebens keinerlei Spuren in dessen Werk hinterlassen würden.

Auch Peter Nikolaus Heikenwälders durch seinen USA-Aufenthalt inspirierte neue Werkgruppe, die ab dem 17. Mai in der Galerie Carolyn Heinz zu sehen sein wird, unterscheidet sich deutlich von den Arbeiten, die vor dem Aufenthalt entstanden sind. Beziehen sich seine bisherigen Arbeiten eher auf die unbestimmte Unendlichkeit eines dunklen, fremden Raumes, der an eine Unterwasserwelt oder den Weltraum erinnern mag, weisen die neuen Leinwandarbeiten stets eine Horizontlinie auf und lassen den Betrachter unwillkürlich eine Landschaft assoziieren.

Unter dem Titel "Pacificus - Versuch über Ferne" hat Heikenwälder sich vor allem dem Thema "Seestück" gewidmet. Das rechte sunny-California-feeling will sich zwar nicht einstellen atmosphärisch erlebt man eher einen rauen, herbst-winterlichen Pazifik und doch wirken diese Arbeiten auf den ersten Blick unbefangener und spielerischer als zuvor.

Aber selbstverständlich wären es nicht Peter Heikenwälders Arbeiten, würde es sich um herkömmliche Landschaftsbilder handeln: wie stets ist es das delikate Spiel zwischen Narration und Abstraktion, das in seinen Arbeiten fasziniert und zu vielfältigen Assoziationen anregt. Die häufige Verwendung von Blautönen sowie der Einsatz rhythmisch wiederkehrender, wellenartiger Strukturen lassen an Wasser denken, ohne dass wirklich Wasser dargestellt wäre.   Rosafarbene puffige Gebilde schweben wie Wolken durch den Raum. Hohle, aus durchscheinendem Schachbrettmuster bestehende Objekte wälzen sich wellenförmig über die Ebene. Unklar bleibt, in welcher Realität wir uns befinden. Einzig die blaue Farbigkeit oberhalb der Horizontlinie lässt kaum eine andere Assoziation zu als die des Himmels und unterstreicht so den Landschaftseindruck.

Neu in Peter Nikolaus Heikenwälders Werk sind die leichten, in lockerem Duktus ausgeführten und in Kalifornien entstandene Aquarelle, in denen man Spontaneität und Unbeschwertheit zu spüren vermeint. Auch hier findet sich, wie so oft in Heikenwälders Arbeiten, ein subtiler, zuweilen dunkler Humor.


Peter Nikolaus Heikenwälder (*1972 in Hamburg) studierte von 1997-2003 Freie Kunst an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig bei Prof. Friedemann von Stockhausen und Prof. Klaus Stümpel. Er lebt und arbeitet seit 2003 in Hamburg. Pacificus  ist seine fünfte Einzelausstellung in der Galerie Carolyn Heinz.

Peter Nikolaus Heikenwälder
Pacificus - Versuch über Ferne
17.05.13  -  22.06.13

Weit offene Räume geschlossen. Die eigentümlichen, menschenleeren Räume von Martin Kasper gewähren, bühnenbildgleich, einen zentralperspektivischen Einblick durch eine fehlende vierte Wandseite. Niemals befindet sich der Betrachter inmitten des Raumes, stets bleibt er außen vor. Kasper zeigt keine privaten, sondern in der Regel öffentliche Räume.

Sie sind verlassen, das Leben ist aus ihnen gewichen. Spuren dieses Abbruchs eines praktischen Lebenszusammenhangs, der einst die Räume sinnvoll füllte, sind zwar sichtbar, aber es finden sich keine Zeugnisse einer individuellen Nutzung, eines konkreten Lebens.

Die Räume haben vielmehr eine raum-zeitliche Dimension, die in ihrer inneren Abgeschlossenheit und Fremdheit weder eine narrativ ergänzende Lesart einfordern noch im Sinne der Spurensicherung als Zeugen einer Erinnerungskultur gelesen werden können.

Indem die dargestellten Räume von allem Leben entleert sind, werden wir auf     den malerischen Prozess selbst, auf die illusionistische Präsentation räumlicher Gebilde  verwiesen. Damit stellt sich aber auch grundsätzlich die Frage, wie es um die objektive Welt bestellt ist und ob sie nicht als reine Vorstellung, als Schein zu entlarven ist.

Im Gegensatz zu Martin Kaspers Motiven, die wir problemlos zu identifizieren meinen, um dann festzustellen, dass sie nicht das sind, was sie vorzugeben scheinen, sind uns Reinhold Engberdings plastischen Arbeiten spontan fremd:

Dunkle geschlossene Gebilde weit offen. Nach klaren konstruktiven Regeln, die sich der Künstler für jede Arbeit neu setzt, häkelt er in Runden mit dem immer gleichen schwarzen Garn und einheitlicher Maschentechnik zunächst hüllenhafte Formen.  Diese werden gefüllt, die  dann jeweils  entstandene Form mit Wachs und Schellack gefestigt und  schließlich  das Füllmaterial wieder entfernt.

Die entstandenen amorphen Hohlkörper stehen in eigentümlicher Ambivalenz zum äußerst konstruktiven Entstehungsprozess und dem gleichförmigen, ruhigen Häkelmuster. Sie scheinen mit Leben erfüllte Körper, sind aber hohl. Und obwohl sie dem Betrachter zunächst fremd erscheinen, entströmt ihnen eine unerklärliche Wärme.  Meist hängend, bewegen sie sich im Raum, als wollten sie ihn in Besitz nehmen.

Das Sehen bedeutet für den Sehenden eine Art Kontrolle. Durch das Sehen erkennen wir. Kasper und Engberding setzen diese  Möglichkeit  der Kontrolle außer Kraft. Wir sehen die Dinge und doch erkennen wir sie nicht. Dinge, die wir zu erkennen scheinen, verlieren auf einmal ihre Bedeutung, und zu Formen, die uns zunächst fremd sind, bauen wir gerade dadurch eine Beziehung auf.

   

Reinhold Engberding  (*1954 in Herten) studierte Landschaftsplanung und Freien Kunst in Kassel, Kiel und Den Haag.  Ausstellungen und Stipendien in Europa, USA und Asien. Mitglied im Deutschen Künstlerbund.  Lebt und arbeitet in Hamburg

 

Martin Kasper(*1962 in Schramberg), absolvierte ein   Studium der Freien Kunst an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste, Karlsruhe.  Ausstellungen und Stipendien in Europa, Amerika und Asien. Mitglied im Deutschen Künstlerbund.  Lebt und arbeitet in Freiburg im Breisgau



Reinhold Engberding / Martin Kasper
anscheinend scheinbar
23.03.13  -  03.05.13

Abbildung:

o.T. (#119), 2012, Emaille auf Stahl, 120 x 110 cm

 

Puschelige Wesen, amöbenhafte Getiere, haarige Dinger kontextlos treten dem Betrachter diese eigentümlichen, unidentifizierbaren Schöpfungen gegenüber. Nicht allein durch ihre Vereinzelung wirken sie fremd und irritierend.

Astrid Köppe bedient sich aus dem Pool der unmittelbar erlebten, sinnlich wahrnehmbaren Welt. Doch sie bildet nicht ab, sondern extrahiert bereits im Prozess der Wahrnehmung die für sie interessanten Aspekte des Gesehenen und formt vor ihrem inneren Auge eine Essenz. Mit dieser Essenz im Kopf macht sie sich ans Zeichnen der imaginativen Formen, die dann im Verlauf der Arbeit durchaus ein zusätzliches Eigenleben gewinnen können.

Unmittelbar sinnlich erfahrbar und suggestiv sprechen Astrid Köppes Zeichnungen und Emaillearbeiten eine poetische, sehr reduzierte Formensprache, geheimnisvoll und von außerordentlicher Zartheit. Sie spielen mit unseren Assoziationen und halten uns dennoch auf Distanz.

Die Einfachheit der gezeichneten Form, deren schlichte und doch spezifische Beschaffenheit schärft die Wachheit gegenüber dem Wesen der alltäglichen, oft geradezu banalen Dinge, gegenüber der Schönheit ihrer Einzelformen, ihrer Oberfläche, ihrer Konsistenz. So nimmt uns die Künstlerin auf eine Reise mit, bei der wir den unterschiedlichsten Welt-Dingen begegnen, die uns zwar einerseits vertraut, gleichzeitig aber auch fremd erscheinen. Durch diese beunruhigende Erfahrung sind wir gezwungen, uns selbst den Weg zu suchen. Die Bilder geben keine Hilfestellung in direkter Weise, aber immerhin doch in der Form, dass sie durch die Stimmigkeit der Darstellung uns die Möglichkeit einer anderen Ordnungsbildung spüren lassen.

 

Astrid Köppe
shape up
26.01.13  -  16.03.13

Digitale Tapisserien und CopyCollagen

Margret Eicher interessieren Muster: Muster als typisierte Strukturen des Denkens, des Fühlens und Verhaltens nicht zuletzt des Gestaltens.

Es sind die visuellen Grundmuster, die unseren Alltag prägen. Das wussten Menschen sich schon immer zu Nutze zu machen. In Mythen, Erzählungen und Bildwerken dienten Idole und Heroen als mustergültige Vorbilder, um das jeweilige kulturelle Welt- und Selbstverständnis zum Ausdruck zu bringen. Bestimmte Verhaltensmuster wurden idealisiert und als erstrebenswert und prototypisch vorgeführt. Als ein solches Kommunikationsmedium war auch die höfische Tapisserie Instrument der Selbstvergewisserung, Projektionsfläche und Spiegel höfischer Lebensform. Sie zeigte kein Abbild der Welt, sondern deren Überformung und Deutung.

Margret Eichers großformatige Medientapisserien zitieren formal - aber auch funktional - die höfische Tapisserie absichtsvoll offensichtlich. Die Motive zeigen figurative Szenen von typisierender Gültigkeit und gleichzeitig flüchtiger Trivialität. Sie sind digitale Montagen aus vorgefundenem, medialem Bildmaterial. Verwendetes Figurenpersonal und Staffage entstammen historischen Gemälden, vor allem aber zeitgenössischer Medienfotografie. Eicher fügt die einzelnen Fragmente am Rechner zu Collagen zusammen, um in einem aufwendigen digitalen Bearbeitungsprozess die verschiedenen Bildteile zu einem bildräumlichen Kontinuum zu verbinden. In einem der Malerei vergleichbaren Verfahren wird das fotografische Vorbild zugunsten einer malerischen, der höfischen Tapisserie vergleichbaren Ästhetik zurückgedrängt.

Aktuelle Medienbilder, inszenierte Werbe- wie auch journalistische Fotografie, davon ist Margret Eicher überzeugt, bedienen sich traditioneller Bildcodes, die in unserem kollektiven Bildspeicher verankert und damit unmittelbar verstehbar sind. Indem Eicher ständig zwischen traditionellem Bildklischee - der höfischen machtrepräsentierenden Tapisserie - und aktuellen Thematiken changiert, betont sie den prägenden Einfluss medialer Bilder auf unsere gesellschaftlichen Strukturen, Muster, auf unser gesamtes Lebensgefühl.

Im Zitat der höfischen Tapisserie als Kommunikationsmedium geht es um die allgegenwärtige manipulative Wirkungsmacht der Bilder über unser Meinen, Fühlen, Wollen.

Um die Reflektion des öffentlichen Bildes und seiner Subtexte geht es Margret Eicher auch in den CopyCollagen, die sie bereits seit den 80er Jahren entwickelt. Auch hier bedient sie sich der alltäglichen Flut der Bilder in Hochglanz- und Nachrichtenmagazinen. Entkontextualisiert und per Kopie vervielfältigt, kombiniert sie die gefundenen Einzelmotive in Collagetechnik seriell zu ornamentalen Wand und Rauminstallationen.   Auch hier sind es wieder die visuellen und gesellschaftlichen Normen und Muster, die Margrets Eichers Motivauswahl begründen und zum Ausgangspunkt einer neuen/alten ästhetischen Kategorie werden: dem Ornament.


Margret Eicher (*1955) studierte an Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf bei Prof. Fritz Schwegler und Prof. Rolf Sackenheim. Margret Eicher lebt in Berlin, Mannheim und Düsseldorf.

Arbeiten in öffentlichen Sammlungen:

Pfalzgalerie Kaiserslautern,  Rheinland Pfalz Landessammlung,  Westdeutsche Immobilienbank, Mainz,  Landesmuseum Karlsruhe, Schloß
Staatsgalerie Stuttgart,  Baden Württemberg Landessammlung,  Waiblingen, Sammlung des Stadt,  SüdWest LB Stuttgart,  Kunsthalle Mannheim,  Wilhelm Hack Museum Ludwigshafen,  Landesbank Rheinland Pfalz,  Nassauische Sparkasse Wiesbaden,  Ritterstiftung (RitterSport),  ZKM Medienmuseum, Karlsruhe,  Städtische Galerie Karlsruhe,  IKOB Kunsthalle (Internat. Kunst Ostbelgien) Eupen(B)

MARGRET EICHER
e_patterns
01.12.12  -  19.01.13

Songs on Reflection

Die beiden Berliner Künstler Jens Hanke und Moritz Hasse zeigen Arbeiten, die sich mit der Darstellung von Raum auseinandersetzen. Thematisch geht es in beiden Å’uvres im weiteren Sinne um Landschaften, die in dieser Kombination aber kaum unterschiedlicher ausgeprägt sein könnten. Gezeigt werden Kohlezeichnungen von Jens Hanke und mit breitem Pinsel in satten Farben ausgeführte Gemälde von Moritz Hasse; die Reduktion auf ein monochromes Zusammenspiel von Fläche und Linie einerseits kontrastiert mit dem Schwelgen in verführerischen Farbwirkungen andererseits. Auch die Sujets sind diametral entgegengesetzt: Imaginäre Landschaften, die aus einer apokalyptischen inneren Weltsicht zu resultieren scheinen bzw. präzise geschilderte Abbilder realer Stadtansichten, die eher das Abseitige, Unbeobachtete aufgreifen. In beiden Fällen geht es um das Erleben und Verarbeiten von Eindrücken um wiedergegebene und um intellektuell erarbeitete Reflektionen.

Jens Hanke zeigt Arbeiten aus seiner neuesten Serie "Island Me", in denen er auf großformatigen, mit Knochenleim grundierten Papierbögen mit durchaus malerisch anmutenden Kohlezeichnungen einen komplexen, surrealen Kosmos entwickelt. Gemahnen einzelne Elemente an Details der uns bekannten Welt, etwa Abraumhalden oder Tagebaulöcher, so kontrastieren sie mit anderen, teils technisch wirkenden Elementen, unvermutet auftretenden Konstellationen, die bewusst undefinierbar bleiben. Weder die Größenrelation noch die Funktion einzelner Elemente erschließen sich in einem einheitlichen Bildganzen. Der Raum wirkt fragmentiert und splittert facettenhaft auf. Der Betrachter erscheint beinahe hilflos in einer ihm fremd bleibenden Welt ohne Möglichkeit zur Orientierung. Nicht einmal der eigene Standpunkt ist genau definiert. Dynamisch wird der Blick in unwägbare Tiefen geführt eine optische Reise ins Unbekannte. Hinweise auf scheinbar Bekanntes werden dabei rasch ad absurdum geführt. Räumliche Erstreckungen verlaufen trotz aller suggestiven Bildhaftigkeit in Paradoxien aus. Aufgrund der unbelebt erscheinenden Landschaft ist das Individuum auf sich allein gestellt und wird auf seine eigenen Empfindungen zurückgeworfen  Island Me.

Moritz Hasse beschickt die Ausstellung mit Gemälden, die durch ihre grandiose Farbwirkung und einen souverän breiten Pinselduktus beeindrucken. Eine zeichnerische Grundauffassung liegt seinen Arbeiten bewusst nicht zugrunde, es geht um die scheinbar flüchtige Wiedergabe von Sinneseindrücken, die wie aus dem Augenwinkel wahrgenommen werden. Urbane Motive, die er in vielen Großstädten dieser Welt mit der Fotokamera aufgenommen hat, weisen den Gemälden ihren Titel zu. Trotz einer aus den breiten Pinselstrichen resultierenden "Unschärfe", die Hasses Malerei kennzeichnet, sind die Stimmungen prägnant und präzise geschildert. Der Betrachter erkennt instinktiv, in welcher Stadt ein Gemälde bzw. dessen fotografische Vorlage entstand. Das gleißende Licht von Rom kontrastiert mit der satten Farbigkeit einer Londoner Vorstadtstraße, Moskau verlangt eine andere Palette als Istanbul. Die Eindrücke der äußeren, realen Welt prägen die Darstellung, die gleichwohl auf magische Momente, auf besondere Lichtphänomene, auf dramatische Stimmungen abzuheben scheint und zuweilen an Standbilder aus Kinofilmen erinnert. Allein dies macht das emotionale Potenzial der Veduten anschaulich. Der Lebensraum europäischer Metropolen wird einer ebenso hoch ästhetisierten wie im Grunde profanen Betrachtung unterzogen und liefert zugleich ein Zeugnis subjektiver Weltsicht.

Der italienische Kunsttheoretiker der Renaissance, Giorgio Vasari, unterschied zwei Methoden in der Malerei seiner Gegenwart: disegno e colore Zeichnung und Farbe. Beide gestalterischen Möglichkeiten werden von Jens Hanke und Moritz Hasse für die zeitgenössische Kunst mustergültig präsentiert. Antipodisch stehen ihre Arbeiten nebeneinander und verweisen doch auf künstlerisch gleichwertige, legitime Möglichkeiten der Weltaneignung und Reflektion.

Text: Dr. Martin Steffens, Berlin

Jens Hanke wurde 1966 in Eilenburg geboren und studierte bis 1990 Malerei und Grafik an der  Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. Zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen sowie zweijährige Lehrtätigkeit am Columbia College Chicago.

Moritz Hasse, geboren 1972 in Bremen, studierte Freie Kunst an der Muthesius-Hochschule, Kiel und der Hochschule der Bildenden Künste, Berlin. Neben zahlreichen Ausstellungen zweijährige Lehrtätigkeit an der Bauhaus-Universität Weimar.

Beide Künstler leben und arbeiten in Berlin.

 

Jens Hanke // Moritz Hasse
SONGS ON REFLECTION
20.10.12  -  23.11.12

Die spannungsreiche Verbindung von dünnflüssigem Farbauftrag, feiner Lasurmalerei, herabtropfenden Farbschlieren und - inzwischen jedoch immer sparsamer verwendetem - pastos aufgespachteltem Farbmaterial bestimmt die Arbeiten des in Berlin lebenden Malers Matthias Reinmuth (*1974 in Heilbronn).

In einem prozesshaften Arbeitsstil überdeckt bzw. verschleiert Reinmuth den zu Beginn angelegten, zarten, aus fein lasierenden Schichten aufgebauten, hellen Hintergrund. Meisterlich versteht er es, mit seinen übereinander gelagerten Farbschichten die Tiefe des Raums auszuloten und je nach Farbgebung unterschiedlichste Stimmungen zu erzeugen. Am Ende dieses ersten Prozesses steht ein scheinbar unendlicher sphärischer Leerraum, in dem man sich verlieren kann wie in Monetschen Seerosenteichen oder den Farbfeldern von Rothko.

Die damit kontrastierenden, manchmal fast grob anmutenden, gestischen Setzungen dick aufgespachtelter oder aus der Tube aufgedrückter Farbgebirge brechen diese atmosphärischen Welten mehr oder weniger stark. Sie treten haptisch aus der zweidimensionalen Leinwand heraus und spielen eine wichtige Rolle im Spiel zwischen den verschiedenen Bild-, aber auch emotionalen Ebenen, zwischen Vorder- und Hintergrund, Nähe und Ferne.

Es ist die Mischung aus Zartheit und Schroffheit, aus Weite und Begrenztheit, es ist die aus dieser Spannung sich ergebende Delikatesse seiner Malerei, die an Reinmuths Arbeiten so fasziniert. Man verliert sich in der Farbe, in der Ort- und Zeitlosigkeit seiner Bilder, wie in der Weite des Meeres.

Matthias Reinmuth, geboren 1974 in Heilbronn, studierte Holzschnitt in Equador und Malerei an der UdK in Berlin und der Universidad des   Bellas Artes, Barcelona. Nach Studienaufenthalten in Indien und Südamerika schloss er 2004 sein Meisterstudium bei Georg Baselitz an der UdK Berlin ab. Seine Arbeiten waren seit dem in Ausstellungen in Paris, Stockholm, New York, Basel und Brüssel sowie unter anderem Berlin, Köln, Hamburg und Leipzig zu sehen.

MATTHIAS REINMUTH
Die Welt ist nicht genug
07.09.12  -  13.10.12

ACCROCHAGE

mit Arbeiten von  

Bodo Baumgarten // Fernando de Brito // Reinhold Engberding // Peter Nikolaus Heikenwälder // José Carlos Izquierdo // Astrid Köppe // Martin Meiswinkel // Hanna Nitsch

 

Bodo Baumgarten // Fernando de Brito // Reinhold Engberding // Peter Nikolaus Heikenwälder // José Carlos Izquierdo // Astrid Köppe // Martin Meiswinkel // Hanna Nitsch
SOMMER 2012
08.08.12  -  01.09.12

Die Ausstellung CITYHOF zeigt eine im Jahr 2009 entstandene fotografische Bestandsaufnahme des gleichnamigen Bürohaus-Ensembles in der Hamburger Innenstadt. Die vier 1956 durch den Architekten Rudolf Klophaus in unmittelbarer Nachbarschaft zum Hauptbahnhof erbauten Hochhausscheiben waren seinerzeit Hamburgs erste Bürohochhäuser nach dem Krieg.

An prominenter Stelle errichtet und mit hellen Leca-Fassaden-Platten verkleidet signalisierten sie weithin sichtbar den optimistischen Ausblick in eine hoffnungsvolle Zukunft und kennzeichnen gleichzeitig den Beginn der heute retrospektiv gemeinhin als "Nachkriegsmoderne" bezeichneten Epoche.

Das Interesse des in Hamburg lebenden Architekten und Fotografen Hagen Stier wurde erstmals auf den City-Hof gelenkt, als dessen Abriss bereits beschlossene Sache zu sein schien. Dabei spielen das Image und heutige Erscheinungsbild des Ensembles eine ganz entscheidende Rolle.

Mittlerweile durch graue Eternit-Platten verkleidet und deutlich gealtert haben   die vier Gebäude und die sie verbindende Ladenpassage eine weit weniger optimistische Wirkung auf den Passanten. Spricht man Hamburger auf den "City-Hof" an, erntet man nicht selten Achselzucken, wohingegen jeder gleich weiß, worum es geht, wenn man die "hässlichen grauen Klötze am Hauptbahnhof" erwähnt.

Dieses Schicksal einer nachträglichen unsensiblen Überformung teilen zweifelsohne viele Gebäude aus den 1950er und 60er Jahren. Was den City-Hof in dieser Hinsicht jedoch so speziell macht, ist sein prominenter Standort innerhalb der Hamburger Innenstadt, den man nicht erst seit deren Erweiterung in Richtung HafenCity als "Sahnestück" bezeichnen kann.

In der Peripherie würde man "so etwas" erwarten, nicht aber zwischen Hauptbahnhof, Kunstmeile und dem Ensemble Kontorhausviertel, dessen architektonische Heiligsprechung in Form einer Eintragung in die Weltkulturerbeliste der UNESCO derzeit diskutiert wird. Inmitten der Highlights also und mehr oder weniger als das Tor zur neuen HafenCity dämmert der City-Hof in einer Art Dornröschenschlaf vor sich hin.

Besonders eindrücklich wird dies beim Betreten der Ladenpassage in der Sockelzone, die sich entlang der abfallenden Geestkante langsam in Richtung Elbe hinabtreppt. Hier scheint die Zeit seit Jahrzehnten stillzustehen. Die im Innern vorgefundenen fast szenografischen Raumqualitäten stellen den Ausgangspunkt der vorliegenden fotografischen Serie dar, die einen besonderen Fokus auf die Passage legt.

Mit seinen großformatigen Fotografien, die auf den ersten Blick scheinbar wertungsfrei die vorgefundenen Räume abbilden, versucht Hagen Stier die Essenz des Ortes zu Tage fördern. Die Intention des Fotografen ist es dabei auch, das Publikum für einen Ort zu sensibilisieren, der sich zwar im Innersten der Stadt, aber dennoch nur am Rande der Wahrnehmung befindet.  

In diesem Sinne stellt es einen besonders glücklichen Umstand dar, dass die Ausstellung in der Galerie Carolyn Heinz gezeigt wird, befindet sich diese doch im Galeriehaus Hamburg, welches dem City-Hof direkt gegenüber liegt.

Hagen Stier
CITYHOF
08.06.12  -  07.07.12
Marco Meiran
sowieso
05.05.12  -  02.06.12

In jedem gegenständlichen Bild findet sich mikroskopisch gesehen - tausendfach das Aufeinandertreffen zweier Farben. Es entstehen Strömungen und Spannungen zwischen den Farben, die für die Malerei und schließlich für den Betrachter von höchster Bedeutung sind.

Geht man mit letzter Konsequenz weiter und fasst das elementare Aufeinanderprallen der Farben rein für sich ins Auge, dann wird es aus dem Mikrokosmos in die größeren Dimensionen unserer Wahrnehmungswelt heraufgeholt. Wenn die monochrome Malerei sich also in einem letzten Konzentrationsprozess auf eine einzige Farbe oder die Gegenüberstellung oder Reihung von Farbblöcken beschränkt, wendet sie sich nicht von der Welt ab, sondern blickt gerade umgekehrt in ihre Tiefe.

 Gegenstandslosigkeit, Verkörperung des Immateriellen, dem allein eine geistige Qualität eignet, verlangt die Einlassung des Betrachters auf die eigene sinnliche Erfahrung. In einer Zeit der Reizüberflutung und zunehmender Beschleunigung nimmt sich aber auch der Kunstbetrachter kaum noch Muße, sich auf reine Farbwirkungen einzulassen, deren Klang zu erleben, Harmonien und Disharmonien nachzuspüren.

Dieser Entwicklung möchte sich die Ausstellung SILENCE MIND mit Arbeiten von Fernando de Brito und Constantin Grüning entgegenstellen. Beide Künstler beschäftigen sich seit vielen Jahren mit monochromer Malerei. Die scheinbar einfarbigen Arbeiten entstehen durch Schichtung lasierender Farbaufträge. Nur so erreichen sie eine Farbtiefe, die sich von der eines einmalig deckenden Farbauftrags unterscheidet. Die Oberfläche scheint zwar undurchdringlich, aber das Auge ist dennoch in der Lage, in die darunterliegenden Farbschichten vorzudringen und die Fläche als Farbraum wahrzunehmen wenn auch nicht bewusst.

Grüning stellt für die Ausstellung Farbreihen jeweils gleichen Formats zusammen. Keine Farbe ist für sich allein wichtig oder dominiert über die andere. Die innere Spannung ergibt sich hier aus dem spezifischen Verhältnis der Farben zueinander.

Die Arbeiten von Fernando de Brito stellen hingegen nur jeweils zwei Farben gegenüber und bilden so monochrome Dualitäten. Er ordnet allgemein bekannten oder auch Paaren aus seinem Freundeskreis Farben zu und lässt so nonfigurative Portraits entstehen.

 

Fernando de Brito (*1956 in Portugal) studierte Freie Kunst an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg. Constantin Grüning (*1958 in Hamburg) absolvierte ein Studium der Illustration an der Fachhochschule für Gestaltung Hamburg. Beide Künstler leben und arbeiten in Hamburg.

 

Fernando de Brito // Constantin Grüning
SILENCE MIND - Monochrome Malerei
24.03.12  -  27.04.12

In den 60er und 70er Jahren sucht Bodo Baumgarten die Lösung für seine künstlerischen Fragestellen in der Rückführung der erlebten Realität auf reine geometrische Grundformen. Aber schon hier changieren die Arbeiten zwischen körperlicher Festigkeit und atmosphärischem Farbraum. In den 80er Jahren verlässt er diese geometrischen Vorzeichen und findet Stück für Stück zu offeneren Bildformen, die sich zunehmend freier formulieren lassen.

 

Hier setzt die Ausstellung MALEREI DÉCOUPÉ an, die Arbeiten von den 60er Jahren bis heute zeigt.

 

Farbe und Raum - sich wechselseitig verstärkend und in einem eigenständigen Bildkörper Gestalt findend - waren und sind zentrale Aspekte in Bodo Baumgartens Werk. Und nicht zuletzt ein stets prozesshafter Umgang mit dem Selbst, der Welt und dem Bild zeigt die Kontinuität in seinem künstlerischen Schaffen.

 

Bodo Baumgarten (*1940 in Gotenhafen/Gdinia) studierte freie Malerei an der Werkkunstschule Kiel und an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg bei den Professoren Domke, Brockmann, Grimm und Graubner. Umzug nach Köln.

Baumgarten erhielt in den 70er Jahren den Förderpreis der Akademie der Künste Berlin und war Stipendiat des Lichtwarkpreises, Hamburg, 1986 dann Stipendium des Kunstfonds Bonn.

Von 1989-2006 war er Professor für freie Malerei an der Hochschule der Bildenden Künste Saar in Saarbrücken.

Zahlreiche Ausstellungen in Deutschland und international. Baumgartens Arbeiten sind in wichtigen Sammlungen wie Nationalgalerie Berlin, Kunstmuseum Düsseldorf, Hamburger Kunsthalle, Sprengel Museum Hannover, Staatsgalerie Stuttgart u.a. vertreten.

 

 

Bodo Baumgarten lebt und arbeitet in Hamburg, Köln, Paris, Scharbeutz und Athen.

 

BODO BAUMGARTEN
MALEREI DÉCOUPÉ
04.02.12  -  17.03.12

Mit Arbeiten von: Willie Baronet (USA), Claus Becker (D), Cassandra Emswiler (USA),

Reinhold Engberding (D), B. C. Epker (NL), Heyd Fontenot (USA), Sakir Gökcebag (TR/ D), Marjolein de Groen (NL), Martin Kasper (D), Annebarbe Kau (D), Gerhard Lang (D/UK), Gabriele Langendorf (D), Dane Larsen (USA), Qiang Li (CHN), Greg L. Metz (USA), Jan Mladovsky (UK), Stefan Moos (D), Holger B. Nidden-Grien, Tobias Regensburger (D), Armin Rohr (D), Roland Schimmel (NL), Katrin Schmidbauer (D), Ludwig Schwarz (USA), Veronika Veit (D), Adam Veikkanen (AUS), Jenny M. Vogel (USA), Ulrich Wellmann (D), Wiedemann/Mettler (CH)

 

Kuratiert von Reinhold Engberding

 

Was passiert, wenn man einer Gruppe unterschiedlichster Künstler aus verschiedenen Ländern und aus verschiedenen Sparten ein Thema und ein Material, das sie verwenden sollen, vorgibt? Sie nutzen ALLE Möglichkeiten.

 

Für die internationale Gruppenausstellung "Invasionen / Invasions" hat sich der Kurator Reinhold Engberding genau diese Limitationen überlegt. Jeder der 28 Teilnehmer erhielt eine DIN A3 große Linoleumplatte und sollte diese in freigestellter Form für seinen Kommentar zum Thema verwenden. Herausgekommen ist eine große Bandbreite sowohl inhaltlicher als auch formaler Natur.

 

Mit dem Thema Invasion verbindet man spontan eine militärische Intervention. Darüber hinaus wird der Begriff aber auch im biologischen oder medizinischen Sektor verwendet. In welchen anderen Kontexten man sich diesem Begriff jedoch auch nähern kann, zeigt eindrucksvoll, spannend und amüsant die in der galerie carolyn heinz im Dezember und Januar laufende Ausstellung.

 

Thematisiert wurde beispielsweise das künstlerische Eindringen in einen (Galerie)raum. So baute etwa die niederländische Künstlerin Marjolein de Groen auf der Linoleumplatte ein Modell des Galerieraums und gestaltete darin eine Ausstellung mit ihren eigenen Arbeiten. Der Künstler Gerhard Lang (D/UK) gar zermahlte die Linoleumplatte zu feinem Staub, der zu Beginn der Ausstellung in den Galerieraum geblasen wird.

Der amerikanische Künstler Willie Baronet beschäftigt sich seit 1993 mit dem Thema Obdachlosigkeit und kauft für sein Projekt von Obdachlosen ihre selbst gemalten Pappschilder mit den unterschiedlichen Aufrufen, eine Grenzüberschreitung der üblichen Beziehung zwischen Obdachlosem/Bettler und Passant. Eines der Schilder montierte Baronet für die Ausstellung auf die Linoleumplatte und füllte sie über und über in winziger Schrift mit persönlichen Assoziationen zum Thema.

Heyd Fontenot (USA) wiederum lieferte eine Zeichnung mit dem Doppelportrait eines Künstlerkollegen. Der, ebenfalls Teilnehmer der Ausstellung, hatte in dem Glauben, die Linoleumplatte sei für ihn bestimmt, diese in einem unfreiwillig, jedoch zum Thema passenden, invasiven Akt aus Fontenots Atelier "entwendet". In Wahrheit war eine Platte zu wenig in die USA geschickt worden, die nun fehlte.

Adam Veikkanen (AUS) thematisiert in seinem Beitrag die invasiven Qualitäten des Fernsehers. Dieser bestimmt die Positionierung der Möbel im Zimmer, schafft es, wenn er nebenbei läuft, Gespräche zu lenken oder den Blick auf sich zu ziehen, obwohl man dies gar nicht möchte.

Holger B. Nidden-Grien, bekannt als Mann der Wörter, nimmt das Wort Invasionen auseinander und schreibt einen zehnzeiligen Text über das In-sich-gehen in seinen Träumen; gedruckt wird dieser auf alte Kopfkissenbezüge.

 

Im Zentrum der Ausstellung stehen aber die vielfältigen Versuche, der Technik des Linolschnitts, wie sie noch in Zeiten des Expressionismus, aber auch durch Picasso meisterlich entwickelt worden ist, mit aktuellen künstlerischen Ansätzen ein neues Leben zu geben. Exemplarisch dafür sind die mit großer bildnerischen Kraft ausgearbeiteten Linolschnitte von Armin Rohr, B.C. Epker, Gabriele Langendorf, Anne-Barbe Kau, Jan Mladovsky, Adam Veikkanen, Jenny Vogel oder Ulrich Wellmann.

Diese Arbeiten zeigen zum einen die große Bandbreite der Ausdrucksmöglichkeiten innerhalb dieses Druckverfahrens. Zum anderen wird deutlich, dass ähnlich wie bei anderen traditionellen künstlerischen Techniken auch die etwas anachronistische Technik des Linolschnitts in der Ausführung im übrigen selbst ein invasiver Akt in eine moderne Darstellungsform überführt werden kann.

 

Internationale Gruppenausstellung
INVASIONEN / INVASIONS
02.12.11  -  28.01.12

 

Wie vage, der Erinnerung entlockte Traumbilder erscheinen die Federzeichnungen des jungen spanischen Künstlers José Carlos Izquierdo dem Betrachter. Mit mythologischen Erzählungen spielend driften sie in einem Niemandsland zwischen Realität und Fiktion, poetisch und fragil, witzig und ein bisschen absurd. Die Grenzen zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verschwimmen und obwohl uns die Dinge irgendwie vertraut sind, sind sie zugleich verwirrend und fremd.

Izquierdos konstruktives Material sind Tausende von kleinen und kleinsten Zeichen, stark reduzierten, minimalistischen Formen wie Dreiecke, Kreise, Quadrate und Kreuze oder aber kurzen, geschwungenen Linien. Nur selten finden wir kompakte Linien oder Flächen. In der Regel kommen die Zeichnungen ohne Konturlinien aus. Sind wir gewohnt, die umschlossene Fläche in einer Zeichnung als Figur zu erkennen, muss sich unsere Wahrnehmung in den Zeichnungen Izquierdos anders organisieren. Hier sind es die Verdichtungen oder farbliche Differenzierung, die es uns ermöglicht, Gegenständlichkeit auszumachen.

Aus der Nähe betrachtet erleben wir eine chaotische Vielfalt. Geht man jedoch auf Distanz so scheint sich diese zu ordnen. Landschaften kristallisieren sich heraus, Figuren werden sichtbar. Und doch bleibt das Gefühl, dass die gerade entstandene Ordnung in ihrer Existenz bedroht ist. Mal scheint sie sich nicht richtig gegen das Chaos abgrenzen und jederzeit wieder überwuchert werden zu können. Mal wirkt die gegenständliche Welt in dem sie umgebenden Chaos so verloren, dass sie beständig in Gefahr ist, die mühsam der Natur abgetrotzten zivilisatorischen Errungenschaften erneut an diese zurück zu verlieren.

Formal erinnern einige Zeichnungen an die figurenreichen Arbeiten von Pieter Brueghel und Hieronimus Bosch oder aber an die Caprichos von Goya. Vielleicht denkt man auch an pointilistische Malerei, aber im Gegensatz zu derem streng wissenschaftlichen und theoretischen Ansatz geht es Izquierdo um die Flüchtigkeit der Erscheinung. Izquierdos Arbeitsweise ist spontan und strukturiert zugleich, flexibel wie auch systematisch gestaltend. Chaos organisiert sich zu Ordnung und verliert dennoch nicht seine Autonomie. Das abstrakte Liniengefüge bewahrt den prozesshaften Charakter der Zeichnung. Es scheint, als verfolge Izquierdo einen Prozess der Dekomposition, der Auflösung oder Zerlegung bis hin zu einem Punkt, an dem Neues entstehen kann. Aber er legt sich nicht fest. Alles Entstandene bleibt jederzeit unbestimmt und gefährdet.

 

José Carlos Izquierdo
APOKATASTASIS
22.10.11  -  26.11.11

Stille. Unergründliche Dunkelheit, schwarz wie die Nacht. Geräuschlos schweben farbige Formen, Körper, rätselhafte Gebilde durch den entgrenzten Raum. Immer mehr werden es, je stärker sich das Auge an die Dunkelheit gewöhnt. Leuchten, glimmen, glühen sie aus sich heraus oder gibt es eine unsichtbare Lichtquelle, durch deren Schein sie aufglänzen?

 

 

Beim Farbsehen löst Schwarz keinerlei Erregung aus. Aber Peter Nikolaus Heikenwälders Schwarz ist kein reines Schwarz, keine vollkommene Dunkelheit. Es gibt bläuliches Schwarz, bräunliches oder eher fahles Schwarz. Das Schwarz bestimmt die Grundstimmung des Raumes. Es scheint, als färbe der bunte Kosmos den ihn umgebenden Raum ein und - wie in einer Wechselwirkung - entziehe wiederum die Verdunkelung den schwebenden Körpern mehr oder weniger stark ihre Farbintensität. Die Farben schimmern wie kostbare Seidenstoffe, mal leuchtend ungebrochen, mal dezent pastellig. Die Farbgebung spielt für die Definition des Raumes eine ebenso wichtige Rolle wie die Körperhaftigkeit der Elemente und deren Anordnung im Raum.

Die farbigen Welten, die sich aus diesem ortlosen Dunkel herausschälen, bleiben abstrakt und sind dennoch körperhaft lebendig: Unwirklich Vorstellungswelten sind es, magisch, zauberhaft - irgendwie verwirrend und doch wundersam anziehend.

 

 

Gelegentlich gewährt der Künstler einen Einblick quasi hinter die Kulissen. Es ist, als höbe sich der Vorhang zur falschen Zeit einen Spaltbreit und gäbe den Blick frei auf eine chaotisch ungeordnete Welt hinter der Bühne. Ist das, was der Künstler uns also eigentlich zeigt nur ein geglättetes, entschleunigtes Blendwerk, eine Scheinwelt vor dem wahren Chaos?

 

 

Peter Nikolaus Heikenwälders Arbeiten sind malerisch, sinnlich und zugleich expressiv. Sie bauen auf Gegensätzen. Dunkelheit steht gegen Licht und Farbe, Ruhe gegen die schnelle Bewegung; biomorphe Körper gegen geometrisch-flächige Elemente von hoher Strahlkraft, erlesene Farbenpracht gegen rationale Dinglichkeit. Feinste Lasurmalerei wird schneller, spontan gesetzter Zeichnung oder scheinbar nachlässig heruntergelaufener Farbe gegenübergestellt.

 

 

Aber die Gegensätze bilden keine Brüche sondern stehen als gleichberechtigte Vielfalt sich gegenseitig bedingend nebeneinander. Man könnte auch sagen, dass Heikenwälders Bildwelt uns einerseits zu der Einsicht führt, dass die gegebene Ordnung der Welt kontingent ist, in Nichts gründet, das Notwendigkeit beanspruchen kann. Dass sie aber andererseits uns nicht im Chaos zurücklässt, sondern zeigt, dass Ordnung auch anders möglich ist. Denn die ästhetische Stimmigkeit, Ergebnis künstlerischer Meisterschaft, ist das Medium, in dem der Künstler seine Ordnungsbildung hervorbringt.

 

Peter Nikolaus Heikenwälder
LUC
03.09.11  -  15.10.11

Finissage mit Kaffee und Kuchen

am 27. August, 14-17 Uhr.

Die Künstler sind anwesend.

Katharina Büche // Michael Kutschbach
30.07.11  -  27.08.11

 

Arbeiten von

Bodo Baumgarten // Fernando de Brito // Constantin Grüning // Jens Hanke //

Peter Nikolaus Heikenwälder // José Carlos Izquierdo // Astrid Köppe //

Michael Kutschbach //Esther Naused // Hanna Nitsch // Matthias Reinmuth //

Matthias Taube // Yin Meng

 

drawn to drawing
18.06.11  -  09.07.11

Unter dem Titel Hitzefrei, der leider nicht auf unsere kindlichen Erinnerungen an den schulfreien Tag im Schwimmbad rekurriert, verweist Fürhofer in seinen neuen Arbeiten auf Themen wie Klimawandel, Ozon, Natur und Klimakonferenz. Ohne moralisierenden oder zynischen Ansatz wird der Betrachter unvermeidlich in dieses komplexe Themenfeld um Natur, Landschaft und Mensch einbezogen.

 

Fürhofers Arbeiten zeichnen sich durch besondere Virtuosität aus. In geschicktem Spiel changieren sie zwischen Malerei und Materialassemblage, spiegelnder Oberfläche und Transparenz, Zwei- und Dreidimensionalität, Figuration und Abstraktion.

Lichtdurchlässige Untergründe wie Acrylglas, Leuchtkästen oder Bildschirme bilden den Malgrund. Fürhofer ritzt und kratzt in die Oberflächen, malt mal zart lasierend, mal pastos deckend. Wie selbstverständlich kombiniert er Reste von Folien, alten Farbtuben, Zeitungen, Wasserschläuchen und Kunstpflanzen mit zartester Landschaftsmalerei. Fürhofer beherrscht die Balance zwischen sensibler Materialbehandlung und schroffer Materialität.

Der Einsatz von Licht spielt bei Fürhofers Arbeiten eine große Rolle. Das Licht wenn die Leuchtkästen oder Bildschirme eingeschaltet werden - funktioniert als "Störfaktor", strahlt von innen nach außen, wirft Schatten und verändert die Farben. Aber es gibt auch den Blick frei auf einen Raum jenseits der Oberfläche - auf eine weitere Realitätsebene. Kleine Details werden sichtbar, die Fragilität und Zerstörbarkeit ausdrücken. Die oft bei ausgeschaltetem Licht zu beobachtende Schwere seiner Malerei verflüchtigt sich bzw. ordnet sich ein in einen komplexeren Zusammenhang.

 

Phiipp Fürhofer (*1982 in Augsburg) studierte von 2002-2008 an der Universität der Künste Berlin bei Prof. Hans Jürgen Diehl. Einzelausstellungen in Paris, Berlin, München und Mailand. Teilnahme als Soloshow auf dem art forum berlin 2008 und 2009 (mit Galerie Lena Brüning). Stipendien in Südafrika, im Tessin, beim Opernhaus Zürich und im Sommer 2011 in der Kunstresidenz Bad Gastein. Entwurf des Bühnenbildes für Tschaikowskys Oper "Eugen Onegin" unter der Regie von Stefan Herheim an De Nederland Opera Amsterdam (Juni 2011).

 

 

Die Ausstellung findet in Kooperation mit VG&S Art Development statt.

 

Philipp Fürhofer
HITZEFREI
26.03.11  -  28.04.11

Tuschen und Videoarbeiten zeigt Esther Naused in ihrer neuen Ausstellung >SECUNDO< in der Galerie Carolyn Heinz.

 

Nauseds Tuschearbeiten auf Papier sind Konstruktion und freier prozesshafter Entwurf zugleich. Durch kompositorische Kraft und rein malerische Mittel entwickelt sie eine weit in die Tiefe eindringende Perspektive.

 

Obwohl flüchtige Momente der Erinnerung an alltägliche Eindrücke hineinspielen, bleiben Nauseds Tuschearbeiten ungegenständlich. Geheimnisvolle Räume tun sich dem Betrachter auf, ohne dass er sich eindeutig im Drinnen oder Draußen verorten könnte. Sichtblockaden und Durchblicke, feste Strukturen und fließende Oberflächen, Horizonte und Spiegelungen - und immer spielt das Licht eine entscheidende Rolle. Mal sind es dynamische Formationen, mal stille, sanfte Raumbilder.

 

Die Schönheit dieser alltäglichen, flüchtigen Momente, deren Wahrnehmung eine besondere Sensibilität und Aufmerksamkeit verlangt, hält die Künstlerin in ihren Videos fest. Sie setzen sich zusammen aus einer ganzen Sequenz solcher kleiner >Wunder<. Manchmal erkennt man, was dahinter steckt, meist ist es jedoch gerade die Abstraktion, die an diesen Prozessen fasziniert, so dass im Verlauf der Betrachtung die Suche nach den realen Vorgängen der Phantasietätigkeit weicht. Licht und Schatten, zartes Fließen und impulsives Strömen, harte Kontraste versus weich ineinander übergehende Strukturen sind auch hier zentrale Themen.

 

Es können langsame Prozesse sein oder schnelle Würfe, vergleichbar der Entstehung ihrer Tuschebilder, bei denen das Resultat eine gelungene Symbiose aus besonnenem, auf Erfahrung und Können beruhenden Aufbau und intuitivem, spontanen Pinselzug ist.

Konzentration auf das Wesentliche, Prägnanz und äußerste Reduktion der Mittel bei größtmöglicher Dichte zeichnen die Arbeiten von Esther Naused aus. Sie belassen den Betrachter in einem Zwischenraum, einem Erfahrungs- und Interpretationsraum höchster Intensität.

 

Esther Naused, geboren 1960 in Hamburg, studierte Freie Kunst bei Prof. Gotthard Graubner an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg. Esther Naused lebt und arbeitet in Hamburg.

 

Esther Naused
SECUNDO
05.02.11  -  19.03.11

Kuratiert von

Fernando de Brito

 

Muss alles verständlich sein, was zusammengehört?

Ist nicht das Maß der Abweichung vom Erwartbaren das, was in der Kunst interessiert?

 

Sehnsüchte…

 

"I am not a plastic bag” unter diesem Motto entwarf 2007 die bekannte britische Designerin Anya Hindmarch eine Leinentasche, die in limitierter Auflage für £5 weltweit auf den Markt kam und innerhalb eines Tages ausverkauft war. Lange Warteschlangen hatten sich vor den Läden gebildet wie man sie eigentlich aus Ländern mit Mangelwirtschaft kennt. Bis heute wurden vielfältige Kopien produziert, die zu deutlich höheren Preisen verkauft werden.

Sehnsucht nach Ikonen, die Absurdität künstlicher Verknappung, die ja auch am Kunstmarkt eine entscheidende Rolle spielt… - Nora May Klumpps Inszenierung spielt mit diesen Faktoren und präsentiert verschiedene Modelle des Kultproduktes zusammen mit einer eigenen "Fälschung".

 

Clemencia Labin deckt einen Tisch voller lebensfroher plastischer Objekte, die mitten im Winter die Sehnsucht nach sommerlich Floralem bedienen. "Collección MD" nennt Labin diese Inszenierung. Unbeschwert und spontan balancieren die einzelnen "Bouquets" zwischen kunstvollem Objekt und munterem Spiel, zwischen Figuration und Abstraktion.

Kleine Preziosen, sinnlich verführerisch in Form und Farbe maßlos, wie unkontrolliert aufbrechende Knospen, in immer neuen Variationen, schwellend, wulstig, körperhaft. Diese wuchernden Organismen sind nüchtern konfrontiert mit hölzernem Küchengerät - und schrägen Vasen. Ersatzlockstoff mit Bodenhaftung.

 

Maria Tobiassen inszeniert für die Ausstellung einen Wartebereich, der wie eine bunte Südseekulisse daherkommt: Unter künstlichen Palmenzweigen kann man in Campingstühlen Platz nehmen und zum Zeitvertreib in den ausgelegten Zeitschriften blättern. Die Zeichnungen an den Wänden zeigen exotische Vögel und Pflanzen. Man wartet mit Wartemarken am Strand aber worauf eigentlich?

Die Atmosphäre der Scheinidylle kollidiert sukzessiv mit den Attributen bürokratischer

Konsolidierungspraxis und potenziert so die Sehnsucht nach wirklicher Idylle.

Der Wartebereich als Surrogat, das letztlich nur sich selbst versprechen kann: Man wartet, um zu warten...

 

 

Nora May Klumpp (*1981 in Bremen) studierte Freie Kunst an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg bei Prof. Wiebke Siem, Prof. Jochen Hiltmann und Prof. Stanley Brouwn. Nora May Klumpp lebte und arbeitete in New York, Madrid und Stockholm, bevor sie sich in ihrer Wahlheimat Hamburg niederließ.

 

Nach einem Wirtschaftsstudium an der Columbia Universität in New York studierte Clemencia Labin (*in Maracaibo, Venezuela) Freie Kunst an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg bei den Professoren Kai Sudeck, Franz E. Walther und Sigmar Polke. Ihre Arbeiten waren bereits in zahlreichen nationalen und internationalen Ausstellungen zu sehen. Clemencia Labin lebt und arbeitet in Hamburg.

 

Maria Tobiassen (*1982 in Wilhelmshaven) studierte Freie Kunst an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg bei Prof. Wiebke Siem, Prof. Eran Schaerf und Prof. Michael Lingner. Sie erhielt Stipendien der Sammel- und der Karl H. Ditze-Stiftung. Tobiassen lebt und arbeitet in Hamburg.

 

 

 

 

Nora May Klumpp | Clemencia Labin | Maria Tobiassen
VARIANZ
04.12.10  -  27.01.11

Yin Meng

Wáng,

Aquarell auf chinesischem Papier, 184 x 136 cm

 

 

Yin Meng zeigt in "Aufgetuscht", ihrer vierten Einzelausstellung in der Galerie Carolyn Heinz, neue großformatige Aquarellarbeiten.

 

Landschaft urbane oder freie Natur spielte in Yin Mengs Malerei bereits in China eine große Rolle. Auch in ihren aktuellen Arbeiten ist Landschaft ein zentrales Thema, hat jedoch einen ganz anderen Charakter:

Im Vergleich zu den eher traditionellen Arbeiten, die noch in China entstanden, sind ihre Arbeiten freier, die Bildthemen persönlicher und privater geworden. Yin Meng verdichtet ihre Erfahrungen in Atmosphären und malt Bilder, die zwischen Traum und gelebter Realität oszillieren. Es sind weder realistische Wiedergabe noch Abstraktionen des Gesehen. Fiktive Landschaften entstehen, die wie aus einer anderen Welt wirken, Figurendarstellungen, in denen die Befindlichkeit der anonymen Figur sich v.a. durch deren Körperhaltung und den sie umgebenden Raum mitteilt.

 

In Yin Mengs Malerei ging und geht es nicht um die naturgetreue Darstellung der Landschaft. Schon die ältere chinesische Malerei suchte mit einer spezifischen Stimmung oder Atmosphäre bestimmte Empfindungen beim Betrachter zu wecken. Das ist die Maltradition, die Yin Meng aus China mitgebracht hat und auf deren Folie sich ihre Malerei weiterentwickelt hat. Aber jetzt, nach der Auseinandersetzung mit der europäischen Kultur, sind es eigene Erfahrungen und Gefühle in einem sehr persönlichen Sinn, die Yin Meng in ihre Arbeiten einfließen lässt und zu Darstellungen inspiriert, die den Betrachter in faszinierende Welten führt.

 

 

Yin Meng wurde 1973 in Chongqing, China geboren. Nach dem Besuch der Oberschule für Künste in Chongqing studierte sie von 1993 - 1997 chinesischen Malerei und Tuschmalerei an der Hochschule für bildende Künste Sichuan in Chongqing.

2001 ging sie nach Deutschland um an der Hochschule für bildende Künste Hamburg Freie Kunst bei Werner Büttner zu studieren und bekam in dieser Zeit verschiedene Preise und Stipendien. Für Ihr Diplom erhielt sie 2006 den Karl-Heinz Ditze-Diplompreis. Yin Meng lebt und arbeitet in Hamburg.

 

 

 

 

 

Yin Meng
Aufgetuscht
28.10.10  -  27.11.10

Ein sonniger Tag am See Strukturen unter Wasser und Spiegelungen auf dessen Oberfläche. Der Wind bringt die Oberfläche des Wassers nur leicht in Bewegung und schon gerät alles durcheinander, wird verzerrt und verbogen. Die Strukturen des Oben und des Unten sind nicht mehr eindeutig zuzuordnen, durchdringen sich gegenseitig, die Eben geraten außer Kontrolle.

So in etwa ergeht es dem Betrachter mit den Arbeiten von Martin Meiswinkel. Ausgangspunkt seiner Arbeiten sind am Computer generierte, ornamental eingesetzte Grundelemente. Ob stilisiert floral oder aus einer geometrischen Form gewonnen, durchziehen diese Gebilde in rythmischer, fast dekorativer Wiederholung rankenhaft den Bildraum. Mit Hilfe von Verzerrungen, gezielter Farbanordnung und illusionistischen Perspektiven überschreiten die Elemente die von Meiswinkel angelegten Bildebenen, ohne sich zu diesen Ebenen jedoch eindeutig zu verhalten. Vielmehr wird der Betrachter durch die scheinbare Bedeutung der sich wiederholenden, durch den Bildraum führenden Formen dynamisch in diesen hineingezogen, um dann schnell die Kontrolle über die eigene Positionierung einzubüßen und sich in der Widersprüchlichkeit der räumlichen Konstruktion zu verlieren.

Meiswinkel baut seine Arbeiten in dünnen, lasierenden Schichten auf und reagiert mit jeder Schicht formell und farbperspektivisch auf das bereits Entstandene. Der Farbauftrag reicht von transparent bis flächig opak, mal ist die Oberfläche delikat fein, mal belässt Meiswinkel deutliche Pinselspuren. Die Malerei scheint über den Bildrand hinauszugreifen und spielt so mit dem potentiell endlosen Charakter von Ornament.

In dem Zusammenspiel von formaler Strenge und dynamisch sich ausbreitender Bildenergie liegt der besondere Reiz. Obwohl Meiswinkel uns mit den ornamentalen Elementen und einem formal klaren Bildaufbau zunächst eine Scheinordnung suggeriert, erweist sich am Ende des Sehprozesses die gesamte Bildstruktur als kontingent und hinterlässt den Betrachter in nachhaltiger Verwirrung.

 

Martin Meiswinkel (*1973 in Tübingen) studierte an der Kunstakademie Münster bei Heinz Breloh und Ulrich Erben und am Chelsea College, London.

Seit 2010 lebt und arbeitet er in Berlin.

 

 

 

 

 

 

Martin Meiswinkel
"IN LUNAR HORIZONS"
11.09.10  -  23.10.10

Sommerausstellung mit Arbeiten von:

 

Bodo Baumgarten

Fernando de Brito

Lars Eckert

Constantin Grüning

Peter Nikolaus Heikenwälder

Astrid Köppe

Martin Löffke

Karin Marquardt

Esther Naused

und Uta Katharina Rumohr

 

Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Summertime 2010
28.07.10  -  28.08.10

 

Peter Jordaan führt uns in seinen Zeichnungen und Siebdrucken Dinge vor Augen, die wir sofort und ohne Probleme benennen können. Jordaan präsentiert sie uns kontextlos und verleiht ihnen damit einen vieldeutigen, nicht klar fixierbaren Sinn: Ein Bart ohne Gesicht, eine Kantine ohne Menschen, eine Teddyfamilie ohne "Kinderzimmer". Aber scheinbar fest verankerte, aus unserem individuellen Erfahrungsschatz gespeiste Bedeutungen versagen bei dem Versuch, das künstlerische Gebilde zu verstehen. Haben die Dinge an sich überhaupt eine Bedeutung? Erhalten sie diese nicht erst durch uns und durch den Kontext, in dem wir ihnen begegnen?

 

Grundelement der Arbeiten von Peter Jordaan ist der Strich. Durch die Anordnung von schlichten Strichen kristallisieren sich Realien heraus, es kann eine Ziege sein, eine Halle mit Hunderten von Tischen, aber auch ein Bart. Realien, die gleich wieder ins Irreale (Surreale) abgleiten. Die Welt bei Peter Jordaan ist zerbrochen, anders zusammengesetzt, ein Spiel der Striche.

 

Im Gegensatz zu Peter Jordaans Motiven, die wir problemlos zu identifizieren meinen, um dann festzustellen, dass sie nicht das sind, was sie vorzugeben scheinen, sind uns Reinhold Engberdings plastischen Arbeiten spontan fremd. Nach klaren konstruktiven Regeln, die sich der Künstler für jede Arbeit neu setzt, häkelt er in Runden mit dem immer gleichen schwarzen Garn und einheitlicher Maschentechnik zunächst hüllenhafte Formen. Oftmals werden diese gefüllt, die entstandene Form mit Wachs und Schellack gefestigt und dann das Füllmaterial wieder entfernt. Die entstandenen amorphen Hohlkörper stehen in eigentümlicher Ambivalenz zum äußerst konstruktiven Entstehungsprozess und dem gleichförmigen, ruhigen Häkelmuster. Sie scheinen mit Leben erfüllte Körper, sind aber hohl. Und obwohl sie dem Betrachter zunächst fremd erscheinen, entströmt ihnen eine unerklärliche Wärme.

 

Das Sehen bedeutet für den Sehenden eine Art Kontrolle. Durch das Sehen erkennen wir. Jordaan und Engberding setzen diese Form der Kontrolle außer Kraft. Wir sehen die Dinge und doch erkennen wir sie nicht. Dinge, die wir zu erkennen scheinen, verlieren auf einmal ihre Bedeutung, und zu Formen, die uns zunächst fremd sind, bauen wir gerade dadurch eine Beziehung auf.

 

Reinhold Engberding / Peter Jordaan
Bart und Faden
29.05.10  -  03.07.10

 

Astrid Köppe

o.T. (#67), 2008,

Emaille auf Stahl, 130x120 cm

 

Eröffnung: 9. April 2010, 19-23 Uhr

im Rahmen des Galerierundgangs im Kontorhausviertel

 

Puschelige Wesen, amöbenhafte Getiere, haarige Dinger kontextlos treten dem Betrachter diese eigentümlichen, unidentifizierbaren Schöpfungen gegenüber. Nicht allein durch ihre Vereinzelung wirken sie fremd und irritierend.

Astrid Köppe bedient sich aus dem Pool der unmittelbar erlebten, sinnlich wahrnehmbaren Welt. Doch sie bildet nicht ab, sondern extrahiert bereits im Prozess der Wahrnehmung die für sie interessanten Aspekte des Gesehenen und formt vor ihrem inneren Auge eine Essenz. Mit dieser Essenz im Kopf macht sie sich ans Zeichnen der imaginativen Formen, die dann im Verlauf der Arbeit durchaus ein zusätzliches Eigenleben gewinnen können.

Unmittelbar sinnlich erfahrbar und suggestiv sprechen Astrid Köppes Zeichnungen und Emaillearbeiten eine poetische, sehr reduzierte Formensprache, geheimnisvoll und von außerordentlicher Zartheit. Sie spielen mit unseren Assoziationen und halten uns dennoch auf Distanz.

Die Einfachheit der gezeichneten Form, deren schlichte und doch spezifische Beschaffenheit schärft die Wachheit gegenüber dem Wesen der alltäglichen, oft geradezu banalen Dinge, gegenüber der Schönheit ihrer Einzelformen, ihrer Oberfläche, ihrer Konsistenz. So nimmt uns die Künstlerin auf eine Reise mit, bei der wir den unterschiedlichsten Welt-Dingen begegnen, die uns zwar einerseits vertraut, gleichzeitig aber auch fremd erscheinen. Durch diese beunruhigende Erfahrung sind wir gezwungen, uns selbst den Weg zu suchen. Die Bilder geben keine Hilfestellung in direkter Weise, aber immerhin doch in der Form, dass sie durch die Stimmigkeit der Darstellung uns die Möglichkeit einer anderen Ordnungsbildung spüren lassen.

 

Astrid Köppe
1a flachware
10.04.10  -  22.05.10

Hanna Nitsch,

Aaron 26-12-09, Tusche auf Papier, 32 x 24 cm

 

Eröffnung:

5. Februar 2010, 19 Uhr

 

 

Wie zeigen sich die Kinder - Mädchen, gelegentlich auch Jungen - die Hanna Nitsch malt? Je intensiver der Betrachter diese Bilder erforscht, umso länger wird die Kette der sich ihm aufdrängenden Assoziationen, bis er schließlich in einen Irrgarten von sich widersprechenden, unheimlichen, verstörenden Vorstellungen eintaucht:

 

In sich versunkene Kinder, verschlossen, unnahbar; verletzlich und verängstigt, fragend.

Aber auch jenseits der Unschuld provozierend, durchblickend, drängend, kokett.

Zwanghaft ausgestattet mit dem falschen Charme verführerischer Weiblichkeit.

Misshandelt. Böse. Furienhaft.

Auf der Suche nach Identität, imaginierend, spielerisch offen, eintauchend in den Dschungel einer Phantasiewelt.

 

Die Körper der Kinder sprengen den Bildrahmen, wirken vergrößert, drängen nach vorn, dem Betrachter entgegen. Er ist direkt mit den aufgerissenen Augen, dem ihn anstarrenden Blick konfrontiert. Selten sind die Kinder auf Augenhöhe. Sie schauen von oben herab oder von unten herauf. Die sichtbaren Körperteile sind kindlich fahl und blutleer. Farbe wird ambivalent mit unterschiedlichen Effekten eingesetzt, als Rötung der Haut wie bei einer Verletzung oder als aufreizende Schminke, die mit den verführerischen Attributen der Weiblichkeit spielt. Auch die Farbe in den changierenden Stoffen der Kleider deutet in diese Richtung. Bisweilen wird Farbe auch eingesetzt, um die schattenhaften Flecken des Körpers hervorzuheben, oder wirkt als eine Hülle, die den Körper modelliert und ihm eine starke physische Präsenz verleiht.

 

Hinter dem, was Kindern kulturell zugeschrieben wird, kommt auf diese Weise eine Vielfalt von sowohl freundlichen wie auch zerstörerischen, gleichsam polymorph-perversen (Freud) Möglichkeiten zum Ausdruck. Diese markieren immer auch Widerstände gegen die kulturelle Zurichtung. Das Individuum geht nicht in dem auf, was als Leitbild kultureller Identität durchgesetzt wird. Die nicht integrierten Reste erscheinen als Quelle schöpferischer Produktivität. Darin treffen sich die Kinder mit den Künstlern. Und warum nur die Kinder? Ihnen (und der Künstlerin, die sie porträtiert) ist noch verfügbar, wozu später der Zugang verloren geht. Handelt es sich vielleicht gar nicht um Kinder mit ihren spezifischen Charakteristika, die dargestellt werden, sondern eher um eigenschaftslose Projektionsflächen? Projektionsflächen, in die wir als Betrachter alle die phantasierten Möglichkeiten und dunklen Rückerinnerungen hineinlegen, die uns wie eine unfassbare Erscheinung anrühren.

 

Hanna Nitsch
Brüderchen und Schwesterchen
06.02.10  -  03.04.10

Sechs Künstler der Galerie laden Gäste ein:

 

Reinhold Engberding & Peter Jordaan

Peter Nikolaus Heikenwälder & Fernando de Brito

Astrid Köppe & Gabriele Jerke

Esther Naused & Friedrich Einhoff

Uta Rumohr & Henrik Hold

Yin Meng & Nina Takata

 

 

 

 

 

 

 

Reinhold Engberding, o.T. (Vielliebchen), Garn gehäkelt, Schellack, Wachs, H ca. 200 cm

 

SECHS x ZWO
Freundschaftsbande
05.12.09  -  30.01.10

Eröffnung: 28. Oktober 2009, 19 Uhr

 

Das Thema, das sich in Peter Nikolaus Heikenwälders neusten Arbeiten abzeichnet, scheint ein ganz eigener Kosmos zu sein, der sich jedoch erst auf den zweiten Blick offenbart. Ein Kosmos von unendlicher Tiefe, der den Betrachter in einen schwarzen oder gedämpft farbigen Strudel zieht, in welchem es weder Vorder- noch Hintergrund sondern nur undefinierten Raum gibt, der von meist geometrischen oder amorphen Objekten durchkreuzt wird, die dort ihre Bahnen ziehen.

Die schwebenden Objekte tauchen aus der Dunkelheit der Bildtiefe auf oder verschwinden darin, durchkreuzen das Bild oder verharren auf der Stelle, je nach Sichtweise und Interpretation des Betrachters. Diese undefinierte Raumsituation lässt dem Rezipienten die Freiheit, zwischen den Objekten und Strukturen der Werke Bezüge zu schaffen und dem Heikenwälderschen Kosmos Erzählungen zu entnehmen, die von eigenen Erfahrungen und Assoziationen geleitet werden.

Die Bildtiefe von Heikenwälders abstrakten Arbeiten wird nicht durch den Einsatz von Perspektive erreicht, sondern mithilfe der Farbe erzeugt. In dünnen durchscheinenden Schichten wird eine Farbebene über die andere gelegt. So überarbeitet Heikenwälder den Hintergrund immer wieder, wobei er auch Objekte übermalt oder Farbe wieder auswischt und so ein räumliches Gesamtgefüge schafft, welches alle Teile der Bildkomposition miteinander verbindet. Dabei bleibt die Bildoberfläche gleichzeitig immer lasierend und leicht, während die Objekte in greifbaren Konturen und Farben modelliert sind. Sie verstärken dadurch den Tiefeneindruck, und dadurch, dass sie, obwohl sie von einer Lichtquelle außerhalb des Bildes angestrahlt werden, selbst keinen Schlagschatten werfen. Somit werden räumliche Anhaltspunkte verweigert und die Weite des Kosmos entsteht.

Während sich dieses Universum auf den großformatigen Arbeiten der emergency apple Ausstellung als unendliche Schwärze auftut, scheinen sich dem Betrachter in den kleineren Papierarbeiten kosmische Nebel in zurückgenommener Farbigkeit zu präsentieren. Doch auch diese bieten keine räumlichen Anhaltspunkte. Die Expedition in die Tiefe der Werke wird somit eine Reise ins Nichts, die dadurch auch den Titel verständlich macht. Dabei lässt auch die Übersetzung betrachterabhängige Interpretationen zu, da emergency sowohl eine Notsituation, als auch ein unvorhergesehenes Ereignis bedeuten kann. Und Unerwartetes kann sich in der Dunkelheit der Bilder durchaus verstecken. Nur was es sein könnte lässt Heikenwälder dem Rezipienten offen. Doch vermittelt er durch diese ungeklärte Situation ein ganz bestimmtes Gefühl, das seinen Widerhall durchaus in der Realität findet oder auch aus der Wirklichkeit entnommen hier bildnerische Umsetzung findet. Denn wo in Politik und Gesellschaft nur noch von Krisen gesprochen wird, kann Ungewissheit nicht ausbleiben.

 

Text: Anne Krüger

 

Peter Nikolaus Heikenwälder
emergency apple
29.10.09  -  28.11.09

Eröffnung: 11.September, 19 Uhr

 

Formen und Farben fügen sich in den Scherenschnitten von Yin Meng (*1973 in Chongqing, China) so zusammen, als seien es Märchenbilder. Auf dünnes Reispapier wird getuscht, es wird ausgeschnitten, gerissen, geklebt, darauf gezeichnet. Räume entstehen voller Poesie, Bühnen phantastischer Landschaften, die von einem wunderlichen - mal drolligen, mal kauzigen - Figurenpersonal bevölkert werden.

Wie im Märchen bewegen sich die "Geschichten" auf einem schmalen Grat zwischen Schmerz und Heiterkeit und führen in die Tiefen unbewusster Strömungen, aus denen seelische und emotionale Erfahrungen gespeist werden.

Yin Mengs Arbeiten sind Ausdruck persönlicher Erlebnisse, Empfindungen und Überraschungen. Die Unergründlichkeit der chinesischen Geschichte und Kultur ist auf geheimnisvolle Weise in ihrer Arbeit präsent, wobei eine hohe malerische Kraft erahnen lässt, wie sehr sie sich mit der Welt um sich herum auseinandersetzt. Dabei gelingt es ihr auf eindrucksvolle Weise, in eine Art Dialog zwischen der europäischen und chinesischen Kultur einzutreten.

 

Yin Meng wurde 1973 in Chongqing, China geboren. Nach dem Besuch der Oberschule für Künste in Chongqing studierte sie von 1993 - 1997 chinesischen Malerei und Tuschmalerei an der Hochschule für bildende Künste Sichuan in Chongqing.

2001 ging sie nach Deutschland um an der Hochschule für bildende Künste Hamburg Freie Kunst bei Werner Büttner zu studieren. Für Ihr Diplom erhielt sie 2006 den Karl-Heinz Ditze-Diplompreis. Yin Meng lebt und arbeitet in Hamburg.

 

Yin Meng
DAO : der Weg Messer/zerstoßen/stürzen/ankommen - der Weg
12.09.09  -  17.10.09

Moritz Hasse, New York, Brooklyn, North 10th Street, 2008, Öl auf Leinwand, 70 x 100 cm

 

 

Räume von unbestimmter Topographie, in deren undurchsichtigen Weiten sich der Betrachter unentrinnbar verliert - menschenleere Straßenzüge, die sich selbst genügen und in denen die Zeit still zu stehen scheint gemeinsam ist beiden Positionen der Ausstellung LichtSchattenRaum mit Arbeiten von Esther Naused und Moritz Hasse die Konzentration auf den Moment, auf das Innehalten an einem spannungsreichen Balancepunkt, der den Betrachter in einem Schwebezustand hält.

 

 

Moritz Hasse bereist Großstädte und photographiert. Dann kehrt er in sein Atelier zurück und übersetzt diese eingefrorenen Momente in Ölmalerei. Es entstehen keine fotorealistischen Arbeiten, sondern transformierte Wirklichkeiten.

Zu sehen sind nicht die Prachtboulevards oder Sehenswürdigkeiten der Metropolen, sondern ihre ganz gewöhnlichen Allerweltsstraßen. Hasse zeigt sie menschenleer, ihrer städtischen Vitalität beraubt, oftmals in gleißendes Sonnenlicht getaucht mit langen Schattenwürfen: Bilder voller Sinnlichkeit und dabei von einer prosaischen Ruhe, wie sie einem manchmal ganz früh morgens begegnet, bevor das Leben der Stadt beginnt.

Kein Detail beansprucht besondere Aufmerksamkeit, aber ebenso ist nichts als nebensächlich gekennzeichnet. Alles wirkt alltäglich, verbindlich und erzeugt dennoch zugleich eine seltsame Irritation. Hasses Bilder halten an einem Punkt inne, an dem sie einerseits den Blick des Betrachters in die Tiefen der Straßenzüge ziehen, ihn andererseits durch ihre Unnahbarkeit aber ebenso vehement zurückweisen und auf Distanz halten.

 

Moritz Hasse, geboren 1972 in Bremen, studierte Freie Kunst an der Muthesius-Hochschule Kiel und der Hochschule der Bildenden Künste in Berlin, wo er sein Studium mit dem Meisterschüler abschloss. Studienaufenthalte in Moskau und New York. Seit 2006 Lehrauftrag an der Bauhaus-Universität Weimar. Moritz Hasse lebt und arbeitet in Berlin

 

Esther Nauseds kleinformatige Arbeiten auf Papier sind Konstruktion und freier prozesshafter Entwurf zugleich. Was stimmig ist, wird in einem Prozess kontrollierter Variation entdeckt.

Auf flüchtigen Momenten der Erinnerung an alltägliche Eindrücke gründend bleiben Nauseds Arbeiten dennoch ungegenständlich. Geheimnisvolle Räume tun sich dem Betrachter auf, ohne dessen eindeutiger Verortung im Drinnen oder Draußen. Sichtblockaden und Durchblicke, feste Strukturen und fließende Oberflächen, Horizonte und Spiegelungen - und immer spielt das Licht eine entscheidende Rolle. Mal sind es dynamische Formationen, mal stille, sanfte Raumbilder.

Konzentration auf das Wesentliche, Prägnanz und äußerste Reduktion der Mittel bei größtmöglicher Dichte zeichnen die Kleinodien von Esther Naused aus. Sie belassen den Betrachter in einem Zwischenraum, einem Erfahrungs- und Interpretationsraum höchster Intensität.

Esther Naused, geboren 1960 in Hamburg, studierte Freie Kunst an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg. 1999 Weltmeisterin im Japanischen Bogenschießen. Esther Naused lebt und arbeitet in Hamburg.

 

Moritz Hasse und Esther Naused gemeinsam ist die hohe Darstellungskraft, die unter Einsatz sparsamster formaler und künstlerischer Mittel erreicht wird.

Bei dem einen entstehen Stadtlandschaften, die die vielen Details zugunsten der farblichen Abstraktion aufgeben, das Zeichensystem Stadt unmittelbarer erfassen lassen, als es eine detailgenaue Fotografie je täte. (Arne Rautenberg)

Die andere bleibt abstrakt, zeigt weder landschaftliche Außenräume noch architektonische Innenräume, sondern undefinierbare Grenzbereiche, in denen ein verschwörerisches Zwielicht herrscht. (Frauke Moreno)

Esther Naused - Moritz Hasse
LICHTSCHATTENRAUM
04.07.09  -  08.08.09

"Filz, Farbe, Akt, Ecke", 1997, Acryl auf Filz, H 230 cm

 

Malerei - Bo

Bodo Baumgarten

 

Bodo Baumgartens Arbeiten sind immer wieder überraschend. Sie sind abstrakte Bild-Gebilde, die aber stets auf Erscheinungsformen der Wirklichkeit rekurrieren.

 

Vielfach entstehen Baumgartens Arbeiten im Freien, direkt vor der Natur. Dort malt er oder zeichnet, schneidet das Papier, reißt es, klebt, übermalt erneut. In diesem Handlungsprozess verdichten sich die Realitätsfragmente zu einem neuen, eigenen Erfahrungszusammenhang, der im Atelier gegebenenfalls zu weiterer Autonomie führt.

Die Ausstellung zeigt eine Auswahl von Arbeiten der so entstandenen Serien "Stadtpark" und "Klotzenmoor" aus dem Jahr 2008. Es sind hier mehr die kleinen Gesten, eine Farbe, ein bestimmter Schwung, eine scharfe Kante, die dem Betrachter die Atmosphäre der Situation, die Kraft eines Ortes vermitteln.

 

Kraftvoll und dynamisch entfalten sich Baumgartens plastische Raumarbeiten aus Filz und pigmentiertem Silikon. Farbe und Raum sich wechselseitig verstärkend - sind zentrale Aspekte seines Kunstschaffens. Die großformatigen Verspannungen im Raum, mit ihrer zumeist groben Oberflächenstruktur und kräftigen Farbigkeit sind von starker malerischer Expressivität.

 

Bodo Baumgarten (*1940 in Gotenhafen/Gdinia) studierte Freie Malerei an der Werkkunstschule Kiel und an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg bei den Professoren Domke, Brockmann, Grimm und Graubner. Von 1989-2006 war er Professor für Freie Malerei an der Hochschule der Bildenden Künste Saar in Saarbrücken. 1977 Teilnahme an der documenta 6 unter Manfred Schneckenburger. Baumgarten lebt und arbeitet in Hamburg, Köln, Paris, Scharbeutz und Athen.

 

 

Bodo Baumgarten
Malerei - Bo
28.02.09  -  11.04.09